Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats März 2020

  

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin
(geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, gestorben am 7. Juni 1843 in Tübingen)

Friedrich Hölderlin erschuf mit seinem „Hyperion“ eine der größten Dichtungen deutscher Sprache. Der bereits 1792 in Tübingen begonnene und in Waltershausen umgearbeitete Roman liegt hier in seiner endgültigen Fassung vor, die jedoch erst nach Hölderlins Liebesbeziehung zu Susette Gontard abgeschlossen wurde, die das Modell für die Diotima in seinem Briefroman wurde. In das Widmungsexemplar an sie schrieb er: „Wem sonst als Dir“ und im beiliegenden Brief: „Hier unser Hyperion, Liebe! Ein wenig Freude wird diese Frucht unserer seelenvollen Tage Dir noch geben. Verzeih mirs, Daß Diotima stirbt. Du erinnerst dich, wir haben uns ehemals nicht ganz darüber vereinigen können. Ich glaubte, es wäre, der ganzen Anlage nach, nothwendig. Liebste! alles was von ihr und uns, vom Leben unseres Lebens hie und da gesagt ist, nimm es wie einen Dank, der öfters um so wahrer ist, je ungeschikter er sich ausdrükt …“

 

Erstausgabe von Friedrich Hölderlin: Hyperion oder der Eremit in Griechenland

 

HÖLDERLIN, F.: Hyperion oder der Eremit in Griechenland. 2 Bände in 1, Tübingen, J. G. Cotta 1797-99. 160 S.; 124 S. Vereinzelt geringfügig stockfleckig. Alter Name auf Titel und im Vorsatz. Vorsatzblätter unauffällig erneuert. Grünes Lesebändchen. Gutes Exemplar. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung. Ecken geringfügig bestoßen.

20.000,-

Seltene Erstausgabe von Hölderlins Erstlingswerk. - Bruchstücke aus dem Roman erschienen 1794 erstmals in Schillers Zeitschrift "Neue Thalia". - "Die Dichte, in der sich poetische Sprache und geschichtsphilosophische Argumentation, Zeitkritik und religiöse Metaphorik verbinden, macht die Einzigartigkeit dieses Textes in der deutschen Literatur aus". (KNLL 7, 930). Auf Hölderlins Wunsch wurde das Buch in Antiqua in der Hopferschen Druckerei in Tübingen gedruckt. Man vermutet, dass sich die Auflage auf lediglich 300 bis 350 Exemplare belief. – Goedeke V, 471, 1; Stuttgart Hölderlin-Ausgabe 8, 349.

Objekt des Monats Januar 2020

  

Zum 264. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart
(geboren am 27. Januar 1756 in Salzburg, gestorben am 5. Dezember 1791 in Wien)

Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart, wie sein vollständiger Name lautete, komponierte seit seiner Kindheit über 600 Werke. Die „Entführung aus dem Serail“ wurde am 16. Juli 1782 am Wiener Burgtheater unter der Leitung des erst 26-jährigen Komponisten uraufgeführt und veranlasste den kaiserlichen Auftraggeber Joseph II. zu dem Ausspruch „zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart“, worauf dieser ironisch erwiderte: „gerade so viel Noten, Euer Majestät, als nötig sind“.

 

Erstausgabe des Klavierauszugs des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart.: Die Entführung aus dem Serrail

 

MOZART, W. A.: Die Entführung aus dem Serrail [!]. Ein komisches Sing=Spiel in drey Aufzügen, Die Musick ist von dem vortrefflichen Herrn Mozart, und Der Klavier=Auszug von Herrn Abbé Starck. [KV 384]. Mainz, B. Schott (PlattenNr. 44) [nach 1785]. Quer-Quart, Gestochener Titel, 134 S. Titel mit verblichenem alten Namenszug. Nahezu fleckenfrei. 2 Bl. mit kleinen Randläsuren. Bindung etwas gelockert. Guter Abzug. Pappband.

- verkauft -

Erstausgabe des Klavierauszugs mit dem hübschen Titelblatt. Frühe Verlagsproduktion der Firma B. Schott in Mainz. - Um den Absatz der Oper schnell zu steigern, wurden die Arien mit eigenen Titelblättern versehen und einzeln verkauft. Je nach  Bedarf wurden die Einzelnummern auch wieder zu einem kompletten Klavierauszug zusammengefasst und verkauft. - Unser Exemplar mit den Merkmalen des 3. bis 5. Abzugs (vgl. Haberkamp S. 177 ff.). - "Bei dem vorliegenden Klavierauszug der Oper handelt es sich bereits um die 2. Ausgabe. Die etwas verworrenen Zusammenhänge versucht E. Laaff zu klären: 1783 hatten sowohl Schott in Mainz als auch Götz in Mannheim unabhängig voneinander einen Klavierauszug herausgebracht. Er beruhte auf Kopien, die J.F.X. Starck in Wien, wohl ohne Wissen Mozarts, angefertigt und den beiden Verlagen verkauft hatte. Leopold Mozart forderte von beiden die Stichplatten und die Zurückziehung der Exemplare und verklagte sie schließlich vor Gericht, nachdem die Verleger die Forderungen zurückgewiesen hatten. Nach Starcks Aussage vor Gericht hatte W. A. Mozart ihm jedoch ausdrücklich die Kopierung und Verbreitung erlaubt. Leopold Mozarts Klage wurde daher abgewiesen. Nach Laaff war bereits 1784 die erste Auflage des Klavierauszugs vergriffen und bei einer Neuauflage wollten Mozarts sich sogar selbst beteiligen. Exemplare der 1783 erschienenen Klavierauszüge bei Schott und Götz sind bisher nicht nachweisbar. Das frühe Erscheinen des Schott-Drucks hatte auch Mozarts Arbeit an einem Klavierauszug jäh beendet, der bei Torricella in Wien herauskommen sollte" (Haberkamp I, 179 f.). - Haberkamp I, 178ff; Slg. Hoboken Bd. 11, 140.

Objekt des Monats Dezember 2019

  

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane
(geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, gestorben am 20. September 1898 in Berlin)

Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane an Theodor Storm

Theodor Storms 36. Geburtstag fiel in seinen dreiwöchigen Aufenthalt in Berlin im September 1853. Bevor Storm Ende 1853 nach Potsdam zog, war er von Theodor Fontane bereits als Mitarbeiter des belletristischen Jahrbuchs „Argo“ gewonnen worden, das Fontane zusammen mit Franz Kugler herausgab. Im ersten Band, der Ende 1853 erschien, erschienen neben der Erzählung „Ein grünes Blatt“ auch mehrere Gedichte Storms, unter anderem „Abschied“, „Trost“, „Mai“ und „Nachts“. Theodor Fontanes Willkommensgedicht ist neben dem Geburtstagsgruß auch die Antwort auf Theodor Storms bekanntes Oktoberlied von 1848 („Der Nebel steigt, es fällt das Laub …“), in dem er zahlreiche Textpassagen und Wörter aufnimmt und in seinen eigenen Kontext stellt. – Ein wunderbares Dokument dieser besonderen literarischen Freundschaft.

Autographen: Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane an Theodor Storm

 

FONTANE, Theodor [1819-1898]: Eigenhändige Gedichtabschrift: "Oktoberlied zum 14. September 1853". Ohne Ort, [um 1853]. Großoktav. 1 1/4 Seiten. Ein Wort mit minimalem Buchstabenverlust. Knickfalten.

€ 7.200,-

Das Gedicht entstand zu Theodor Storms 36. Geburtstag, den er gemeinsam mit seinen Freunden, den Herausgebern (Fontane und Kugler) und Mitarbeitern des belletristischen Jahrbuchs "Argo", in Berlin feierte. Storm schildert in einem Brief an seine Frau ausführlich, wie das Fest verlief "... Fontane zog natürlich wieder ein langes Gedicht aus der Tasche ...". Das Geburtstagsgedicht enthält viele persönliche Elemente und stellt zugleich einen Willkommensgruß für den schleswig-holsteinischen Dichter in Berlin dar. - Vorliegende Gedichtabschrift mit kleinen Textabweichungen in der 1., 2. und 5. Strophe, vgl. Ges. Werke 6, 323.

Objekt des Monats November 2019

  

Zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart
(geboren am 14. November 1719 in Augsburg, gestorben am 28. Mai 1787 in Salzburg)

Leopold Mozart komponierte zahreiche Sinfonien, Oratorien und Divertimenti, die er jedoch nicht drucken ließ, weshalb sie heute größtenteils verloren sind. Er war sowohl mit der alten als auch mit der neuen Musiktheorie bestens vertraut. Seine Violinschule, ein modernes, systematisch und didaktisch gut aufbereitetes Lehrwerk, dem rasch eine zweite und dritte Auflage folgte, ist jedoch der Nachwelt erhalten geblieben. Eine holländische und französische Übersetzung sorgten schnell für internationale Verbreitung. Die Violinschule des Vaters galt als Basis für Wolfgang Amadeus Mozarts musikalische und ästhetische Erziehung.
Das wichtigste Lehrbuch für Geigenspiel seiner Zeit.

Originalausgabe von Leopold Mozart - Versuch einer gründlichen Violinschule

 

MOZART, Leopold: Versuch einer gründlichen Violinschule, entworfen und mit 4 Kupfertafeln sammt einer Tabelle versehen. Augsburg, J. J. Lotter 1756. Klein Quart. Frontispiece, 8 Bl., 264 S. mit zahlr. Notenbeispielen, 4 Bl. Register, 3 Tafeln in Kupferstich, eine gefaltete Tabelle in Typendruck. Sehr früher Abdruck, noch ohne das Blatt "Errata". Etwas stockfleckig. Halblederband im Stil der Zeit mit zeitgenössischem Buntpapier.

- verkauft -

Originalausgabe des berühmten Lehrwerkes. Im Jahr der Geburt des Sohnes Wolfgang Amadeus erschienen. "Die Anordnung des Lehrstoffes ist musterhaft und da er [Mozart] kein Vorbild hatte: genial (Eitner). Das Werk geht über den Rahmen einer reinen Instrumentallehre ebenso hinaus, wie die Flötenschule von Quantz und C. P. E. Bachs "Versuch ... das Clavier zu spielen". Als Schule des Vortrags ist diese Violinschule zu einer Hauptquelle für die Beurteilung der damaligen Aufführungspraxis geworden. Das dekorative Frontipiece in Kupferstich von J. A. Friedrich nach G. Eichler stellt Leopold Mozart dar; vgl. seinen Brief vom 29.12.1755 in dem er bestätigt, dass er für das Porträt Model gestanden hat. - Hirsch I. 419; Wolffheim I, 861; Reinfurth Nr. 188.

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