Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats September 2019

  

Zum 360. Geburtstag von Henry Purcell
(geboren am 10. September 1659 in Westminster, London, gestorben am 21. November 1695 ebenda)

Henry Purcell galt als einer der bedeutendsten englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts und als er 1695 im Alter von nur 36 Jahren verstarb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Er diente als Komponist und Organist unter den drei Königen Charles II., James II. und William III, für die er zahlreiche Oden und Anthems für Soli, Chor, Orchester und Orgel sowie andere Gelegenheitswerke komponierte. Daneben entstanden eine große Anzahl von Liedern, Kanons, Fantaisies für Streicher, zwölf Triosonaten und zehn Sonate a Quatro im italienischen Stil, die jedoch erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden. Ab seinem 30. Lebensjahr wandte er sich der Bühnenmusik zu, komponierte die Oper „Dido und Aeneas“ und mehrere Ballettopern, davon alleine drei in seinem Todesjahr. Seine Schauspielmusik zu „The Fairy Queen“, eine Bearbeitung von Shakespeares „Sommernachtstraum“, wird auch heute noch aufgeführt. Aufgrund seines großartigen Oeuvres wurde ihm der Titel „Orpheus Britannicus“, also „Britischer Orpheus“ verliehen, angelehnt an Orpheus, den Dichter und Sänger aus dem alten Griechenland.


Henry Purcell: Orpheus Britannicus

 

PURCELL, H.: Orpheus Britannicus. A Collection of all The Choicest Songs. For One, Two, and Three Voices ... Together, With such Symphonies for Violins or Flutes, As were by Him design'd for any of them: And A Through-Bass to each Song. Figur'd for the Organ, Harpsichord, or Theorbo-Lute. The Third Edition with Large Additions; and placed in their several Keys according to the Order of the Gamut. 2 Bände in 1. London, W. Pearson for S. H. 1721. Folio. Titel, 1 Bl. Widmung, VI S., 286 S.; Titel, 1 Bl., II, 204 S. Titel jeweils in Rot und Schwarz. Goldschnitt, Ex Libris und handschriftlicher Besitzvermerk auf dem Vorsatzpapier sowie auf dem Titel. Marmorierte Vorsätze mit Goldfileten. Kleiner Riss weißen Rand von Titel Bd. 1 unauffällig repariert. Wenige, unauffällige Marginalien von alter Hand. Lederband des 18. Jahrhunderts, Gelenke restauriert. Rücken mit Goldprägung..

- verkauft -

Gutes Exemplar der seltenen und umfangreichsten Ausgabe. Diese Sammlung enthält die schönsten weltlichen Gesänge von Purcell, komponiert für ein bis drei Stimmen, die erstmals 1698 erschienen sind. Zu der posthum erschienenen Ausgabe steuerten Freunde und die Witwe Purcells zahlreiche Kompositionen bei, die hier erstmals im Druck vorliegen. - Ohne das Porträt. - Exlibris von Peter Calvocoressi. - RISM VIII, P 5980; BUC 859.

Objekt des Monats August 2019

  

Zum 270. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe
(geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, gestorben am 22. März 1832 in Weimar)

Im Jahre 1791 gründete Carl August von Sachsen-Weimar das Weimarer Hoftheater und übertrug die Leitung desselben an Johann Wolfgang von Goethe, der diese bis 1817 innehatte. Die vormals adelige Laienspieltruppe des Liebhabertheaters wurde von Goethe durch ein professionelles Ensemble ersetzt. Zudem pflegte er eine enge Zusammenarbeit mit den Autoren, die auch Einfluss auf die Inszenierungen nehmen durften. Der Eröffnungsaufführung am 7. Mai 1791, Ifflands „der Jäger“, folgten in den 26 Jahren unter Goethes Intendanz, weitere 4.805 Aufführungen von Schauspiel und Musiktheater.


Johann Wolfgang von Goethe Handschriftlicher Wochenarbeitsplan

 

GOETHE, Johann Wolfgang von [1749-1832]: Handschriftlicher Wochenarbeitsplan für Schauspieler und Mitarbeiter des Weimarischen Hoftheaters mit eigenhändiger Unterschrift: "J.W.Goethe". Weimar, 18. April 1816. 32,6 x 20 cm. Etwas fleckig. Verso mit Montagespuren.

- verkauft -

Dieses interessante, seltene Schriftstück aus Goethes letztem Jahr als Intendant des Weimarer Hoftheaters enthält dessen Anweisungen der "Wöchentlichen Beschäftigung" für die Schauspieler und anderen Mitarbeiter des Theaters von Montag, den 22. April bis Samstag, den 27. April 1916:

"Montag, den 22ten April 1816; frühe um 10. Uhr Probe von dem Lustspiel: die Brandschätzungen um 11 Uhr von der Nacht im Walde. Am Abend die Vorstellung daran - Dienstag, den 23. ej[us]: frühe um 10. Uhr, und Nachmittag um 4. Uhr Clavierprobe von der Oper. Theodor. - Mittwoch den 24ten ej: frühe um 10. Uhr Probe; am Abend die Vorstellung von dem Schauspiel: Reue und Ersatz [durchgestrichen und seitlich korrigiert zu: Des Hasses und der Liebe Rache]. - Donnerstag den 25ten ej: frühe um 10. Uhr Clavier[probe]; Nachmittag um 4. Uhr Quartettprobe zu König Theodor (...)

Die hier genannten Theaterstücke des seinerzeit sehr beliebten August von Kotzebue und das Singspiel „König Theodor in Venedig“ Giovanni Paisiello bilden nur einen kleinen Teil des vielfältigen und facettenreichen Programms ab, mit dem Goethe den Geschmack des breiten Publikums in Weimar zu treffen wusste.


Objekt des Monats Juni 2019

  

Zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach
(geboren am 20. Juni 1819 in Köln, gestorben am 5. Oktober 1880 in Paris)

Jacques Offenbach, einer der bedeutendsten Musikdramatiker der musikalischen Romantik, hat ein umfangreiches Werk von über 600 Partituren, darunter allein 141 Bühnenwerke hinterlassen. Jenseits der bekannten und beliebten Melodien wie „Cancan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ oder „Barcarole“, war der wohl größte Violoncellovirtuose seiner Zeit auch Komponist zahlreicher Melodien und Romanzen, die heute weitgehend unbekannt sind. Unsere beiden Objekte repräsentieren zwei dieser spannenden, unbekannten Werke.


Jacques Offenbach - Bagatelle

 

OFFENBACH, J.: Bagatelle. Opera Comique en Un acte de H. Crémieux et E. Blum. Partition Chant et Piano arrangée par L[éon]. Roques. Paris, Choudens (VerlagsNr. A.C. 2850) [1874]. Folio. 64 S. Titelblatt mit eigenhändiger Widmung Offenbachs. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

- verkauft -

Seltene Erstausgabe des Klavierauszugs mit eigenhändiger Widmung Offenbachs auf dem Titelblatt "16. Xbre [Decembre 18]74". Die Uraufführung der 25minütigen Beziehungsoperette fand im Mai 1874 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris statt. Die Handlung dieser Verwicklungskomödie ist schnell erzählt: Der junge Geck Georges Plateville sucht die Bagatelle genannte Café-Concert-Sängerin in ihrer Wohnung auf. In der Hoffnung, sie sich gewogen zu machen, versperrt er alle Türen und versteckt die Schlüssel. Er hat nicht mit dem wachsamen Auge von Pistache gerechnet, einem Klarinettisten, der sich - voller amouröser Absichten auf Bagatelles Dienerin Finette - gleichfalls in die Wohnung geschlichen hat. Letztendlich finden sich natürlich beide Paare. - CPM 43, 173; Lesure II, 107 f.


Jacques Offenbach - Eigenhändiges Musikmanuskript  

OFFENBACH, Jacques [1819-1880]: Eigenhändiges Musikmanuskript mit eigenhändigem Namenszug am Schluß. Ohne Ort und, ohne Datum. Quer-Folio. 1 Seite Blatt oben angesetzt. 20zeilig. Kleine Rasuren, angerändert.

€ 4.500,–

Schönes Musikmanuskript einer Arie in A-dur für eine Gesangsstimme mit Klavier, die offenbar für eine der zahlreichen "operas bouffes" komponiert wurde. Text und Musik mit Tierstimmen, wie dem Kuckuck (cou cou), der Ente (quoi, quoi) oder der Katze (miau, miau) folgen einer lang ausgedehnten Coda, mit der das Stück auch abschließt.

Objekt des Monats Mai 2019

  

Zum 135. Todestag von Friedrich Smetana
(geboren am 2. März 1824 in Litomysl (Leitomischl), gestorben am 12. Mai 1884 in Prag)

Franz Liszt war für Friedrich Smetana Autorität, Vorbild und in späteren Jahren auch Ratgeber. Ihre Verbindung mündete, nach vielen persönlichen Begegnungen, in eine Freundschaft sich gegenseitig respektierender Künstler. Bei Begegnungen in Weimar 1857 und 1859 stellten sie sich gegenseitig ihre Werke vor und Smetana bearbeitete auf Anraten des Älteren das Trio g-Moll und seine ersten beiden Symphonischen Dichtungen „Richard III“ und „Wallensteins Lager“. Im Herbst 1874 traf Smetana mit dem Verlust seines Gehörs ein tragisches Schicksal. Trotz seiner Gehörlosigkeit entstanden gerade in der letzten Dekade seines Lebens viele seiner Meisterwerke, wie die Symphonische Dichtung „Ma Vlast“ (Mein Vaterland), die er seiner Heimatstadt Prag widmete.


Musikautographen - Dankesbrief von Friedrich Smetana

 

SMETANA, Bedrich [1824-1884]: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift. Jabkenice, 23. Mai [1]880. Oktav. Doppelbogen. 3 1/2 Seiten. Am oberen Blattrand braunfleckig. Papierbedingt leicht gebräunt.

€ 25.000, –

Sehr persönlicher Dankesbrief an den "Hochgefeierten Meister" und "Allverehrten Freund" Franz Liszt. Liszt hatte veranlasst, das Smetanas 1876 entstandenes erstes Streichquartett "Aus meinem Leben" (e-Moll) am 15. Mai 1880 in Weimar mit Augustin Kömpel als Konzertmeister aufgeführt wurde. "Es ist wohl nicht schwer die Idee zu errathen, die mich bei der Arbeit dieses Quartetts leitete. Es sind Erinnerungen, gedrungen empfunden, 'aus meinem Leben' in Kunst und Leben. Nur auf eine Stelle erlaube ich mir zu deuten, es ist im Finale - (welches nebenbei gesagt, die nationale Richtung in jüngster Zeit in meiner Kunst anzeigen soll) - wo das 4gestrichene E pfeiffend in der höchsten Lage der Primvioline einige Takte hindurch tönt".

Smetana schildert nun ausführlich den Ausbruch seiner Taubheit im Jahr 1874. "Dies glaubt ich mir erlauben zu dürfen um die Katastrofe meines Schicksals anzudeuten, wohl des traurigsten Schicksals für den Musiker, des Verlustes seines Gehörs! So nämlich fing meine Krankheit an. Es war gerade kein E, sondern der Sextakkord in As: c, es, as, in der höchsten Lage, welcher Akkord tagtäglich zur bestim[m]ten Stunde des Abends, meist zwischen 6-7 Uhr, oft eine Stunde lang, ununterbrochen in schrill tönen der Art mich bis zum Wahnsinn verfolgte. Als ich bald nachher völlig taub geworden bin, verlor sich auch dieser Assklang im Ohre für immer, um einem ewig dauernden Sausen und Brausen Platz zu machen. Ich habe daher den Beginn meines jetzigen traurigen Zustandes - die Katastrofe meines Schicksals - andeuten zu müssen geglaubt, hier freilich in der Tonart E, und dies der Grund jener Stelle im Finale mit dem pfeiffenden 4gestr. E. Ich bedauere, dass der Verleger sich mit der Herausgabe des Textes zu meinem Cyclus symphonischer Dichtungen "Vlast" [Vaterland] verspätet hat. Sowie sie werden erschienen sein, werde ich mich beeilen, sie nachzusenden". - Zum Schluß bittet er den "Meister", ihn auf seiner nächsten Reise durch Prag zu besuchen. Nach dem Ausbruch seiner Krankheit zog sich Smetana 1876 weitgehend aus dem öffentlichen Leben in Prag zurück. Er zog zu seiner Tochter Sophie aufs Land nach Jabkenice. "Die Taubheit hat Smetanas musikalisches Vorstellungsvermögen und seine Schaffenskräfte keineswegs gelähmt. Ganz im Gegenteil, im letzten Jahrzehnt seines Lebens konzentrierte er sich intensiv aufs Komponieren. Zu jener Zeit entstand die Mehrzahl seiner größten Werke" (Smetana- Aust.Kat. Prag 1998, S. 104). - Nicht gedruckt in: Briefe und Erinnerungen.


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