Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats Dezember 2019

  

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane
(geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, gestorben am 20. September 1898 in Berlin)

Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane an Theodor Storm

Theodor Storms 36. Geburtstag fiel in seinen dreiwöchigen Aufenthalt in Berlin im September 1853. Bevor Storm Ende 1853 nach Potsdam zog, war er von Theodor Fontane bereits als Mitarbeiter des belletristischen Jahrbuchs „Argo“ gewonnen worden, das Fontane zusammen mit Franz Kugler herausgab. Im ersten Band, der Ende 1853 erschien, erschienen neben der Erzählung „Ein grünes Blatt“ auch mehrere Gedichte Storms, unter anderem „Abschied“, „Trost“, „Mai“ und „Nachts“. Theodor Fontanes Willkommensgedicht ist neben dem Geburtstagsgruß auch die Antwort auf Theodor Storms bekanntes Oktoberlied von 1848 („Der Nebel steigt, es fällt das Laub …“), in dem er zahlreiche Textpassagen und Wörter aufnimmt und in seinen eigenen Kontext stellt. – Ein wunderbares Dokument dieser besonderen literarischen Freundschaft.

Autographen: Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane an Theodor Storm

 

FONTANE, Theodor [1819-1898]: Eigenhändige Gedichtabschrift: "Oktoberlied zum 14. September 1853". Ohne Ort, [um 1853]. Großoktav. 1 1/4 Seiten. Ein Wort mit minimalem Buchstabenverlust. Knickfalten.

€ 7.200,-

Das Gedicht entstand zu Theodor Storms 36. Geburtstag, den er gemeinsam mit seinen Freunden, den Herausgebern (Fontane und Kugler) und Mitarbeitern des belletristischen Jahrbuchs "Argo", in Berlin feierte. Storm schildert in einem Brief an seine Frau ausführlich, wie das Fest verlief "... Fontane zog natürlich wieder ein langes Gedicht aus der Tasche ...". Das Geburtstagsgedicht enthält viele persönliche Elemente und stellt zugleich einen Willkommensgruß für den schleswig-holsteinischen Dichter in Berlin dar. - Vorliegende Gedichtabschrift mit kleinen Textabweichungen in der 1., 2. und 5. Strophe, vgl. Ges. Werke 6, 323.

Objekt des Monats November 2019

  

Zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart
(geboren am 14. November 1719 in Augsburg, gestorben am 28. Mai 1787 in Salzburg)

Leopold Mozart komponierte zahreiche Sinfonien, Oratorien und Divertimenti, die er jedoch nicht drucken ließ, weshalb sie heute größtenteils verloren sind. Er war sowohl mit der alten als auch mit der neuen Musiktheorie bestens vertraut. Seine Violinschule, ein modernes, systematisch und didaktisch gut aufbereitetes Lehrwerk, dem rasch eine zweite und dritte Auflage folgte, ist jedoch der Nachwelt erhalten geblieben. Eine holländische und französische Übersetzung sorgten schnell für internationale Verbreitung. Die Violinschule des Vaters galt als Basis für Wolfgang Amadeus Mozarts musikalische und ästhetische Erziehung.
Das wichtigste Lehrbuch für Geigenspiel seiner Zeit.

Originalausgabe von Leopold Mozart - Versuch einer gründlichen Violinschule

 

MOZART, Leopold: Versuch einer gründlichen Violinschule, entworfen und mit 4 Kupfertafeln sammt einer Tabelle versehen. Augsburg, J. J. Lotter 1756. Klein Quart. Frontispiece, 8 Bl., 264 S. mit zahlr. Notenbeispielen, 4 Bl. Register, 3 Tafeln in Kupferstich, eine gefaltete Tabelle in Typendruck. Sehr früher Abdruck, noch ohne das Blatt "Errata". Etwas stockfleckig. Halblederband im Stil der Zeit mit zeitgenössischem Buntpapier.

- verkauft -

Originalausgabe des berühmten Lehrwerkes. Im Jahr der Geburt des Sohnes Wolfgang Amadeus erschienen. "Die Anordnung des Lehrstoffes ist musterhaft und da er [Mozart] kein Vorbild hatte: genial (Eitner). Das Werk geht über den Rahmen einer reinen Instrumentallehre ebenso hinaus, wie die Flötenschule von Quantz und C. P. E. Bachs "Versuch ... das Clavier zu spielen". Als Schule des Vortrags ist diese Violinschule zu einer Hauptquelle für die Beurteilung der damaligen Aufführungspraxis geworden. Das dekorative Frontipiece in Kupferstich von J. A. Friedrich nach G. Eichler stellt Leopold Mozart dar; vgl. seinen Brief vom 29.12.1755 in dem er bestätigt, dass er für das Porträt Model gestanden hat. - Hirsch I. 419; Wolffheim I, 861; Reinfurth Nr. 188.

Objekt des Monats Oktober 2019

  

Zum 260. Geburtstag von Georges Danton
(geboren am 25. Oktober 1759 in Arcis-sur-Aube, hingerichtet am 5. April 1793 in Paris)

Der Name Georges Danton ist untrennbar mit der Französischen Revolution verbunden. Der Rechtsanwalt und radikale Verfechter der Republik war ein begnadeter Redner und in der Zeit vom 6. April bis 10. Juli 1793 als erster Vorsitzender des Wohlfahrtsausschusses für den Terror verantwortlich, dem er später selbst zum Opfer fiel. Vom 10. August bis zum 9. Oktober 1792 war er zudem der erste Justizminister der Republik. Als er sich für Friedensverhandlungen mit dem Ausland aussprach und die Terrorherrschaft beenden wollte, wurde er von Maximilian Robespierre gestürzt, der ihm Verrat an der Revolution vorwarf. Georg Büchner setzte dem Revolutionär mit seinem 1835 veröfffentlichten Drama “Dantons Tod“ ein bleibendes Denkmal.


Danton Brief von Schreiberhand

 

DANTON, Georges [1759-1794]: Brief von Schreiberhand mit eigenhändiger Unterschrift. Paris, L'an 10. IX. 1792 / L'an 4e de La Liberté et Le Premier de Légalité. Folio. 2/3 S. auf starkem, bläulichem Papier. Knickfalten.

€ 1.800,-

Schreiben des Französischen Revolutionärs und Justizministers an Jacques Reverchon [1750-1818], Deputé de Saône-et-Loire: "J'ay recue, Monsieur, votre Lettre sans datte que vous M'avés adressée au Sujet de M. Massicot administrateur au departement de Macon, j'ecris en consequence au Commisaire du pouvoir executif près Le tribunal pourqu'il Me donne Les renseignements Necessaires dans Cette affaire des que je Les aurai recu, j'aurai L'honneur de vous repondre d'une maniere precise." Unterschrieben mit Le Ministre De La justice Danton.

Jacques Reverchon wurde 1791 in die gesetzgebende Versammlung gewählt und 1792 von den Wählern des Departements Saône-et-Loire zum Abgeordneten des Konvents. Er war Mitglied im Rat der Fünfhundert und wurde im fünften Jahr der Revolution zum Administrator seines Departements ernannt. Während des Prozesses gegen Ludwig XVI. sprach er sich "für den Tod ohne Aufschub" aus. - Das Schreiben Dantons entstand wenige Tage nach den zwischen dem 2. und 6.9.1792 stattfindenden, von ihm initiierten Septembermorden, bei denen 1.200 inhaftierte Revolutionsgegener massakriert wurden. Am 21. September 1792 wurde das Königtum in Frankreich abgeschafft.

Objekt des Monats September 2019

  

Zum 360. Geburtstag von Henry Purcell
(geboren am 10. September 1659 in Westminster, London, gestorben am 21. November 1695 ebenda)

Henry Purcell galt als einer der bedeutendsten englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts und als er 1695 im Alter von nur 36 Jahren verstarb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Er diente als Komponist und Organist unter den drei Königen Charles II., James II. und William III, für die er zahlreiche Oden und Anthems für Soli, Chor, Orchester und Orgel sowie andere Gelegenheitswerke komponierte. Daneben entstanden eine große Anzahl von Liedern, Kanons, Fantaisies für Streicher, zwölf Triosonaten und zehn Sonate a Quatro im italienischen Stil, die jedoch erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden. Ab seinem 30. Lebensjahr wandte er sich der Bühnenmusik zu, komponierte die Oper „Dido und Aeneas“ und mehrere Ballettopern, davon alleine drei in seinem Todesjahr. Seine Schauspielmusik zu „The Fairy Queen“, eine Bearbeitung von Shakespeares „Sommernachtstraum“, wird auch heute noch aufgeführt. Aufgrund seines großartigen Oeuvres wurde ihm der Titel „Orpheus Britannicus“, also „Britischer Orpheus“ verliehen, angelehnt an Orpheus, den Dichter und Sänger aus dem alten Griechenland.


Henry Purcell: Orpheus Britannicus

 

PURCELL, H.: Orpheus Britannicus. A Collection of all The Choicest Songs. For One, Two, and Three Voices ... Together, With such Symphonies for Violins or Flutes, As were by Him design'd for any of them: And A Through-Bass to each Song. Figur'd for the Organ, Harpsichord, or Theorbo-Lute. The Third Edition with Large Additions; and placed in their several Keys according to the Order of the Gamut. 2 Bände in 1. London, W. Pearson for S. H. 1721. Folio. Titel, 1 Bl. Widmung, VI S., 286 S.; Titel, 1 Bl., II, 204 S. Titel jeweils in Rot und Schwarz. Goldschnitt, Ex Libris und handschriftlicher Besitzvermerk auf dem Vorsatzpapier sowie auf dem Titel. Marmorierte Vorsätze mit Goldfileten. Kleiner Riss weißen Rand von Titel Bd. 1 unauffällig repariert. Wenige, unauffällige Marginalien von alter Hand. Lederband des 18. Jahrhunderts, Gelenke restauriert. Rücken mit Goldprägung..

- verkauft -

Gutes Exemplar der seltenen und umfangreichsten Ausgabe. Diese Sammlung enthält die schönsten weltlichen Gesänge von Purcell, komponiert für ein bis drei Stimmen, die erstmals 1698 erschienen sind. Zu der posthum erschienenen Ausgabe steuerten Freunde und die Witwe Purcells zahlreiche Kompositionen bei, die hier erstmals im Druck vorliegen. - Ohne das Porträt. - Exlibris von Peter Calvocoressi. - RISM VIII, P 5980; BUC 859.
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