Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats Januar 2018

Erstausgabe aller sechs Klaviersonaten Carl Philipp Emanuel Bach

 

Zum 230. Todesjahr von Carl Philipp Emanuel Bach

(geboren 1714 in Weimar, gestorben 1788 in Hamburg) 

„Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihm gelernt“. (Mozart).

Carl Philipp Emanuel Bach war der berühmteste der vier, ebenfalls als Komponisten tätigen, Bachsöhnen. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker in der Zeit zwischen Barock und Klassik und hatte großen Einfluß u.a. auf Haydn und Beethoven.

BACH, C. Ph. E.: Sechs Clavier-Sonaten (nebst einigen Rondos fürs Forte-Piano) für Kenner und Liebhaber. [Wq 55-59,61] Erste (bis sechste) Sammlung in 1 Band. Leipzig, Im Verlage des Autors 1779-1787. Quer-Folio. Je Heft mit Titelblatt und Pränumeranten-Verzeichnis.  Anfangs einige Blatt mit Wasserrand am rechten oberen Blattrand. Etwas gebräunt. Sonst gutes Exemplar. Schöner, etwas späterer Halblederband mit Rückenvergoldung. Unteres Kapital leicht beschädigt.

€ 9.500,–-

Erstausgabe der Sammlung aller sechs Klaviersonaten "für Kenner und Liebhaber" in Typendruck. Äußerst selten in dieser Vollständigkeit. - Der zweitälteste Sohn J. S. Bachs (1714-1788) lebte viele Jahre als Cembalo-Virtuose Friedrichs des Großen am Berliner Hof und später als Kantor und Musikdirektor in Hamburg,  wo auch die Sonaten entstanden sind. Sein Einfluß auf die Entwicklung des Klavierstils ist nicht hoch genug einzuschätzen, seine Verdienste um das Musikleben seiner Zeit enorm. Dementsprechend besaß er bereits zu Lebzeiten eine herausragende Stellung bei seinen Zeitgenossen, wie das Pränumeranten-Verzeichnis der Sonaten zeigt (u. a. Burney, Kirnberger, Marpurg, Schubart und Türk). - Die einzelnen Hefte, jeweils in Typendruck, wurden in der Breitkopfischen Offizin hergestellt. Die Sammlungen 1-3 liegen in der Ausgabe mit Diskantschlüssel (statt Violinschlüssel) vor. Beide Ausgaben sind gleichzeitig erschienen. - Hoboken 190, 192, 195, 196, 198, 201; RISM B 85, 87, 88, 90, 91, 93; Helm S. 262 f.

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Objekt des Monats Dezember 2017

Eigenhändiger Brief von Heinrich Heine

 

Zum 220. Geburtstag von Heinrich Heine

(geboren am 13.12.1797 in Düsseldorf, gestorben am 17. Februar 1856 in Paris) 

Schöner, ausführlicher Brief des 26-jährigen Heinrich Heines an seine jüngere Schwester Charlotte, Ehefrau des Hamburger Kaufmanns Moritz Embden, der er über seine beabsichtigte Abreise aus Lüneburg und sein geplantes venezianisches Trauerspiel berichtet. Nach seiner Abreise aus Berlin im Mai 1823 hatte Heine einen studienlosen Sommer in Lüneburg verbracht.

Am 24. Januar 1824 traf er in Göttigen ein, um sich erneut an der dortigen Universität zu immatrikulieren, mit der festen Absicht, sein juristisches Studium mit der Promotion abzugschließen. Vorangegangen war die Aussöhnung mit seinem Hamburger Onkel Salomon, der selbst nach Heines zweimaliger Exmatrikulation bereit war, ihn weitere zwei Jahre zu finanzieren. Bedingung dafür war die Wahl des provinziellen Studienortes Göttingen, der ihn vor den gesellschaftlichen und literarischen Ablenkungen, die seine Studien in Berlin begleitet hatten, schützen sollte.

HEINE, Heinrich [1797-1856]: Eigenhändiger Brief mit Ort, Datum und Unterschrift. Lüneburg, 9. Januar 1824 [recte 11.1.1824]. Großoktav. 2 1/4 Seiten mit Siegelspur. Adresse abgeschnitten, dadurch Textverlust von 3/4 der Seite, leicht fleckig.

€ 48.000,–-

"Liebe kleine Person! Heute reise ich noch nicht; aber ich reise übermorgen wenn meine Hemde unterdessen trocken sind, und ein Brief, den ich von Berlin erwarte, angekommen ist. Du weißt noch von Hamburg her, daß ich überall, wo ich bin, so leicht kleben bleibe. Aber heut über acht Tag müssen die Thore und Menschengesichter Lüneburgs hinter mir seyn. Von meinen Eltern wird mir der Abschied schwer werden. Wir deklamiren Dein Trompeterstückchen: Calypso ne pouvoit se consoler du depart d’Ulysse - - Denkst Du aimable Französinn noch an jene Telemakzeit? Wie gern küßte ich Dir noch einmal die scharmanten Katzenpfötchen ehe ich mich aus dieser Gegend entferne! Auch von Amiechen wird mir der Abschied schwer. Die kleine Bestie hat mir hier wahrlich manche Stunde verschönert. Wenn ich des Abends lese sitzt das nette Thierchen auf meiner Schulter, und fängt immer an zu bellen wenn ich an eine schöne Stelle des Buches komme. Amiechen hat mehr Verstand u Gefühl als alle deutschen Philosophen u Poeten. - Vorgestern hab ich an Gustav geschrieben. - Ueber Deinen Brief vom 31 Dez habe ich mich recht gefreut. Es ist heute Sonntag, vielleicht habe ich mich oben im Datum geirrt. - Ueber Deine literarische Noth habe ich herzlich gelacht. Schreibe mir oft. Daß ich an einem Trauerspiel arbeite, wie man Dir berichtet, hat nicht ganz seine Richtigkeit. Ich habe nemlich noch keine Zeile davon geschrieben, und das Stück existirt bis jetzt bloß in meinem Kopfe; wo noch manche andere Stücke und noch viele gute Bücher bereit liegen. Aber jetzt bin ich zu krank um etwas zu schreiben und meine wenigen gesunden Stunden sind meinen Studien gewidmet. Es ist jetzt überhaupt noch immer die Zeit der Saat bey mir; ich hoffe aber auf eine gute Erndte. Ich suche die verschiedenartigsten Kenntnisse in mir aufzunehmen u werde mich in der Folge desto vielseitiger u ausgebildeter als Schriftsteller zeigen. Der Poet ist bloß ein kleiner Theil von mir; ich glaube Du kennst mich hinlänglich um dieses zu begreifen. Deinen Rath recht viele in meinem Trauerspiel sterben zu lassen hab ich mir bemerkt. Ach Gott, ich wollte ich könnte alle meine Feinde darinn sterben lassen. Den Pfuscher grüße mir recht viele tausendmahl. Wiederhole ihm die Versicherung meiner Freundschaft. Wer mein kleines Lottchen liebt den liebe ich auch. Außerdem bin ich ja auch ein großer Verehrer von Archenholz. Grüße mir auch Adolf Emden und dessen Lottchen, so wie auch die Familie Jaques u Fanny u Mama." (Der anschließende Briefteil fehlt.) "Ich hoffe, liebes Lottchen, daß Du mir in Göttingen viele liebe Briefchen zukommen lassen wirst; jedes derselben erheitert meine Seele. Alles was Du schreibst ist so lieb u klar; wie ein reiner Spiegel, zeigt mir jede Zeile Dein gutes Originalgemüth. Lebe wohl u behalte mich lieb H. Heine." - Erläuterungen: "Brief": von seinem engen Freund, dem Bankangestellten Moses Moser, den Heine um Übersendung eines Abgangszeugnisses der Berliner Universität gebeten hatte, das er für die Fortsetzung seines Studiums in Göttingen benötigte. - "Calypso": Fénelon, Les aventures de Telemaque, fils d’Ulysse, 1699. - "Trauerspiel": Heine wollte ein Drama in fünf Akten schreiben, dessen Handlung in Venedig spielen sollte. Er gab den Plan jedoch im Herbst des Jahres auf. - "Pfuscher": Charlottes Ehemann, Moritz Embden. - "Archenholz": der Historiker und Schriftsteller Johann Wilhelm von A., 1743-1812. - "Familie Jaques u Fanny u Mama": die Familie des Kaufmanns Theodor Jacques und seiner Ehefrau Emilie geb. Embden; mit Mama ist Esther Embden geb. Cohen, die Mutter von Adolph und Moritz Embden, gemeint; Fanny ist Heines Cousine, die zweite Tochter Salomon Heines, seit 1818 mit dem Arzt Christian Wilhelm Schröder verheiratet. - In der Säkularausgabe Band 20 unter Nr. 90 nach einer Photokopie gedruckt; der fehlende Briefteil war schon damals nicht mehr vorhanden.

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Objekt des Monats November 2017

Eigenhändiger Brief von Wilhelm Hauff

 

Zum 190. Todestag von Wilhelm Hauff

(geboren am 29. November 1802 in Stuttgart, gestorben am 18. November 1827 ebenda) 

Wilhelm Hauff war einer der berühmtesten Märchenerzähler der Spätromantik. In seinem nur 25 Jahre währenden Leben schuf er noch heute beliebte Märchen wie „Zwerg Nase“, „Kalif Storch“, „der kleine Muck“ oder “das kalte Herz“.

Nach seinem Vorbild Walter Scott begründete Wilhelm Hauff den historischen deutschsprachigen Roman. Sein berühmtestes Werk, die Sage „Lichtenstein“ um den Württembergischen Herzog Ulrich veranlasste Wilhelm, Graf von Württemberg, in den Jahren 1840-42 auf den Ruinen der alten Burg eine Ritterburg im Stil des Mittelalters zu erbauen. In der Verlagsankündigung von „Lichtenstein“ des Verlegers Franckh in Stuttgart am 3. Januar 1827 stellt er Hauff als „neuesten Lieblingsdichter“ dar und damit auf eine Stufe mit dem überaus erfolgreichen Walter Scott.

„Der schwäbische Walter Scott“ bietet im Dezember 1826 dem Verleger Friedrich Brockhaus sechs Beiträge für die „Blätter für literarische Unterhaltung“ an. Am 5. Januar und am 20. Februar bittet Brockhaus Hauff ihm endlich den angebotenen Aufsatz über das „Leben Napoleons“ von Walter Scott zu übersenden. Wilhelm Hauff antwortet jedoch erst am 20. März mit folgendem Brief:

HAUFF, Wilhelm [1802-1827]: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift "Dr. Wilh. Hauff". Stuttg[art], 20. III. [18]27. Groß-Quart. 1 Seite. Leicht gebräunt. Mit Siegelrest und Blattausriß durch Siegelbruch (ohne Textverlust). Poststempel.

€ 15.000,–-

Von größter Seltenheit - aus seinem Todesjahr. - Brief an den Verleger Friedrich Brockhaus in Leipzig bei dem Hauff sich für seine bisher nicht gelieferte Rezension von Walter Scotts "Leben Napoleons Bonapartes" für die "Blätter für literarische Unterhaltung" rechtfertigt. "... Klagen Sie nicht mich an ..., sondern wälzen Sie in Gottes Namen alle Schuld auf Treutel und Würz in London. Es ist eine ärgerliche Geschichte. In meinem Pult liegt eine vollständige Recension über die 4 ersten Bände von W. Scotts 'Napoleons Leben' bereit, die ich gleich Anfangs für Ihr Blatt bestimmt habe. Nun hat der Franckh (Verleger), der Treuteln die Aushängebogen abkauft, den Vertrag eingegangen, unter keiner Art und Form, früher etwas auszugeben als das Original in London erschienen ist, denn sie wollen dort alle 7 Bände auf einmal erscheinen laßen und Europa überraschen ... Ich bekam die Aushänge Bogen ... nur unter der Bedingung, früher nichts davon druken zu laßen als biß Treutel und Würz ... ankündigen es sei so eben erschienen. Nun weiß ich nichts beßeres zu thun als mein Manuscript Ihrer Di[s]cretion zu übergeben, vorausgesezt daß Sie wollen ... dann druken Sie frisch und munter und sind immer noch der Erste in Teutschland, der eine Critik geben kann ... Noch einen anderen, freilich gewagten Vorschlag könnte ich Ihnen machen. Ich könnte die Recension in eine Briefform einkleiden, solche von London datieren und Ihrem Blatt von W. Scotts Napoleon erzählen. Freilich müßten Sie mich dann mit Ihrem Wort versichern, daß Sie mich, im Fall Treutel etc Lärm schlagen, gänzlich aus dem Spiel laßen und lieber Gott, die Welt und den Teufel belügen, als mich nennen. Schreiben Sie mir bald ...". - Starke Expansion und Aufschwung im Buchhandel führten in der Zeit zu einem erbitterten Kampf um Marktanteile. "Das Beispiel Scott führte den Verlegern vor, welche Geschäftserfolge mit geeigneter Übersetzungsliteraur zu erzielen waren" (N. Bachleitner, „Übersetzungsfabriken“. Das Deutsche Übersetzungswesen i. d. ersten Hälfte des 19. Jhdts., S. 7).

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Objekt des Monats Oktober 2017

Erstausgabe von Etienne-Nicolas Méhul: Mélidore et Phrosine

 

Zum 200. Todestag von Etienne-Nicolas Méhul

(geboren am 22. Juni 1763 in Givet/Ardennen, gestorben am 18. Oktober 1817 in Paris) 

Méhul gehörte zu einem der bedeutendsten Komponisten der Revolutionszeit und Wegbereiter der Romantik, der auch außerhalb Frankreichs große Bedeutung erlangte. Er schrieb mehr als 40 Opern.

MÉHUL, [E. N.]: Mélidore et Phrosine. Drame lyrique en trois actes. Paroles du Citoyen [Vincent] Arnauld. [Partitur mit Text]. Représenté pour la première fois sur le Théatre Lyrique de la rue Favart, le 17 Germinal, l’An second de la République Francaise. Paris, Cousineau Pere et Fils (ohne PlattenNr.) [1794]. Folio. 300 S. Titelblatt mit handschriftlicher Signatur des Verlegers. Papierbedingt etwas gebräunt. Pappband der Zeit mit farbigem Rücken- und Deckelschild.

€ 1.200,–-

Sehr seltene Erstausgabe der Partitur. Exemplar aus der Sammlung des französischen Komponisten Charles-Simon Catel (1773-1830), der zur gleichen Zeit wie Méhul am Pariser Conservatorium unterrichtete. Die Oper gilt mit ihrer Hinwendung zu Jean-Jacques Rousseaus Naturideal und ihrer Phantastik des Revolutionspathos als ein markantes Beispiel einer frühen französischen romantischen Oper. "Méhul gehört einer Komponistengeneration an, die nicht nur verschiedene Phasen der französischen Musik durchlaufen, sondern auch zu deren Ausgestaltung beigetragen haben. Die entscheidende Phase von Méhuls schöpferischer Arbeit fand in der Französischen Revolution statt, während er Werke komponierte, die unmittelbar als symbolisch für die unruhige Epoche erkannt wurden. In seinen Opern treibt er Techniken auf ihren Höhepunkt, die seine Vorgänger während der 1780er Jahre entwickelt hatten, darunter in erster Linie die Bereicherung des orchestralen Satzes" (MGG²). - Lt. Vorbesitzer kam das schöne Exemplar später in die Bibliothek von Vincent D'Indy.  - RISM M 2026; Clement/Larousse 729; nicht BSB; CPM 38,376.

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