Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats November 2019

  

Zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart
(geboren am 14. November 1719 in Augsburg, gestorben am 28. Mai 1787 in Salzburg)

Leopold Mozart komponierte zahreiche Sinfonien, Oratorien und Divertimenti, die er jedoch nicht drucken ließ, weshalb sie heute größtenteils verloren sind. Er war sowohl mit der alten als auch mit der neuen Musiktheorie bestens vertraut. Seine Violinschule, ein modernes, systematisch und didaktisch gut aufbereitetes Lehrwerk, dem rasch eine zweite und dritte Auflage folgte, ist jedoch der Nachwelt erhalten geblieben. Eine holländische und französische Übersetzung sorgten schnell für internationale Verbreitung. Die Violinschule des Vaters galt als Basis für Wolfgang Amadeus Mozarts musikalische und ästhetische Erziehung.
Das wichtigste Lehrbuch für Geigenspiel seiner Zeit.

Originalausgabe von Leopold Mozart - Versuch einer gründlichen Violinschule

 

MOZART, Leopold: Versuch einer gründlichen Violinschule, entworfen und mit 4 Kupfertafeln sammt einer Tabelle versehen. Augsburg, J. J. Lotter 1756. Klein Quart. Frontispiece, 8 Bl., 264 S. mit zahlr. Notenbeispielen, 4 Bl. Register, 3 Tafeln in Kupferstich, eine gefaltete Tabelle in Typendruck. Sehr früher Abdruck, noch ohne das Blatt "Errata". Etwas stockfleckig. Halblederband im Stil der Zeit mit zeitgenössischem Buntpapier.

- verkauft -

Originalausgabe des berühmten Lehrwerkes. Im Jahr der Geburt des Sohnes Wolfgang Amadeus erschienen. "Die Anordnung des Lehrstoffes ist musterhaft und da er [Mozart] kein Vorbild hatte: genial (Eitner). Das Werk geht über den Rahmen einer reinen Instrumentallehre ebenso hinaus, wie die Flötenschule von Quantz und C. P. E. Bachs "Versuch ... das Clavier zu spielen". Als Schule des Vortrags ist diese Violinschule zu einer Hauptquelle für die Beurteilung der damaligen Aufführungspraxis geworden. Das dekorative Frontipiece in Kupferstich von J. A. Friedrich nach G. Eichler stellt Leopold Mozart dar; vgl. seinen Brief vom 29.12.1755 in dem er bestätigt, dass er für das Porträt Model gestanden hat. - Hirsch I. 419; Wolffheim I, 861; Reinfurth Nr. 188.

Objekt des Monats Oktober 2019

  

Zum 260. Geburtstag von Georges Danton
(geboren am 25. Oktober 1759 in Arcis-sur-Aube, hingerichtet am 5. April 1793 in Paris)

Der Name Georges Danton ist untrennbar mit der Französischen Revolution verbunden. Der Rechtsanwalt und radikale Verfechter der Republik war ein begnadeter Redner und in der Zeit vom 6. April bis 10. Juli 1793 als erster Vorsitzender des Wohlfahrtsausschusses für den Terror verantwortlich, dem er später selbst zum Opfer fiel. Vom 10. August bis zum 9. Oktober 1792 war er zudem der erste Justizminister der Republik. Als er sich für Friedensverhandlungen mit dem Ausland aussprach und die Terrorherrschaft beenden wollte, wurde er von Maximilian Robespierre gestürzt, der ihm Verrat an der Revolution vorwarf. Georg Büchner setzte dem Revolutionär mit seinem 1835 veröfffentlichten Drama “Dantons Tod“ ein bleibendes Denkmal.


Danton Brief von Schreiberhand

 

DANTON, Georges [1759-1794]: Brief von Schreiberhand mit eigenhändiger Unterschrift. Paris, L'an 10. IX. 1792 / L'an 4e de La Liberté et Le Premier de Légalité. Folio. 2/3 S. auf starkem, bläulichem Papier. Knickfalten.

€ 1.800,-

Schreiben des Französischen Revolutionärs und Justizministers an Jacques Reverchon [1750-1818], Deputé de Saône-et-Loire: "J'ay recue, Monsieur, votre Lettre sans datte que vous M'avés adressée au Sujet de M. Massicot administrateur au departement de Macon, j'ecris en consequence au Commisaire du pouvoir executif près Le tribunal pourqu'il Me donne Les renseignements Necessaires dans Cette affaire des que je Les aurai recu, j'aurai L'honneur de vous repondre d'une maniere precise." Unterschrieben mit Le Ministre De La justice Danton.

Jacques Reverchon wurde 1791 in die gesetzgebende Versammlung gewählt und 1792 von den Wählern des Departements Saône-et-Loire zum Abgeordneten des Konvents. Er war Mitglied im Rat der Fünfhundert und wurde im fünften Jahr der Revolution zum Administrator seines Departements ernannt. Während des Prozesses gegen Ludwig XVI. sprach er sich "für den Tod ohne Aufschub" aus. - Das Schreiben Dantons entstand wenige Tage nach den zwischen dem 2. und 6.9.1792 stattfindenden, von ihm initiierten Septembermorden, bei denen 1.200 inhaftierte Revolutionsgegener massakriert wurden. Am 21. September 1792 wurde das Königtum in Frankreich abgeschafft.

Objekt des Monats September 2019

  

Zum 360. Geburtstag von Henry Purcell
(geboren am 10. September 1659 in Westminster, London, gestorben am 21. November 1695 ebenda)

Henry Purcell galt als einer der bedeutendsten englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts und als er 1695 im Alter von nur 36 Jahren verstarb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Er diente als Komponist und Organist unter den drei Königen Charles II., James II. und William III, für die er zahlreiche Oden und Anthems für Soli, Chor, Orchester und Orgel sowie andere Gelegenheitswerke komponierte. Daneben entstanden eine große Anzahl von Liedern, Kanons, Fantaisies für Streicher, zwölf Triosonaten und zehn Sonate a Quatro im italienischen Stil, die jedoch erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden. Ab seinem 30. Lebensjahr wandte er sich der Bühnenmusik zu, komponierte die Oper „Dido und Aeneas“ und mehrere Ballettopern, davon alleine drei in seinem Todesjahr. Seine Schauspielmusik zu „The Fairy Queen“, eine Bearbeitung von Shakespeares „Sommernachtstraum“, wird auch heute noch aufgeführt. Aufgrund seines großartigen Oeuvres wurde ihm der Titel „Orpheus Britannicus“, also „Britischer Orpheus“ verliehen, angelehnt an Orpheus, den Dichter und Sänger aus dem alten Griechenland.


Henry Purcell: Orpheus Britannicus

 

PURCELL, H.: Orpheus Britannicus. A Collection of all The Choicest Songs. For One, Two, and Three Voices ... Together, With such Symphonies for Violins or Flutes, As were by Him design'd for any of them: And A Through-Bass to each Song. Figur'd for the Organ, Harpsichord, or Theorbo-Lute. The Third Edition with Large Additions; and placed in their several Keys according to the Order of the Gamut. 2 Bände in 1. London, W. Pearson for S. H. 1721. Folio. Titel, 1 Bl. Widmung, VI S., 286 S.; Titel, 1 Bl., II, 204 S. Titel jeweils in Rot und Schwarz. Goldschnitt, Ex Libris und handschriftlicher Besitzvermerk auf dem Vorsatzpapier sowie auf dem Titel. Marmorierte Vorsätze mit Goldfileten. Kleiner Riss weißen Rand von Titel Bd. 1 unauffällig repariert. Wenige, unauffällige Marginalien von alter Hand. Lederband des 18. Jahrhunderts, Gelenke restauriert. Rücken mit Goldprägung..

- verkauft -

Gutes Exemplar der seltenen und umfangreichsten Ausgabe. Diese Sammlung enthält die schönsten weltlichen Gesänge von Purcell, komponiert für ein bis drei Stimmen, die erstmals 1698 erschienen sind. Zu der posthum erschienenen Ausgabe steuerten Freunde und die Witwe Purcells zahlreiche Kompositionen bei, die hier erstmals im Druck vorliegen. - Ohne das Porträt. - Exlibris von Peter Calvocoressi. - RISM VIII, P 5980; BUC 859.

Objekt des Monats August 2019

  

Zum 270. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe
(geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, gestorben am 22. März 1832 in Weimar)

Im Jahre 1791 gründete Carl August von Sachsen-Weimar das Weimarer Hoftheater und übertrug die Leitung desselben an Johann Wolfgang von Goethe, der diese bis 1817 innehatte. Die vormals adelige Laienspieltruppe des Liebhabertheaters wurde von Goethe durch ein professionelles Ensemble ersetzt. Zudem pflegte er eine enge Zusammenarbeit mit den Autoren, die auch Einfluss auf die Inszenierungen nehmen durften. Der Eröffnungsaufführung am 7. Mai 1791, Ifflands „der Jäger“, folgten in den 26 Jahren unter Goethes Intendanz, weitere 4.805 Aufführungen von Schauspiel und Musiktheater.


Johann Wolfgang von Goethe Handschriftlicher Wochenarbeitsplan

 

GOETHE, Johann Wolfgang von [1749-1832]: Handschriftlicher Wochenarbeitsplan für Schauspieler und Mitarbeiter des Weimarischen Hoftheaters mit eigenhändiger Unterschrift: "J.W.Goethe". Weimar, 18. April 1816. 32,6 x 20 cm. Etwas fleckig. Verso mit Montagespuren.

- verkauft -

Dieses interessante, seltene Schriftstück aus Goethes letztem Jahr als Intendant des Weimarer Hoftheaters enthält dessen Anweisungen der "Wöchentlichen Beschäftigung" für die Schauspieler und anderen Mitarbeiter des Theaters von Montag, den 22. April bis Samstag, den 27. April 1916:

"Montag, den 22ten April 1816; frühe um 10. Uhr Probe von dem Lustspiel: die Brandschätzungen um 11 Uhr von der Nacht im Walde. Am Abend die Vorstellung daran - Dienstag, den 23. ej[us]: frühe um 10. Uhr, und Nachmittag um 4. Uhr Clavierprobe von der Oper. Theodor. - Mittwoch den 24ten ej: frühe um 10. Uhr Probe; am Abend die Vorstellung von dem Schauspiel: Reue und Ersatz [durchgestrichen und seitlich korrigiert zu: Des Hasses und der Liebe Rache]. - Donnerstag den 25ten ej: frühe um 10. Uhr Clavier[probe]; Nachmittag um 4. Uhr Quartettprobe zu König Theodor (...)

Die hier genannten Theaterstücke des seinerzeit sehr beliebten August von Kotzebue und das Singspiel „König Theodor in Venedig“ Giovanni Paisiello bilden nur einen kleinen Teil des vielfältigen und facettenreichen Programms ab, mit dem Goethe den Geschmack des breiten Publikums in Weimar zu treffen wusste.


Objekt des Monats Juni 2019

  

Zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach
(geboren am 20. Juni 1819 in Köln, gestorben am 5. Oktober 1880 in Paris)

Jacques Offenbach, einer der bedeutendsten Musikdramatiker der musikalischen Romantik, hat ein umfangreiches Werk von über 600 Partituren, darunter allein 141 Bühnenwerke hinterlassen. Jenseits der bekannten und beliebten Melodien wie „Cancan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ oder „Barcarole“, war der wohl größte Violoncellovirtuose seiner Zeit auch Komponist zahlreicher Melodien und Romanzen, die heute weitgehend unbekannt sind. Unsere beiden Objekte repräsentieren zwei dieser spannenden, unbekannten Werke.


Jacques Offenbach - Bagatelle

 

OFFENBACH, J.: Bagatelle. Opera Comique en Un acte de H. Crémieux et E. Blum. Partition Chant et Piano arrangée par L[éon]. Roques. Paris, Choudens (VerlagsNr. A.C. 2850) [1874]. Folio. 64 S. Titelblatt mit eigenhändiger Widmung Offenbachs. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung.

- verkauft -

Seltene Erstausgabe des Klavierauszugs mit eigenhändiger Widmung Offenbachs auf dem Titelblatt "16. Xbre [Decembre 18]74". Die Uraufführung der 25minütigen Beziehungsoperette fand im Mai 1874 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris statt. Die Handlung dieser Verwicklungskomödie ist schnell erzählt: Der junge Geck Georges Plateville sucht die Bagatelle genannte Café-Concert-Sängerin in ihrer Wohnung auf. In der Hoffnung, sie sich gewogen zu machen, versperrt er alle Türen und versteckt die Schlüssel. Er hat nicht mit dem wachsamen Auge von Pistache gerechnet, einem Klarinettisten, der sich - voller amouröser Absichten auf Bagatelles Dienerin Finette - gleichfalls in die Wohnung geschlichen hat. Letztendlich finden sich natürlich beide Paare. - CPM 43, 173; Lesure II, 107 f.


Jacques Offenbach - Eigenhändiges Musikmanuskript  

OFFENBACH, Jacques [1819-1880]: Eigenhändiges Musikmanuskript mit eigenhändigem Namenszug am Schluß. Ohne Ort und, ohne Datum. Quer-Folio. 1 Seite Blatt oben angesetzt. 20zeilig. Kleine Rasuren, angerändert.

€ 4.500,–

Schönes Musikmanuskript einer Arie in A-dur für eine Gesangsstimme mit Klavier, die offenbar für eine der zahlreichen "operas bouffes" komponiert wurde. Text und Musik mit Tierstimmen, wie dem Kuckuck (cou cou), der Ente (quoi, quoi) oder der Katze (miau, miau) folgen einer lang ausgedehnten Coda, mit der das Stück auch abschließt.

Objekt des Monats Mai 2019

  

Zum 135. Todestag von Friedrich Smetana
(geboren am 2. März 1824 in Litomysl (Leitomischl), gestorben am 12. Mai 1884 in Prag)

Franz Liszt war für Friedrich Smetana Autorität, Vorbild und in späteren Jahren auch Ratgeber. Ihre Verbindung mündete, nach vielen persönlichen Begegnungen, in eine Freundschaft sich gegenseitig respektierender Künstler. Bei Begegnungen in Weimar 1857 und 1859 stellten sie sich gegenseitig ihre Werke vor und Smetana bearbeitete auf Anraten des Älteren das Trio g-Moll und seine ersten beiden Symphonischen Dichtungen „Richard III“ und „Wallensteins Lager“. Im Herbst 1874 traf Smetana mit dem Verlust seines Gehörs ein tragisches Schicksal. Trotz seiner Gehörlosigkeit entstanden gerade in der letzten Dekade seines Lebens viele seiner Meisterwerke, wie die Symphonische Dichtung „Ma Vlast“ (Mein Vaterland), die er seiner Heimatstadt Prag widmete.


Musikautographen - Dankesbrief von Friedrich Smetana

 

SMETANA, Bedrich [1824-1884]: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift. Jabkenice, 23. Mai [1]880. Oktav. Doppelbogen. 3 1/2 Seiten. Am oberen Blattrand braunfleckig. Papierbedingt leicht gebräunt.

€ 25.000, –

Sehr persönlicher Dankesbrief an den "Hochgefeierten Meister" und "Allverehrten Freund" Franz Liszt. Liszt hatte veranlasst, das Smetanas 1876 entstandenes erstes Streichquartett "Aus meinem Leben" (e-Moll) am 15. Mai 1880 in Weimar mit Augustin Kömpel als Konzertmeister aufgeführt wurde. "Es ist wohl nicht schwer die Idee zu errathen, die mich bei der Arbeit dieses Quartetts leitete. Es sind Erinnerungen, gedrungen empfunden, 'aus meinem Leben' in Kunst und Leben. Nur auf eine Stelle erlaube ich mir zu deuten, es ist im Finale - (welches nebenbei gesagt, die nationale Richtung in jüngster Zeit in meiner Kunst anzeigen soll) - wo das 4gestrichene E pfeiffend in der höchsten Lage der Primvioline einige Takte hindurch tönt".

Smetana schildert nun ausführlich den Ausbruch seiner Taubheit im Jahr 1874. "Dies glaubt ich mir erlauben zu dürfen um die Katastrofe meines Schicksals anzudeuten, wohl des traurigsten Schicksals für den Musiker, des Verlustes seines Gehörs! So nämlich fing meine Krankheit an. Es war gerade kein E, sondern der Sextakkord in As: c, es, as, in der höchsten Lage, welcher Akkord tagtäglich zur bestim[m]ten Stunde des Abends, meist zwischen 6-7 Uhr, oft eine Stunde lang, ununterbrochen in schrill tönen der Art mich bis zum Wahnsinn verfolgte. Als ich bald nachher völlig taub geworden bin, verlor sich auch dieser Assklang im Ohre für immer, um einem ewig dauernden Sausen und Brausen Platz zu machen. Ich habe daher den Beginn meines jetzigen traurigen Zustandes - die Katastrofe meines Schicksals - andeuten zu müssen geglaubt, hier freilich in der Tonart E, und dies der Grund jener Stelle im Finale mit dem pfeiffenden 4gestr. E. Ich bedauere, dass der Verleger sich mit der Herausgabe des Textes zu meinem Cyclus symphonischer Dichtungen "Vlast" [Vaterland] verspätet hat. Sowie sie werden erschienen sein, werde ich mich beeilen, sie nachzusenden". - Zum Schluß bittet er den "Meister", ihn auf seiner nächsten Reise durch Prag zu besuchen. Nach dem Ausbruch seiner Krankheit zog sich Smetana 1876 weitgehend aus dem öffentlichen Leben in Prag zurück. Er zog zu seiner Tochter Sophie aufs Land nach Jabkenice. "Die Taubheit hat Smetanas musikalisches Vorstellungsvermögen und seine Schaffenskräfte keineswegs gelähmt. Ganz im Gegenteil, im letzten Jahrzehnt seines Lebens konzentrierte er sich intensiv aufs Komponieren. Zu jener Zeit entstand die Mehrzahl seiner größten Werke" (Smetana- Aust.Kat. Prag 1998, S. 104). - Nicht gedruckt in: Briefe und Erinnerungen.


Objekt des Monats April 2019

  

Zum 260. Geburtstag von August Wilhelm Iffland
(geboren am 19. April 1759 in Hannover, gestorben am 22. September 1814 in Berlin)

August Wilhelm Iffland war ein begnadeter Schauspieler, Intendant und Dramatiker. Er verfasste unzählige populäre Bühnenwerke, die seinerzeit sehr beliebt waren, heute aber nahezu vergessen sind. Als Schauspieler erlebte Iffland seinen ersten Triumph 1792 in Mannheim in der Rolle des "Franz Moor" in Friedrich Schillers "die Räuber" und gastierte an allen bedeutenden Bühnen im deutschsprachigen Raum. 1796 wurde er zum Direktor des Berliner Nationaltheaters ernannt, ab 1811 war er Generaldirektor der Königlichen Theater. Unter seiner Leitung entwickelte sich Berlin zu einer der führenden Theaterstädte Deutschlands.


Autographen - Brief von Wilhem Iffland

 

IFFLAND, August Wilhelm [1759-1814]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, Ort und Datum. Berlin, 21.6.1808. Quart. 5 Seiten. Mit schwarz-gelber Seidenschnur geheftet. Papier an der Heftung etwas eingerissen. Teils etwas fleckig.

€ 2.100, –

Umfangreicher Brief an einen österreichischen Regierungsbeamten, wegen eines Gastspiels in Wien. Er habe "von den Französischen Autoritäten" von August an sieben Wochen Urlaub erhalten und bittet den Empfänger, vor allem seine Gage mit der "Direction des Kaiserlichen Theaters" zu klären. " ... Ich stehe nicht in der Lage, bloß meiner Neigung zu folgen. Die Schicksale die uns betrofen, fordern Bemeßung, diese Wahrheit und daß es allenfalls bekannt ist, daß ich nicht geitzig bin, wird mich in gehöriges Licht stellen. Für nähmliche Rollenzahl, habe ich in Leipzig und Hamburg, zu meinem stets gewöhnlichen Acorde, zwanzig Stück Friedrichsd'ors für die Rolle, Anerbieten, welche auf kürzerenWege, in kürzerer Zeit, bei geringeren Kosten, zu erfüllen wären. Neigung und Dankbarkeit führen mich Wien zu, wenn der Erfolg, nur einigermaaßen mit der Anstrengung im Gleichgewicht stehen kann. Zu dem Ende muß ich proponiren für jede der zwanzig Rollen auf dem Burg und Kärnthner Thor Theater, statt der Einhundert und Fünfzig Gulden Wiener Banco, dreißig Stück Kaiserliche Dukaten, in natura empfangen. - Die Einnahme für meinen Vortheil, kann schicklicher Weise, nicht die erste Einnahme des Tages wo ich zum Erstenmahle spiele, sein. Ich würde dazu, ein neues Stück mir erbitten und mag es dann, eine Vorstellung in der Mitte der Zeit meines dort seins werden". Im nächsten Abschnitt geht er "ueber die Vorstellungsverhältnisse im dritten Theater (an der Wieden)" ein. "... Um Zeitverlust zu meiden, benenne ich indeß einige Stücke, darin ich spielen könnte ...". Es folgt eine Liste mit 16 Stücken mit Nennung der jeweils von Iffland selbst gespielten Rollen, z. B. "Emilia Galotti - Marinelli".


Objekt des Monats März 2019

  

Zum 150. Todestag von Hector Berlioz
(geboren am 11. Dezember 1803 in La Côte-Saint-André, gestorben am 8. März 1869 in Paris)

Herctor Berlioz galt als wichtiger Vertreter der Romantik in Frankreich. Er war der Begründer der sinfonischen Programmmusik und der modernen Orchesterinstrumentation. Seine revolutionären Kompositionen wurden von Zeitgenossen kaum verstanden und fanden erst lange nach seinen Tod Anerkennung. Sein Einfluss auf Komponisten wie Franz Liszt, Richard Strauss oder Nikolai Rimski-Korsakow ist unverkennbar. Mit dem „Grand Traité d’instrumentation“ von 1844 legte er die erste umfangreiche Intrumentenkunde vor, die in der Bearbeitung von Richard Strauss noch heute Gültigkeit hat.


Seltene Erstausgabe von Hector Berlioz

Seltene Erstausgabe von Hector Berlioz

 

BERLIOZ, H.: La Damnation de Faust Légende Dramatique en quatre parties ... OEuv:24. Grande Partition avec texte Francais et Allemande ... Traduction Allemande par Mr. Minslaff. Paris, S. Richault [PlattenNr. 11605.R] [1854]. Folio. Gestochenes Titelblatt, Lithographie von F. Sorrieu, 1 Bl. (Personnages), 32 S. (Vorwort Dt./Franz.), 410 S. Vereinzelt geringfügig stockfleckig, etwas späterer Halblederband. Gebrauchsspuren. Rückenschild erneuert.

€ 1.600, –

Sehr seltene Erstausgabe mit den Merkmalen der Variante C. - Als Textvorlage diente Berlioz Goethes "Faust" in der französischen Übersetzung von Gérard de Nerval. Das Werk wurde in zwei Etappen komponiert.  Es geht auf ein Frühwerk Berlioz‘, „Huit scènes de Faust“ von 1828/29, zurück. Als der 25jährige Komponist Goethes Faust in der Übersetzung von Gérard de Nerval las, war er sogleich fasziniert und begann ab September 1828 mit der Umsetzung der Worte in Musik. Die Partitur erschien bereits im April 1829 als Opus 1. Nach einer wenig erfolgreichen Uraufführung fand Berlioz das Werk „unvollendet und sehr schlecht geschrieben“. Erst im Winter 1845/46 nahm er den Stoff auf einer Dirigier-Tournee durch Europa wieder auf und arbeitete alle „Huit scènes de Faust“ musikalisch und textlich umgearbeitet in die „Damnation de Faust“ ein. Das so entstandene Werk passt eigentlich in keine Rubrik, es ist weder Oper, noch Oratorium, noch Kantate oder Chorsymphonie. Die konzertante Uraufführung fand 1846 im Pariser "Salle Favart" der Opéra-comique unter der Leitung von Berlioz statt und war ein Misserfolg. Im Ausland, wie in Moskau, St.Petersburg oder Berlin, war das Stück unter dem Dirigat des Komponisten weitaus erfolgreicher als in Frankreich. Die ersten szenischen Aufführungen fanden erst ab 1893 statt und damit wurde aus der „dramatischen Legende in vier Teilen“ eine Oper. - Die fleurale Titelbordüre zeigt acht Werke von Berlioz und eine gedruckte Widmung an Franz Liszt. Die Lithographie zeigt Fausts Fahrt in die Hölle. - Hopkinson 54 A(c); Holoman Nr. 111.


Albumblatt mit Unterschrift von Hector Berlioz  

BERLIOZ, Hector [1803-1869]: Eigenhändiges musikalisches Albumblatt aus der "Symphonie fantastique" mit Unterschrift. Ohne Ort und, ohne Datum [nach 1830]. Quer-Oktav. 1 Seite. Unter Passepartout. Etwas gebräunt.

€ 8.000,–

Großes, dekoratives Albumblatt, vom Komponisten überschrieben "Fragment de la Simphonie Fantastique. Scène du Bal". Die 28 Takte in 6 Zeilen sind mit "Valse" bezeichnet und stammen aus dem zweiten Akt der Symphonie. Das Werk gilt als eines der bedeutendsten Stück der romantischen Musik und als Schlüsselwerk der sinfonischen Programmmusik. Es ist im Titel bezeichnet mit „Episode aus dem Leben eines Künstlers. Phantastische Symphonie in fünf Sätzen“. Im Programmtext, den Berlioz zum besseren Verständnis der Sinfonie an das Publikum verteilen ließ, findet sich folgende Beschreibung der glanzvollen, hinreißenden Musik der Ballszene: „Der Künstler ist in die verschiedensten Lebensumstände versetzt: mitten in den ‚Tumult eines Festes‘, in friedvolle Betrachtung der Schönheiten der Natur; aber überall, in der Stadt wie auf dem Lande, erscheint ihm das geliebte Bild und versetzt seine Seele in Unruhe.“ Die Uraufführung fand im Dezember 1830 im Pariser Konservatorium statt und war ein „rasender Erfolg“ (Berlioz an seinen Freund Humbert Ferrand) Der neunzehnjährige Franz Liszt wohnte der Aufführung bei und war so begeistert von dem Werk, dass er sich sogleich entschloss, eine Klavierfassung davon anzufertigen, die er 1834 auf eigene Kosten drucken ließ. Die Partitur erschien erst nach Berlioz' Deutschlandtournee 1842.

Objekt des Monats Februar 2019

  

Zum 366. Geburtstag von Arcangelo Corelli

(geboren am 17. Februar 1653 in Fusignano, gestorben am 8. Januar 1713 in Rom)

Corelli galt als einer der bedeutendsten Komponisten und Violinisten des Barock. Schon zu Lebzeiten war sein Ruf legendär in ganz Europa. Er zeichnete sich sowohl als Violinvirtuose als auch als Komponist und Orchesterleiter aus. Das neue Genre der Instrumentalmusik im ausgehenden 17. Jahrhundert, das „Concerto grosso“ tauchte erstmals in seinen Werktiteln auf und machte ihn zum Vorreiter einer ganzen Generation von Komponisten in Italien, Frankreich, England und Deutschland. Seine Werke waren in ganz Europa verbreitet und verhalfen aufgund ihrer Mustergültigkeit der Instrumentalmusik gegenüber der Vorherrschaft der Vokalmusik zum Durchbruch. Von seinen zahlreichen Kompositionen ist nur ein verschwindend kleiner Teil erhalten, der größte Teil des handschriftlichen Nachlasses verschollen. Der von uns angebotenen, noch zu Lebzeiten gedruckten Sammlung von Sonaten kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu.


Arcangelo Corelli XII Sonates

Arcangelo Corelli XII Sonates

Arcangelo Corelli XII Sonates

 

CORELLI, A.: XII Sonates. Tirés de tous ses ouvrages & transportez pour la Flute. Dont il y en a VI a 2 Flutes & 1 Basse Continue & VI a une Flute seule & Basse Continue. 3 Stimmhefte. Amsterdam, Estienne Roger (ohne PlattenNr.) [ca. 1712]. Folio. 1Bl., 16 S.; 1 Bl., 5 S.; 1 Bl., 15 S. Etwas fleckig. Knapp beschnitten. 1 Blatt mit leichten Einrissen am inneren Blattrand. Insgesamt schöner Druck auf kräftigem Papier. Buntpapierumschläge im Stil der Zeit.

€ 2.000,–

Von allergrößter Seltenheit. - Sammlung von 12 Sonaten in der Bearbeitung für Flöte und Orgel für die Werke: Op. II, Nr. 2, 8, 9, 10; Op. IV, Nr. 3, 4 und Op. V, Nr. 7-12. - Seltenes Beispiel eines frühen Roger-Drucks, noch ohne Eindruck einer Platten-Nummer. - "Der Musikverleger Roger war einer der wichtigsten Musikverleger seiner Zeit. Als Erster druckte er seine Ausgaben von gestochenen Kupferplatten. Die Qualität des Notenbildes wurde zum Vorbild für den Musikdruck des gesamten 18. Jahrhunderts. 1712 führte Roger ein Numerierungssystem für gestochene Musikalien ein" (MGG²). - Frühe Musikdrucke von Roger sind sehr selten im Handel zu finden. - Flötenstimme 2 enthält nur die Sonaten 1-6. - Vorliegender Druck "ohne" Platten-Nummer sind Marx und RISM unbekannt. - vgl. RISM CC 3862a (weltweit nur 1 Ex. nachweisbar!); vgl. Marx S. 52.

Objekt des Monats November 2018

  

Zum 300. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Marpurg

(geboren am 21. November 1718 auf Gut Wendemark in Brandenburg, gestorben am 22. Mai 1795 in Berlin)

Friedrich Wilhelm Marpurg galt aufgrund seiner zahlreichen musiktheoretischen Schriften als einer der führenden deutschen Theoretiker des mittleren 18. Jahrhunderts. Er war mit Winckelmann und Lessing freundschaftlich verbunden und wurde von C.F.D. Schubart für den "größten mus. Theoretiker in ganz Europa" gehalten.

Zu seinen einflussreichsten Arbeiten zählen die „Abhandlung von der Fuge …“ (1753), die älteste Quelle der Aufführungspraxis zu J.S. Bachs „Kunst der Fuge“, ebenso wie die 1751 erschienene Abhandlung „Die Kunst das Klavier zu spielen“ und sein zweites, fortschrittlicheres und philosophischeres Werk über das Klavierspielen, die 1755 erschienene „Anleitung zum Clavierspielen ...“.

Seine Bemühungen, der Musik einen neuen Stellenwert innerhalb der schönen Künste zu geben, mündeten in den „Historisch-Kritischen Beyträgen“, die zum wichtigsten deutschsprachigen musikästhetischen Organ der Jahrhundertmitte geworden sind. (Vgl. MGG², 11, 1129).


MARPURG, F. W.: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik  

MARPURG, F. W.: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik. 5 Bände (je 1.-6. Stück). Berlin, J.J. Schützens sel. Wittwe und G. A. Lange 1754-1762 und 1778. Zahlreiche Notenbeispiele auf Tafeln. Exlibris. Teils etwas gebräunt. Band 5 mit Bleistiftanstreichungen. Wenige Blatt mit kleinem Wurmgang. Halblederbände der Zeit. Leichte Gebrauchsspuren. Band 5 etwas später nachgebunden.

- verkauft -

Von größter Seltenheit in dieser Vollständigkeit. Eine der bedeutensten Musikzeitschriften und wichtiges Quellenwerk zur Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts. Enthält zahlreiche biographische Beiträge u.a. über die Familie Bach, Hertel und Quantz; Berichte zum Musikleben, z.B.: über die "Hochfürstliche Württembergische Kammer=Hof= und Kirchenmusik; "Nachricht aus dem gegenwärtigen Zustande der Musik ... zu Salzburg (darunter über den Hofcomponisten Leopold Mozart); ein chronologisches Verzeichnis der seit 1645-1752 in Paris aufgeführten Opern, nebst den Leben verschiedener französischer Komponisten; Nachrichten von berühmten Orgelwerken in Deutschland sowie kritische Anmerkungen und Rezensionen (z. B. über die Violinschule von L. Mozart und die Anleitung zur Singkunst von Tosi). - Band 1 enthält den Erstdruck der Vertonung eines Lessing-Gedichtes von C.Ph.E. Bach: "Scherzlied. Die märkische Helene" (Helm 676). Die anderen Notenbeilagen stammen von Nichelmann, Agricola und Graun. - Mit dem häufig fehlenden 5. Band. - RISM BV ² 543; Wolffheim I, 141 ("sehr selten").

Objekt des Monats Oktober 2018

  

Zum 75. Todestag von Max Reinhardt

(ursprünglich: Maximilian Goldmann)
(geboren am 9. September 1873 in Baden bei Wien, gestorben am 31. Oktober 1943 in New York City)

Max Reinhardt, Theaterschauspieler, Theater- und Filmregisseur, Intendant, Theaterproduzent, Gründer zahlreicher Theater in Berlin und Wien und Mitbegründer des Salzburger Festspiele, war aufgrund seiner jüdischen Wurzeln gezwungen, 1937 endgültig in die Vereinigten Staaten von Amerika zu emigrieren. Dort eröffnete er in Hollywood die Theater- und Filmakademie „Max Reinhardt Workshop for Stage, Screen and Radio“, in der auch seine Frau Helene Thiming als Dozentin und Direktorin arbeitete. 1941 folgte der Umzug nach New York nachdem er die aktive Mitarbeit am „Workshop“ aufgegeben hatte.

Der Inhalt seines Briefes, Flucht und Vertreibung, hat bis heute nichts an Akualität eingebüßt.


Eigenhändiger Brief mit Unterschrift von Max Reinhardt  

REINHARDT, Max (1873-1943) Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. 24.XII.1940. Quart. 1 1/3 S.

- verkauft -

Bedeutender Brief an die gleich ihm in die USA emigrierte Schauspielerin und Autorin Charlotte Hagenbruch (1896-1968), Ehefrau des Filmregisseurs Wilhelm (ab 1930 William) Dieterle, deren unermüdliche Hilfe für die Emigranten er preist. "... Ich kann mir schwer eine Zeit vorstellen, in der die Hilfe notwendiger gewesen wäre, als in der unsrigen. Es ist keine Zeit dumpfer Völkerwanderungen. Es sind aufgestörte Individuen, die heute wandern. Flüchtlinge vor dem Verfluchten, Flüchtlinge vor dem eigenen Fluch. Es ist kein Prophet, der sie durch Meer und Wüste führt. Es ist die Erkenntnis, dass die vielgerühmten Fortschritte der Menschheit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit noch immer Dichtung und keine lebendige Wahrheit sind. Es ist die Erkenntnis dieser sündigen Blöße, welche die Menschen um den Erdball jagt. Manchmal denke ich, dass Sie selbst nicht den ganzen Umfang Ihrer Sendung übersehen, dass Sie sie nur einfach erfüllen. Daran glaube ich aber seit dem ersten Tag unserer Begegnung in der neuen Welt ... Ich höre viel ... von Menschen, die noch vor erschreckend kurzer Zeit von der Gestapo durch Frankreich gehetzt wurden, die das Gift in der Tasche bereit hielten und die plötzlich von einem unbekannten Geschick beim Schopf gepackt und wie im Traum hierher versetzt wurden. Hier erfuhren sie erst, dass dieses Geschick Charlotte Dieterle heisst ... Ich sehe, wie Sie mit geheimnisvoll ruhelosen Händen im Stillen den Kampf der Creatur lindern, wie Sie mit dem Lächeln übermenschlicher Anstrengung etwas von dem Licht und der ewigen Ordnung der Sterne in diese noch sehr chaotische und dunkle Welt zu bringen suchen. Und da ich selbst einer bin, dem Sie Ihre gesegnete Hand immer wieder reichten, beuge ich mich heute tief über sie und danke Ihnen. Ich schenke Ihnen beiden die geheimnisvolle Hand, die ich vor sechs Jahren, wie getrieben, gleich nach meiner Ankunft in San Francisco erwarb ... Da ich nur schenken kann, was ich besitze und nur schenken will, was ich gerne besitze, bitte ich Sie, diese Hand zu nehmen ...".

Objekt des Monats August 2018

  

ZUM 100. Todestag von Ruggero Leoncavallo
(geboren am 23. April 1857 in Neapel, gestorben am 9. August 1919 in Montecatini Terme)

Der italienische Komponist und Librettist Ruggero Leoncavallo galt als Vertreter der Verismo-Oper, einer Strömung, die Ende des 19. Jahrhunderts in Italien aufkam. Diese Opern haben sozialkritische und realistische Themen zum Inhalt. Bekannt wurde Leoncavallo vor allem durch seine Oper „Der Pagliacci“. Die zweiaktige Oper fußt auf einem tatsächlichen Mordfall in Sizilien und wird in den heutigen Repertoirs häufig zusammen mit Pietro Mascanis Oper „Cavalleria Rusticana“ aufgeführt.

Zu seiner Oper „La Bohème“ verfasste er auch das Libretto nach dem Roman „Les scènes de la vie bohème“ von Henri Murger.


Eigenhändiges musikalisches Albumblatt von Ruggero Leoncavallo  

LEONCAVALLO, Ruggiero [1858-1919]: Eigenhändiges musikalisches Albumblatt mit Ort, Datum und Unterschrift. "London, 19. Sept. 1911 R Leoncavallo". Quer-Oktav. 1 Seite. Schwarze Tinte auf blauem Papier.

€ 900, –

Aus seiner Oper "La Bohème", mit der Leoncavallo 1897 seinen gefährlichsten Nebenbuhler Puccini herausgefordert hatte, eine zweiaktige Phrase auf "Mimi la biondinetta" (1. Akt). 1911 leitete Leoncavallo eine Serie von Aufführungen seiner Oper "Pagliacci" (Der Bajazzo) im Londoner Hippodrome.


Eigenhändiger Brief von Ruggero Leoncavallo  

LEONCAVALLO, Ruggiero [1857-1919]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift in französischer Sprache auf dem Briefbogen des Hotels Sacher. [Wien], 5.12.[18]97. Quart. 1 Seite. Mit dem Briefumschlag des Hotels Sacher (an der Seite aufgerissen).

€ 680,–

An Herrn Dr. H. Steger, den er um seine Begleitung bei einem Besuch bei Erzherzog Eugen [Hoch- und Deutschmeister, 1863-1954] in der Getreidemarktkaserne ersucht: " ... Comme je vous avais promis j'ai fait la demande officielle à l'aide de camp de S.A.I. et R. L'Archiduc Eugène et ce soir je trouve a l'hotel l'ordre de me rendre demain lundi entre midi et une heure à Getreidemarkt Kasserne [!]. Voulez vous avoir la bonté de m'accompagner? ...".

LEONCAVALLO, R.: Zaza. Oper in 4 Aufzügen  

LEONCAVALLO, R.: Zaza. Oper in 4 Aufzügen. Text und Musik. Nach dem Schauspiel von P. Berton und Ch. Simon. Klavierauszug mit deutschem Texte [von F. Werner]. Mailand, E. Sonzogno (VerlagsNr. E 1053 S) [ca. 1913]. Folio. (5), 362 S. OLn. (Musikbibliothek Breitkopf & Härtel).

€ 150,–

Deutsche Erstausgabe. Selten. - Leoncavallo hatte mit seiner fünften Oper, 1900 erneut von Toscanini uraufgeführt, wenig Erfolg. Dem Sujet von der enttäuschten Varieté-Sängerin Zazà entsprechend, ist das Werk der Operette, dem Varieté und dem Chanson verwandt. Mit der ihm eigenen "Neigung zum Archaisieren" (E. Voss) weist Leoncavallo mit Zazà auf den Neoklassizismus des 20. Jahrhunderts voraus. - BSB 10, 3792; nicht in CPM.

   

LEONCAVALLO, R.: Der Bajazzo. Deutsch von L. Hartmann. [Textbuch]. Berlin, Fürstner (VerlagsNr. A. 4177 a. F.) [1892]. 47 S. Farbig ill. OU.

€ 20,–

Deutsche Erstausgabe.

 

Objekt des Monats Juni 2018

  

Zum 208. Geburtstag von Robert Schumann
(geboren am 8. Juni 1810 in Zwickau, gestorben am 29. Juli 1856 in Endenich)

Robert Schumanns geplante Übersiedlung nach Wien sollte ein Neuanfang in seinem Leben sein und war auch mit Bemühungen für die gemeinsame Zukunft mit Clara Wieck geprägt. Wegen Lähmungserscheinungen an der rechten Hand hatte er seine erfolgreich gestartete Klaviervirtuosenkarriere aufgeben müssen und widmete sich fortan ganz der Komposition. Im Jahr 1838 setzte die produktivste Phase in seinen Klavierkompositionen ein; u.a. entstanden die „Kinderszenen“ und „Kreisleriana“.


Robert Schumann - Eigenhändiger Brief mit Unterschrift  

SCHUMANN, Robert [1810-1856]: Eigenhändiger Brief mit Ort, Datum und Unterschrift. Wien, 16. Oct[ober] [18]38. Oktav. 1 Seite. Siegel, Teils etwas gebräunt. An den Knickfalten vereinzelt etwas eingerissen.

€ 12.000,–

An seinen Wiener Freund Josef Fischhof, der ihn bei seiner geplanten Übersiedlung nach Wien unterstürzen wollte. Schumann hoffte auf eine Professur am Wiener Konservatorium und plante außerdem die Herausgabe der "Neuen Zeitschrift für Musik". Fischhof (1804-1857) Komponist, Autor und einer der gefragtesten Klavierlehrer der Stadt, sollte ihm Kontakte vermitteln. "Mein lieber Freund, Manches möchte ich mit Ihnen besprechen. Lassen sie mir Stunde und Ort sagen, wann und wo wir uns heute oder Morgen treffen wollen. ... Nach Briefen von Therese [Schumann, zu der Schumann eine tiefe Zuneigung verband. Sie war in erster Ehe mit Schumanns Bruder Eduard, dem Verleger, verheiratet] lechze ich wie ein Hund. Heute bleib ich mit Absicht um 12 Uhr zu Hause ... Montag in Weimar war mir eine liebe Überraschung. So kann man in W. Monde lang zusammen leben, ohne sich zu sehen, was in vielen Fällen freilich auch sein Gutes u. Treffliches hat - Nur hoffe ich nicht in Beziehung zu uns". - Schumann war wenige Tage vorher am 3. Oktober in Wien eingetroffen. Mit dem Entschluß sein Leben neu zu gestalten, wollte er Friedrich Wieck beweisen, daß er in der Lage wäre genügend Geld zu verdienen, um einen eigenen Hausstand zu gründen. Wieck hatte Schumann kurz vorher eine weitere Absage wegen der Heirat mit seiner Tochter Clara erteilt. - Im März 1839 kehrte Schumann erfolglos nach Leipzig zurück. Nun begann die härteste Phase in der Auseinandersetzung mit Wieck, denn Robert und Clara reichten eine Klage beim Leipziger Appellationsgericht ein. - Nicht gedruckt bei Jansen und Erler.

Objekt des Monats Mai 2018

  

Zum 185. Geburtstag von Johannes Brahms
(geboren am 7. Mai 1833 in Hamburg, gestorben am 3. April 1897 in Wien)

Das „Deutsche Requiem“ stellte den Durchbruch des jungen Komponisten Johannes Brahms dar und ist bis heute eines seiner polpulärsten Werke. Die mehrere Jahre dauernde Arbeit am Deutschen Requiem fand ihren Abschluss bei der Uraufführung am 18. Februar 1869 im Leipziger Gewandhaus. Vorangegegangen waren Teiluraufführungen in Wien und Bremen. Die Texte aus der Bibel stellte Brahms ab 1861 selbst zusammen und komponierte im selben Jahr die beiden ersten Sätze. Nach dem Tod der geliebten Mutter 1865 nahm der Komponist die Arbeit am Requiem wieder auf und schrieb zuerst den vierten Satz, bevor er sich dem dritten widmete. Die Komposition fand 1866 mit den Sätzen fünf und sieben ein vorläufiges Ende, bevor Brahms den fünften Satz im Mai 1868 komponierte.

Clara Schumann schrieb in ihr Tagebuch, nachdem sie 1868 die Bremer Teil-Uraufführung besucht hatte: „Mich hat dieses Requiem ergriffen, wie noch nie eine Kirchenmusik … Ich musste immer … an meines teuren Roberts Prophezeihung denken „laßt den nur mal erst den Zauberstab ergreifen, und mit Orchester und Chor wirken“ – welches sich heute erfüllte. Der Stab wurde wirklich zum Zauberstab und bezwang alle, sogar seine entschiedensten Feinde“.


Brahms „Deutsche Requiem“ - Arbeitsexemplar von Dr. Karl Böhm  

BRAHMS, J.: Ein deutsches Requiem nach Worten der heiligen Schrift für Soli, Chor und Orchester. Op. 45. Partitur Leipzig, C.F. Peters (VerlagsNr. 10260) [ca. 1940]. Folio. 3 Bl.,191 S., 1 Bl. Zahlreiche Eintragungen und Anmerkungen mit farbigem Bleistift. Halbleinenband.

€ 3.000,–

Arbeitsexemplar von Dr. Karl Böhm mit dessen eigenhändigen Namenszug im Vorsatz und auf dem Titelblatt. Handschriftliche Datierung aus dem Jahr 1943 in dem Böhm erstmals zum Direktor der Wiener Staatsoper ernannt wurde. Interessantes Exemplar, das Einblicke in die Arbeitswelt des berühmten Dirigenten gibt.

Objekt des Monats April 2018

  

ZUM 220. GEBURTSTAG VON AUGUST HEINRICH HOFFMANN,
BEKANNT ALS HOFFMANN VON FALLERSLEBEN
(GEBOREN AM 2. APRIL 1798 IN FALLERSLEBEN BEI WOLFSBURG, GESTORBEN AM 19. JANUAR 1874 IN CORVEY BEI HÖXTER)

Der unruhige Vormärzlyriker Hoffmann von Fallersleben ist uns allen als Verfasser von Liedern wie „alle Vögel sind schon da“ und dem „Deutschlandlied“ bekannt. Der Universitätsprofessor für deutsche Sprache und Literatur, der als Kind die napoleonische Besatzung miterlebt hatte, bedauerte nach deren Ende die Rückkehr in die Kleinstaaterei mit ihren Fürstenhöfen und der damit verbundenen Zensur. Seine politischen Ansichten, die sich unter anderem in zahlreichen politischen Gedichten äußerten, zwangen ihn jahrelang zu einer Wanderschaft von Exil zu Exil.

Dass er nicht nur politische- und volkstümliche- sondern auch Liebeslyrik verfassen konnte, davon zeugen das 1851 erschienene Bändchen „Liebeslyrik“ und das vorliegende frühlingshafte Liebesgedicht.


HOFFMANN von FALLERSLEBEN, August Heinrich [1798-1874]: Eigenhändiges Gedichtmanuskript mit Datum  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, AUGUST HEINRICH [1798-1874]: EIGENHÄNDIGES GEDICHTMANUSKRIPT MIT DATUM UND DEN VERSCHLÜSSELTEN INITIALEN "HVF" AM SCHLUSS. [OHNE ORT], 22. APRIL 1871. OKTAV. 1 SEITE

- verkauft –

Reizendes Gedicht des 73-jährigen Hoffmanns an Bertha Fischer (geb. Schmidt), Witwe des Arztes Gustav Emil Fischer aus Hamburg, die Hoffmann 1869 bei der Familie Hirsche kennenlernete, wonach er mehrere Gedichte für sie schrieb. Das zweistrophige Gedicht ist eine Liebeserklärung des greisen Hoffmanns an die erst 32-jährige Witwe.

"Ja, der Frühling ist erschienen / Und ich weiß nicht, wie mir ist, / Weiß nicht, wie ich's kann verdienen / Daß auch Du mein Frühling bist

Habe Dank für Deine Güte, / Die sich frühlingsgleich vereint / Und durch immer neue Blüte / Mir mein altes Herz erfreut!".

Beendet wird das Gedicht mit den versteckten Initialen: "so denkt ein HoffnungsVoller Frühlingssänger".

In den Jahren 1869 bis zu Hoffmanns Tod 1873 schrieb Bertha Fischer häufig an Hoffmann, wovon 89 Briefe zeugen, die sich in der Staatsbibliothek Hannover befanden, allesamt jedoch leider verschollen sind. (Vgl. Erika Poettgens, Hoffmann von Fallersleben und die Lande der niederländischen Zunge ..., Waxmann 2014, S. 243).

   

LYRIK

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, August Heinrich [1798-1874]: 4 Liedtexte von Schreiberhand mit Unterschrift von Schreiberhand  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, AUGUST HEINRICH [1798-1874]: 4 LIEDTEXTE VON SCHREIBERHAND MIT UNTERSCHRIFT VON SCHREIBERHAND, Z.T. MIT MELODIEN. [UM 1850]. 1 BLATT (16 X 20,5 CM), GEFALZT, BRAUNES PAPIER, EINE ECKE GERINGFÜGIG LÄDIERT.

€ 100,–

1) Verrat der Bier-Republik. Mel: "Seht ihr 3 Rosse". (3 Strophen mit dem Refrain:) "Man säuft als wie ein Kanibale/ Im Katzenjammer ... Glück/ Das ist ... neue sociale/ Die veilchenblaue Republik!" - 2) Mel: "Es war ein König in Thule" (4 Strophen) "Ich hab die Nacht geträumet/ Wohl einen schweren Traum/ Es riecht in meinem Garten/ Ein Rosmarinenbaum". - 3) Tyroler Ständchen, mit Melodiefragmenten (5 Strophen). "Bin ein und aus gegangen/ Im ganzen Tyrol/ Jetzt g'fall'n mer die bairischen/ Mädle so wohl!" - 4) Omnes erramus. Mel: "In keinem kühlen Grunde" (4 Strophen) mit Unterschrift und 12 Takten Melodie. "Omnes, Omnes erramus hat Bruder Ulrich gesagt/ Er wollte zu dem Kellner und kam zur Küchenmagd".

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Deutsches Volksgesangbuch.  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: DEUTSCHES VOLKSGESANGBUCH. MIT 175 EINGEDRUCKTEN SINGWEISEN UND NACHRICHTEN ÜBER DIE DICHTER UND TONSETZER. LEIPZIG, W. ENGELMANN 1848. 2 BL., 188 S., STOCKFLECKIG. HALBLEDERBAND DER ZEIT MIT ORNAMENTALER RÜCKENVERGOLDUNG.

€ 200,–

Erstausgabe der Anthologie, die - neben Texten von Dach, Eichendorff, Goethe, Heine, Lessing, Uhland, Weisse - 52 Lieder zum Teil mit Melodien von Hoffmann selber enthält und deren Singweisen von dem engen Freund Ludwig Erk besorgt wurden, der aber auf dem Titel nicht genannt werden wollte. Nicht so sehr politisch soll sie "ein Versuch sein, dem eigenlichen Volksliede grössere Theilnahme zu erwecken und das gute Alte und zeitgemäße Lieder unter das Volk zu bringen“, um damit die Idee des geeinten Vaterlandes zu unterstützen. Hoffmanns Vorwort datiert vom 18. Mai, dem "Tage aller Deutschen", an dem in Frankfurt die deutsche Nationalversammlung eröffnet wurde. Er schreibt: "Durch die 33jährige Unterdrückung alles frischen freien und frohen Lebens in Deutschland hat auch Poesie und Gesang unendlich viel gelitten. Lieder, die irgend nur auf eine freiheitliche Entwicklung, eine bessere Zukunft hindeuteten, und für Deutschlands Freiheit und Einheit begeistern wollten, waren kaum vorhanden. Dieses neue "Volksgesangbuch" soll nun ein Versuch sein, das gute Alte in seiner reinsten Gestalt zu retten ... und zeitgemäße Lieder zu allgemeiner Ergötzung und Belehrung unter das Volk zu bringen". - Ausser vielen Volksliedweisen enthält der Band Melodien von: Andre; Nägeli, Silcher, J. Haydn, Zelter, Kreutzer, H.v.F., Reichardt, Neefe, Hiller, C.M. v. Weber u. a. Goedeke 8, 366, 53; Wagner 113; Valentin 1, 262.

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Deutsches Volksgesangbuch.HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Deutsche Gassenlieder.  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: DEUTSCHE GASSENLIEDER. ZÜRICH UND WINTERTHUR, LITERARISCHES COMPTOIR 1843. KLEINOKTAV. 56 S., GEBRÄUNT, UNTEN DURCHGEHENDER WASSERRAND. UNBESCHNITTEN. ORIGINALUMSCHLAG.

€ 175,–

Erstausgabe der in Bayern verbotenen Sammlung, die wie Hoffmanns sonstige politische Lyrik von den Freunden Fröbel und Follen herausgebracht wurde. Auch hier vertritt er die deutsche Sache, den nationalen, politischen und sozialen Fortschritt. - Keller 183; Wagner 86.

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Liebeslieder.  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: LIEBESLIEDER. MAINZ, J. G. WIRTH SOHN 1851. 137 S., 2 BL. STOCKFLECKIG. 1 S. GESTEMPELT. HALBLEINENBAND DER ZEIT.

€ 290,–-

Sehr seltene Erstausgabe. Die Sammlung enthält 113 Gedichte. Von keinem deutschen Dichter wurden soviele Gedichte vertont, wie von Hoffmann von Fallersleben. Der rhythmisch-melodische Fluß der Verse seiner volkstümlichen Lieder drängt unwillkürlich zum Singen (H. Reuter). - Bis 2016 nur 1 Exemplar auf deutschen Auktionen. - Wagner 119.

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Das Lied der Deutschen.  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: DAS LIED DER DEUTSCHEN. MELODIE NACH JOSEPH HAYDN'S "GOTT ERHALTE FRANZ DEN KAISER, UNSERN GUTEN KAISER FRANZ!". ARRANGIRT FÜR DIE SINGSTIMME MIT BEGLEITUNG DES PIANOFORTE ODER DER GUITARRE. HAMBURG, HOFFMANN UND CAMPE, STUTTGART, P. NEFF 1. SEPTEMBER 1841. QUART. DOPPELBLATT. ETWAS GEBRÄUNT. HALBLEINEN-KASSETTE.

€ 2800,–-

Erstausgabe der deutschen Nationalhymne, eines Dokumentes deutscher Geschichte. Begeistert von der englischen Königshymne "God Save the King" komponierte Joseph Haydn 1797 seine Kaiserhymne "Gott erhalte Franz den Kaiser". Zu dieser Melodie schrieb Hoffmann 1841 während eines Besuches auf Helgoland dieses Lied, das schnell große Popularität gewann. Ebert erklärte es dann 1922 zur deutschen Nationalhymne. Seit 1952 wird die dritte Strophe als Hymne gesungen und nach der Wiedervereinigung am 25. August 1991 von Bundespräsident R. v. Weizäcker und Bundeskanzler H. Kohl zur Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland erklärt. - Goedeke XIII, 364, 38.

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Unpolitische Lieder.  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: UNPOLITISCHE LIEDER. [TEIL 1 VON 2]. HAMBURG, HOFFMANN UND CAMPE 1840. S. III-XII, 205 S. OHNE DEN VORTITEL. TEILS STOCKFLECKIG. ADELIGES EXLIBRIS IM VORSATZ. HALBLEDERBAND DER ZEIT MIT ORNAMENTALER RÜCKENVERGOLDUNG.

€ 100,–-

Erstausgabe des ersten Teils. Mit diesen polemisch-satirischen Gedichten wendet sich Hoffmann "rücksichtslos gegen die verrotteten Zustände im Staat und in der Gesellschaft, sie sind revolutionär gegen Fürsten und Adel gerichtet" (E Muncker). "Daß die Deutschen noch keine Politik verstehen und treiben . . . und in entsprechendem Gegensatze dazu die lebhafte Sehnsucht nach jener pflichtmäßigen, thatkräftigen Nationalpolitik bilden den Grundton und das Hauptthema. … Die wesentlich nationalpolitische Bedeutung und Wirkung des ganzen geschichtlich so bedeutsam gewordenen Buches ist erkennbar. … Die Lieder … bieten in ihrer Gesamtheit gewissermaßen ein ganzes langes Register der einander ablösenden Stimmungen und Urteile des liberalen deutschen Bürgertums über eben so viele Ereignisse und Zeitfragen" (Chr. Petzet). - Wagner 73; Goedeke XIII, 363f., 35 a).

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Maitrank. Neue Lieder.  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: MAITRANK. NEUE LIEDER. PARIS, RENARDIER 1844. KLEINOKTAV. 1 BL., 54 S., (INHALT, S. [53/]54 NACH DEM TITELBLATT EINGEBUNDEN), 1 GEFALTETE NOTENBEILAGE IN LITHOGRAPHIE. ORIGINALUMSCHLAG.

€ 125,–-

Erstausgabe der 31 zeitkritischen Lieder, die nicht im Buchhandel waren und mit fingiertem Druckort erschienen. Hoffmann berichtet in 'Mein Leben', IV: "Drucker und Verleger wurden nie, auch mir nicht einmal, bekannt". Das Manuskript hatte er während seines Aufenthaltes in Mecklenburg im Mai 1844 einem Freunde übergeben. - Wagner 98.

 

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Drei deutsche Sommerlieder  

HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, [A. H.]: DREI DEUTSCHE SOMMERLIEDER. MANNHEIM, (H. HOFF) 1. MAI 1849. 8 S. PAPPBAND IM STIL DER ZEIT.

€ 250,–

Sehr seltene Erstausgabe dieser Sammlung dreier hochpolitischer Revolutionslieder. - "Ich bin ... hier ... in den alten preußischen Provinzen, wo das barbarische Landrecht gilt. Das Wenigste, was ich zu befürchten habe, wäre ein Pressprozess ... Wol hätten einige Kleinigkeiten ... Anlaß dazu hergeben können: ... . Drei deutsche Sommerlieder'' (Mein Leben V, 79): "Der Sommer ist gekommen!", "Feinde ringsum!" und "Die Kaisersucht". Von Hoff gedruckt, der schon Gutzkows und Laubes vom Verbot bedrohte Werke gesetzt hatte. Mit einer Verlagsanzeige auf Seite 8. - Goedeke XIII, 366, 58.

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Weitere Erstausgaben, Autographen und seltene Handschriften finden Sie in unserem Online-Katalog.

Objekt des Monats März 2018

Erstausgabe von Georg Friedrich Händel - Tamerlane An Opera Compos'dErstausgabe von Georg Friedrich Händel - Tamerlane An Opera Compos'd

 

Zum 333. Geburtstag von Georg Friedrich Händel
(geboren am 5. März 1685 in Halle an der Saale, gestorben am 14. April 1759 in London)

HÄNDEL, G. F.: Tamerlane An Opera Compos'd by Mr. Handel And Corrected Figur'd by his own Hand. Engrav'd in Copper Plates ... [HWV 18] [Partitur]. London, Printed and sold by J. Cluer [1724]. Quart. 1 LS, 1 S. Privilegserklärung, 1 LS, Frontispiz,Titel, 1 S. Index., 89 Seiten. Notiz von alter Hand auf dem Vorsatz. Kleines Datum (Abschluss der Komposition) von alter Hand im weißen Rand des Titels. Lederband der Zeit. Titelschildchen in Gold auf rotem Maroquin. Gelenke gelockert. Gebrauchsspuren, Lederverlust an den Ecken.

€ 8000,–-

Erstausgabe der Partitur einer der frühen Händel-Opern mit dem prächtigen Frontispiz in Kupferstich. Händel, der die Position des Musiklehrers der Prinzessinnen innehatte, erwies dem Hof die Gefälligkeit, vom gegen Ludwig XIV von Frankreich gerichteten Theaterstück "Tamerlane" eine Opernversion anzufertigen. Das Stück, das die Opernsaison im King's Theatre Haymarket am 31.10.1724 eröffnete wurde alleine im Oktober und November neunmal aufgeführt und somit ein großer Erfolg. Heute zählt die Oper zu den bedeutendsten Händels. Sie handelt vom Machtkampf zwischen dem mongolischen Eroberer Tamerlano und dem Sultan des osmanischen Reiches Bajazet, der dessen Gefangener ist. Tamerlano begehrt Asteria, die Tochter Bajazets, doch der Vater will eher sterben als die Tochter dem Feind zu überlassen. Die Hauptfigur des Bajazets wurde entgegen der damaligen Gepflogenheiten von einem Tenor gesungen, während der mongolische Eroberer von einem Countertenor verkörpert wird. Am Schluss des dritten Aktes schuf Händel mit dem groß angelegten Selbstmord Bajazets eine der außergewöhnlichsten und erschütterndsten Szenen seines Opernschaffens. Der Tyrann lässt sich dadurch erweichen, überläßt Asteria ihrem Geliebten Andronico und heiratet seine Verlobte Irene. - Im Jahr 2012 begeisterte Placido Domingo das Salzburger Festspielpublikum in der Rolle des Bajazets und machte die Oper damit zu einem Highlight der Festspiele. - Exemplar aus dem Besitz des blinden Harfenisten John Parry mit dessen handschriftlichem Ex-Libris. - Slg. Hoboken 43; Smith, 72/1; RISM H 350.

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Objekt des Monats Februar 2018

Erstausgabe von Carl Orffs Oper „Die Kluge“

 

Zum 75. Jahrestag der Uraufführung von Carl Orffs Oper „Die Kluge“

Mit dem Objekt des Monats Februar erinnern wir an den 75. Jahrestag der Uraufführung von Carl Orffs Oper „Die Kluge“, die am 20. Februar 1943 auf den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main stattfand.

ORFF, C.: Die Kluge. Die Geschichte von dem König und der klugen Frau. Klavierauszug. Mainz, B. Schott's Söhne (VerlagsNr. B. S. S. 36698) (1942). Folio. 2 Bl., 140 S. Titel mit eigenhändiger Widmung von Carl Orff. Originalkarton mit farbiger Illustration von Caspar Neher. Rücken überklebt. (Edition Schott 2868).

€ 400,–-

Erstausgabe mit eigenhändiger Widmung von Carl Orff an den amerikanischen Dirigenten "Newell Jenkins in Wiedersehensfreude Weihnachten 1945". - Orff verfasste das Libretto selbst. Als Vorlage diente das Märchen "die kluge Bauerstochter" der Gebrüder Grimm. In dem Bühnenstück übt Orff Kritik am damaligen Regime, das die nationalsozialistischen Machthaber damals nicht recht durchschauten: "... wer viel hat . . . hat auch die Macht . . . und wer die Macht hat, hat das Recht . . . und wer das Recht hat, beugt es auch, denn über allem herrscht Gewalt!" Orff bezeichnete die "Kluge" als "eine Geschichte, kein Märchen, von lauter Lebendigen lebendig gespielt". Das Stück wurde nach den "Carmina burana" zu seinem erfolgreichsten Werk. - Orff-Dokumentation V, 269; BSB 12, 4772; CPM 43, 331.

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Objekt des Monats Januar 2018

Erstausgabe aller sechs Klaviersonaten Carl Philipp Emanuel Bach

 

Zum 230. Todesjahr von Carl Philipp Emanuel Bach

(geboren 1714 in Weimar, gestorben 1788 in Hamburg) 

„Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihm gelernt“. (Mozart).

Carl Philipp Emanuel Bach war der berühmteste der vier, ebenfalls als Komponisten tätigen, Bachsöhnen. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker in der Zeit zwischen Barock und Klassik und hatte großen Einfluß u.a. auf Haydn und Beethoven.

BACH, C. Ph. E.: Sechs Clavier-Sonaten (nebst einigen Rondos fürs Forte-Piano) für Kenner und Liebhaber. [Wq 55-59,61] Erste (bis sechste) Sammlung in 1 Band. Leipzig, Im Verlage des Autors 1779-1787. Quer-Folio. Je Heft mit Titelblatt und Pränumeranten-Verzeichnis.  Anfangs einige Blatt mit Wasserrand am rechten oberen Blattrand. Etwas gebräunt. Sonst gutes Exemplar. Schöner, etwas späterer Halblederband mit Rückenvergoldung. Unteres Kapital leicht beschädigt.

€ 9.500,–-

Erstausgabe der Sammlung aller sechs Klaviersonaten "für Kenner und Liebhaber" in Typendruck. Äußerst selten in dieser Vollständigkeit. - Der zweitälteste Sohn J. S. Bachs (1714-1788) lebte viele Jahre als Cembalo-Virtuose Friedrichs des Großen am Berliner Hof und später als Kantor und Musikdirektor in Hamburg,  wo auch die Sonaten entstanden sind. Sein Einfluß auf die Entwicklung des Klavierstils ist nicht hoch genug einzuschätzen, seine Verdienste um das Musikleben seiner Zeit enorm. Dementsprechend besaß er bereits zu Lebzeiten eine herausragende Stellung bei seinen Zeitgenossen, wie das Pränumeranten-Verzeichnis der Sonaten zeigt (u. a. Burney, Kirnberger, Marpurg, Schubart und Türk). - Die einzelnen Hefte, jeweils in Typendruck, wurden in der Breitkopfischen Offizin hergestellt. Die Sammlungen 1-3 liegen in der Ausgabe mit Diskantschlüssel (statt Violinschlüssel) vor. Beide Ausgaben sind gleichzeitig erschienen. - Hoboken 190, 192, 195, 196, 198, 201; RISM B 85, 87, 88, 90, 91, 93; Helm S. 262 f.

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Objekt des Monats Dezember 2017

Eigenhändiger Brief von Heinrich Heine

 

Zum 220. Geburtstag von Heinrich Heine

(geboren am 13.12.1797 in Düsseldorf, gestorben am 17. Februar 1856 in Paris) 

Schöner, ausführlicher Brief des 26-jährigen Heinrich Heines an seine jüngere Schwester Charlotte, Ehefrau des Hamburger Kaufmanns Moritz Embden, der er über seine beabsichtigte Abreise aus Lüneburg und sein geplantes venezianisches Trauerspiel berichtet. Nach seiner Abreise aus Berlin im Mai 1823 hatte Heine einen studienlosen Sommer in Lüneburg verbracht.

Am 24. Januar 1824 traf er in Göttigen ein, um sich erneut an der dortigen Universität zu immatrikulieren, mit der festen Absicht, sein juristisches Studium mit der Promotion abzugschließen. Vorangegangen war die Aussöhnung mit seinem Hamburger Onkel Salomon, der selbst nach Heines zweimaliger Exmatrikulation bereit war, ihn weitere zwei Jahre zu finanzieren. Bedingung dafür war die Wahl des provinziellen Studienortes Göttingen, der ihn vor den gesellschaftlichen und literarischen Ablenkungen, die seine Studien in Berlin begleitet hatten, schützen sollte.

HEINE, Heinrich [1797-1856]: Eigenhändiger Brief mit Ort, Datum und Unterschrift. Lüneburg, 9. Januar 1824 [recte 11.1.1824]. Großoktav. 2 1/4 Seiten mit Siegelspur. Adresse abgeschnitten, dadurch Textverlust von 3/4 der Seite, leicht fleckig.

€ 48.000,–-

"Liebe kleine Person! Heute reise ich noch nicht; aber ich reise übermorgen wenn meine Hemde unterdessen trocken sind, und ein Brief, den ich von Berlin erwarte, angekommen ist. Du weißt noch von Hamburg her, daß ich überall, wo ich bin, so leicht kleben bleibe. Aber heut über acht Tag müssen die Thore und Menschengesichter Lüneburgs hinter mir seyn. Von meinen Eltern wird mir der Abschied schwer werden. Wir deklamiren Dein Trompeterstückchen: Calypso ne pouvoit se consoler du depart d’Ulysse - - Denkst Du aimable Französinn noch an jene Telemakzeit? Wie gern küßte ich Dir noch einmal die scharmanten Katzenpfötchen ehe ich mich aus dieser Gegend entferne! Auch von Amiechen wird mir der Abschied schwer. Die kleine Bestie hat mir hier wahrlich manche Stunde verschönert. Wenn ich des Abends lese sitzt das nette Thierchen auf meiner Schulter, und fängt immer an zu bellen wenn ich an eine schöne Stelle des Buches komme. Amiechen hat mehr Verstand u Gefühl als alle deutschen Philosophen u Poeten. - Vorgestern hab ich an Gustav geschrieben. - Ueber Deinen Brief vom 31 Dez habe ich mich recht gefreut. Es ist heute Sonntag, vielleicht habe ich mich oben im Datum geirrt. - Ueber Deine literarische Noth habe ich herzlich gelacht. Schreibe mir oft. Daß ich an einem Trauerspiel arbeite, wie man Dir berichtet, hat nicht ganz seine Richtigkeit. Ich habe nemlich noch keine Zeile davon geschrieben, und das Stück existirt bis jetzt bloß in meinem Kopfe; wo noch manche andere Stücke und noch viele gute Bücher bereit liegen. Aber jetzt bin ich zu krank um etwas zu schreiben und meine wenigen gesunden Stunden sind meinen Studien gewidmet. Es ist jetzt überhaupt noch immer die Zeit der Saat bey mir; ich hoffe aber auf eine gute Erndte. Ich suche die verschiedenartigsten Kenntnisse in mir aufzunehmen u werde mich in der Folge desto vielseitiger u ausgebildeter als Schriftsteller zeigen. Der Poet ist bloß ein kleiner Theil von mir; ich glaube Du kennst mich hinlänglich um dieses zu begreifen. Deinen Rath recht viele in meinem Trauerspiel sterben zu lassen hab ich mir bemerkt. Ach Gott, ich wollte ich könnte alle meine Feinde darinn sterben lassen. Den Pfuscher grüße mir recht viele tausendmahl. Wiederhole ihm die Versicherung meiner Freundschaft. Wer mein kleines Lottchen liebt den liebe ich auch. Außerdem bin ich ja auch ein großer Verehrer von Archenholz. Grüße mir auch Adolf Emden und dessen Lottchen, so wie auch die Familie Jaques u Fanny u Mama." (Der anschließende Briefteil fehlt.) "Ich hoffe, liebes Lottchen, daß Du mir in Göttingen viele liebe Briefchen zukommen lassen wirst; jedes derselben erheitert meine Seele. Alles was Du schreibst ist so lieb u klar; wie ein reiner Spiegel, zeigt mir jede Zeile Dein gutes Originalgemüth. Lebe wohl u behalte mich lieb H. Heine." - Erläuterungen: "Brief": von seinem engen Freund, dem Bankangestellten Moses Moser, den Heine um Übersendung eines Abgangszeugnisses der Berliner Universität gebeten hatte, das er für die Fortsetzung seines Studiums in Göttingen benötigte. - "Calypso": Fénelon, Les aventures de Telemaque, fils d’Ulysse, 1699. - "Trauerspiel": Heine wollte ein Drama in fünf Akten schreiben, dessen Handlung in Venedig spielen sollte. Er gab den Plan jedoch im Herbst des Jahres auf. - "Pfuscher": Charlottes Ehemann, Moritz Embden. - "Archenholz": der Historiker und Schriftsteller Johann Wilhelm von A., 1743-1812. - "Familie Jaques u Fanny u Mama": die Familie des Kaufmanns Theodor Jacques und seiner Ehefrau Emilie geb. Embden; mit Mama ist Esther Embden geb. Cohen, die Mutter von Adolph und Moritz Embden, gemeint; Fanny ist Heines Cousine, die zweite Tochter Salomon Heines, seit 1818 mit dem Arzt Christian Wilhelm Schröder verheiratet. - In der Säkularausgabe Band 20 unter Nr. 90 nach einer Photokopie gedruckt; der fehlende Briefteil war schon damals nicht mehr vorhanden.

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Objekt des Monats November 2017

Eigenhändiger Brief von Wilhelm Hauff

 

Zum 190. Todestag von Wilhelm Hauff

(geboren am 29. November 1802 in Stuttgart, gestorben am 18. November 1827 ebenda) 

Wilhelm Hauff war einer der berühmtesten Märchenerzähler der Spätromantik. In seinem nur 25 Jahre währenden Leben schuf er noch heute beliebte Märchen wie „Zwerg Nase“, „Kalif Storch“, „der kleine Muck“ oder “das kalte Herz“.

Nach seinem Vorbild Walter Scott begründete Wilhelm Hauff den historischen deutschsprachigen Roman. Sein berühmtestes Werk, die Sage „Lichtenstein“ um den Württembergischen Herzog Ulrich veranlasste Wilhelm, Graf von Württemberg, in den Jahren 1840-42 auf den Ruinen der alten Burg eine Ritterburg im Stil des Mittelalters zu erbauen. In der Verlagsankündigung von „Lichtenstein“ des Verlegers Franckh in Stuttgart am 3. Januar 1827 stellt er Hauff als „neuesten Lieblingsdichter“ dar und damit auf eine Stufe mit dem überaus erfolgreichen Walter Scott.

„Der schwäbische Walter Scott“ bietet im Dezember 1826 dem Verleger Friedrich Brockhaus sechs Beiträge für die „Blätter für literarische Unterhaltung“ an. Am 5. Januar und am 20. Februar bittet Brockhaus Hauff ihm endlich den angebotenen Aufsatz über das „Leben Napoleons“ von Walter Scott zu übersenden. Wilhelm Hauff antwortet jedoch erst am 20. März mit folgendem Brief:

HAUFF, Wilhelm [1802-1827]: Eigenhändiger Brief mit Datum und Unterschrift "Dr. Wilh. Hauff". Stuttg[art], 20. III. [18]27. Groß-Quart. 1 Seite. Leicht gebräunt. Mit Siegelrest und Blattausriß durch Siegelbruch (ohne Textverlust). Poststempel.

€ 15.000,–-

Von größter Seltenheit - aus seinem Todesjahr. - Brief an den Verleger Friedrich Brockhaus in Leipzig bei dem Hauff sich für seine bisher nicht gelieferte Rezension von Walter Scotts "Leben Napoleons Bonapartes" für die "Blätter für literarische Unterhaltung" rechtfertigt. "... Klagen Sie nicht mich an ..., sondern wälzen Sie in Gottes Namen alle Schuld auf Treutel und Würz in London. Es ist eine ärgerliche Geschichte. In meinem Pult liegt eine vollständige Recension über die 4 ersten Bände von W. Scotts 'Napoleons Leben' bereit, die ich gleich Anfangs für Ihr Blatt bestimmt habe. Nun hat der Franckh (Verleger), der Treuteln die Aushängebogen abkauft, den Vertrag eingegangen, unter keiner Art und Form, früher etwas auszugeben als das Original in London erschienen ist, denn sie wollen dort alle 7 Bände auf einmal erscheinen laßen und Europa überraschen ... Ich bekam die Aushänge Bogen ... nur unter der Bedingung, früher nichts davon druken zu laßen als biß Treutel und Würz ... ankündigen es sei so eben erschienen. Nun weiß ich nichts beßeres zu thun als mein Manuscript Ihrer Di[s]cretion zu übergeben, vorausgesezt daß Sie wollen ... dann druken Sie frisch und munter und sind immer noch der Erste in Teutschland, der eine Critik geben kann ... Noch einen anderen, freilich gewagten Vorschlag könnte ich Ihnen machen. Ich könnte die Recension in eine Briefform einkleiden, solche von London datieren und Ihrem Blatt von W. Scotts Napoleon erzählen. Freilich müßten Sie mich dann mit Ihrem Wort versichern, daß Sie mich, im Fall Treutel etc Lärm schlagen, gänzlich aus dem Spiel laßen und lieber Gott, die Welt und den Teufel belügen, als mich nennen. Schreiben Sie mir bald ...". - Starke Expansion und Aufschwung im Buchhandel führten in der Zeit zu einem erbitterten Kampf um Marktanteile. "Das Beispiel Scott führte den Verlegern vor, welche Geschäftserfolge mit geeigneter Übersetzungsliteraur zu erzielen waren" (N. Bachleitner, „Übersetzungsfabriken“. Das Deutsche Übersetzungswesen i. d. ersten Hälfte des 19. Jhdts., S. 7).

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Objekt des Monats Oktober 2017

Erstausgabe von Etienne-Nicolas Méhul: Mélidore et Phrosine

 

Zum 200. Todestag von Etienne-Nicolas Méhul

(geboren am 22. Juni 1763 in Givet/Ardennen, gestorben am 18. Oktober 1817 in Paris) 

Méhul gehörte zu einem der bedeutendsten Komponisten der Revolutionszeit und Wegbereiter der Romantik, der auch außerhalb Frankreichs große Bedeutung erlangte. Er schrieb mehr als 40 Opern.

MÉHUL, [E. N.]: Mélidore et Phrosine. Drame lyrique en trois actes. Paroles du Citoyen [Vincent] Arnauld. [Partitur mit Text]. Représenté pour la première fois sur le Théatre Lyrique de la rue Favart, le 17 Germinal, l’An second de la République Francaise. Paris, Cousineau Pere et Fils (ohne PlattenNr.) [1794]. Folio. 300 S. Titelblatt mit handschriftlicher Signatur des Verlegers. Papierbedingt etwas gebräunt. Pappband der Zeit mit farbigem Rücken- und Deckelschild.

€ 1.200,–-

Sehr seltene Erstausgabe der Partitur. Exemplar aus der Sammlung des französischen Komponisten Charles-Simon Catel (1773-1830), der zur gleichen Zeit wie Méhul am Pariser Conservatorium unterrichtete. Die Oper gilt mit ihrer Hinwendung zu Jean-Jacques Rousseaus Naturideal und ihrer Phantastik des Revolutionspathos als ein markantes Beispiel einer frühen französischen romantischen Oper. "Méhul gehört einer Komponistengeneration an, die nicht nur verschiedene Phasen der französischen Musik durchlaufen, sondern auch zu deren Ausgestaltung beigetragen haben. Die entscheidende Phase von Méhuls schöpferischer Arbeit fand in der Französischen Revolution statt, während er Werke komponierte, die unmittelbar als symbolisch für die unruhige Epoche erkannt wurden. In seinen Opern treibt er Techniken auf ihren Höhepunkt, die seine Vorgänger während der 1780er Jahre entwickelt hatten, darunter in erster Linie die Bereicherung des orchestralen Satzes" (MGG²). - Lt. Vorbesitzer kam das schöne Exemplar später in die Bibliothek von Vincent D'Indy.  - RISM M 2026; Clement/Larousse 729; nicht BSB; CPM 38,376.

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Objekt des Monats September 2017

musikautograpen edvard grieg eigenhaendiger brief mit unterschrift 27920 rectokl
musikautograpen edvard grieg eigenhaendiger brief mit unterschrift 27920 versokl

 

Zum 110. Todestag des bedeutenden norwegischen Komponisten und Pianisten Edvard Grieg

(geboren am 15. Juni 1843 in Bergen, gestorben am 4. September 1907 ebenda) 

In den 1880 Jahren war Edvard Grieg einer der meist gespielten und berühmtesten Komponisten Europas. Den Norweger, der zwischen 1858 und 1862 am Leipziger Konservatorium studierte, verband neben dem Musikverlag C.F. Peters, mit dem er 1889 einen Generalvertrag schloss, auch eine Freundschaft zum Leipziger Verleger Ernst Wilhelm Fritzsch (1840-1902). „Vor der Klosterpforte“, das auf dem Gedichtzyklus „Arnljot Gelline“ von Björnstjerne Björnson basierende Werk für Chor und Orchester, war eine Komposition, die Grieg sehr schätze und häufig, sowohl in Norwegen als auch im Ausland, aufführte. Der bekannte Operndichter-Komponist Franz von Holstein übersetzte den norwegischen Text ins Deutsche.

GRIEG, Edvard [1843-1907]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Bergen, Norwegen d. 12. Juli 1887. 4 Seiten auf braunem Papier mit den gedruckten Initialen am Kopf. Papier recto etwas ausgebleicht, Knickfalten. Kleine Fehlstelle am unteren Falz ohne Textverlust.

€ 6.500,–-

Schöner, inhaltsreicher Brief an den Leipziger Verleger Ernst Wilhelm Fritzsch auf Deutsch: "Lieber Fritzsch! Hiermit folgt die Correctur. Der französische Text ist oft ganz falsch unterlegt, was ich immer durch NB. und Striche bezeichnet habe, und ich bitte nun den Stecher, ja mit der größten Sorgfalt zu verfahren. Hoffentlich folgt bald Correctur auf den Orchesterstimmen, auf der Orgelstimme, die bis jetzt immer noch fehlt, und auf den Chorstimmen. Was Du mir von dem Streichquartett schreibst, freute mich ungemein. Ich vergesse nicht leicht, wie das Werk nach der ersten Leipziger Aufführung von der Presse behandelt wurde und bin nicht bescheiden genug um nicht zu fühlen, das mir damals Unrecht geschah. Sollten jetzt liberalere Ansichten in der Leipziger Presse vertreten sein, dann wäre allerdings gerade Brodsky, der mir so sympatische Künstler, der rechte Mann. Ich bin aber in dieser Beziehung kein Sangoiniker, nachdem meine Holberg-Suite [op. 40], eine Gelegenheitsarbeit im Zopfstyl, wo jede Spur von eigener Persönlichkeit sorgfältig verdeckt erscheint, einen ebenso komischen, als für den Gewandhausgeschmack charakteristischen Erfolg zu Theil wurde. Hoffentlich hat Brodsky selbst die Aufführung des Quartetts vorgeschlagen!?

Ich hatte eine schlechte Zeit. Meine Gesundheit machte mir lange so viel zu schaffen, das ich mich zum Componieren nichts weniger als angeregt fühlte. Ende dieses Jahres - spätestens - hoffe ich dich in Leipzig begrüßen zu können. Mit freundl. Gruß dein Edvard Grieg. P.S. Die in deinem Briefe erwähnten 75 Mark habe ich dankend empfangen."
Bei dem zu korrigierenden Werk handelt es sich um op. 20 "Vor der Klosterpforte" für Frauenchor mit Orchesterbegleitung, dessen Partitur, Orchester-, Solo- und Chorstimmen bei Fritzsch bereits 1876 erschienen war. Das Werk widmete Grieg damals Franz Liszt. Im November 1888 erschien im Fritzsch-Verlag die Erstausgabe des Klavierauszugs.
Grieg spricht Fritzsch auf das g-moll-Streichquartett an, das der Verleger 1879 herausbrachte, nachdem es von Dr. Abraham vom Peters-Verlag abgelehnt worden war. Das am 30.11.1878 im Gewandhaus aufgeführte g-moll-Quartett wurde vom Kritiker Bernsdorf, wie schon 6 Jahre zuvor das a-moll-Konzert, völlig zerrissen. Die Bedeutung des Werkes war indes Franz Liszt klar, der es als "ungewöhnliches und vorzügliches Werk" lobte.

Der russische Geiger Adolf Brodsky brachte am 10.12.1887 die Griegsche c-Moll Sonate im Neuen Gewandhaus zur Uraufführung, die ein großer Erfolg wurde. Im Februar 1888 trat das Brodsky-Quartett mit dem g-moll-Streichquartett auf und dieses Mal wurde es ein großer Triumph für den Komponisten. - So lange und inhaltsreiche Briefe sind eine Seltenheit bei Grieg.

Als Beilage ein ovales Porträt Griegs (16x12 cm).

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Objekt des Monats Juli 2017

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Richard Strauss 16528 vortitel bearbeitet 1 kl
Richard Strauss 16528 titel bearbeitet 1 kl
Richard Strauss 16528 straeusslein kl

 

Zum 175. Todestag von Clemens Brentano

(geboren am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein [heute: Koblenz], gestorben am 28. Juli 1842 in Aschaffenburg) 

Im Jahre 1918 begann Richard Strauss sich wieder intensiv mit der Liedkomposition zu beschäftigen. Die „Sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano“ waren zweifelsfrei seine beste Leistung in diesem Jahr. Ein Anstoß zu dieser Komposition mag die Begegnung mit Elisabeth Schumann im vorangegangenen Jahr gewesen sein, die ihm mit ihrem lyrischen Sopran die ideale Interpretin seiner Lieder schien und der er das vorliegende Werk widmete. Beim Komponieren ließ sich Strauss von den Gedichten selbst inspirieren. Er schäftigte sich 1918 sowohl mit der Prosa als auch mit der Lyrik Clemens Brentanos, bei den sechs Liedern nahm er sich die Originaldichtungen als Vorlage. Mit „An die Nacht“, „Ich wollte ein Sträusslein binden“, „Säusle liebe Myrthe“, „Als mir Dein Lied erklang“, „Amor“ und „Lied der Frauen“ schuf Strauss neben den virtuosesten Gesangspartien auch eine grandiose Klavierbegleitung.

STRAUSS, R.: Sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano. [Op. 68]. [TrV 235]. Berlin, A. Fürstner [1920]. Imperial-Folio. 65 Bl., mit 7 ganzseitigen Radierungen. Mit eigenhändigem Namenszug des Komponisten. Reizend illustrierter Original Halblederband.

- verkauft -

Wundervolles, nummeriertes Exemplar der Vorzugsausgabe, die in einer einmaligen Auflage von sechzig auf handgeschöpftem Büttenpapier gedruckt wurde. Den Einband, die Kupfer und die Vignetten zeichnete der in Berlin arbeitenden Illustrator Franz Christophe (1875-1946). Die Kupferdrucke stellte A. Ruckenbrod her. Die Gedichttexte, die den Kompositionen und Kupfern vorangestellt sind, setzte und druckte Otto von Holten. - Schöner Pressendruck in bestem Erhaltungszustand der erstmals 1919 ebenfalls bei Fürstner erschienen Lieder. - Trenner S. 247; Müller v. Asow S.734.

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Objekt des Monats Juni 2017

Autographen: Georg Philipp Telemann - Eigenhändige Honorarabrechnung

 

Ein besonderes, sehr seltenes Dokument aus der berühmten Sammlung Werner Wolffheim zum 250. Todestag von Georg Philipp Telemann

(geboren am 14. März 1681 in Magdeburg, gestorben am 25. Juni 1767 in Hamburg)
 

Der Wechsel von Frankfurt in das zweieinhalb Mal so große Hamburg im Jahre 1721 eröffnete Telemann völlig neue Möglichkeiten. Hamburg verfügte über fünf Hauptkirchen, dem exterritorial zu Hannover gehörenden Dom und ein florierendes Musikleben. Dem Komponisten, der auf der Höhe seines Ruhmes war, wurden „die machtvollsten städtischen Positionen angetragen, die im Reich zu vergeben waren“ (MGG², 16, 599). Er versorgte gleichzeitig alle fünf Hauptkirchen, unterrichtete am Johanneum und war bis 1738 Operndirektor. Zahlreiche Gelgenheitsmusiken für diplomatische, politische und religiöse Anlässe, zudem Kantaten und Passionen zeugten von der unermüdlichen Schaffenskraft Telemanns. Eine Besonderheit unter den Kompositionsaufträgen stellten die Festmusiken dar, von dem das hier angebotene Dokument Zeugnis gibt.

TELEMANN, Georg Philipp: Eigenhändige Honorarabrechnung mit Zusätzen von Schreiberhand und autographen Korrekturen. Hamburg, 8. Dezember 1745. Großfolio. 1 Seite. Knickfalten und unbedeutende Randeinrisse.

- verkauft -

Honorarabrechnung für den Kompositionsauftrag einer festlichen Krönungsmusik, den Telemann anlässlich der Krönung von Franz I. Stephan (1708-1765) erhielt. Er komponierte die zwei Kantaten TWV (Telemann-Werkverzeichnis) 13:15 (Jauchzet dem Herrn alle Welt) und 13:16 (Gott sprach, es werde Licht), deren Aufführung am 8. Dezember 1745 in der St. Johanniskirche in Hamburg stattfand.

Die Abrechnung der Kosten ist im "Verzeichniß der Personen, so bey der obhanden Kayserl. Crönungs-Music, so in der St. Johannis-Kirche d. 8 Xbr. 1745 aufzuführen ist, zu gebrauchen sind, nebst deren Bezahlung von der Cammer" niedergeschrieben. Die Summe betrug 127 Rthl., wobei Telemann namentlich die Liste mit einem Honorar von 50 Rthl. "für die Composition" anführt. Es schließt sich die Sängergruppe an, die ebenfalls namentlich erwähnt ist, zudem Folgendes von Schreiberhand: namentlich die Musikanten ("Acht Rahtsmusikaten, drey Trompeter u. ein Pauker") und eine Reihe von "Gehülfen". Der Organist benötigte neben einem "Calcanten" auch einen "Clavierstimmer". "Ein Instrumententräger" wurde ebenso bemüht. Die Liste schließt mit dem "Harfinist[en]". Die Honorare des Schreibers sind teilweise von Telemanns Hand korrigiert, ebenso die Summe.

Am unteren Blattrand attestiert Bernhard Müller (1825-1895, Bratscher des Müller-Quartetts): "Originalhandschrift von Georg Philipp Telemann nach Vergleich als ächt erkannt ..." - Wolffheim (Bd. II, S. 48, 106).

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Objekt des Monats Mai 2017

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doppelbrief von richard wagner und ferdinand heine26410 versokldoppelbrief von richard wagner und ferdinand heine26410 Text zu Wagnerkl

 

Zum 204. Geburtstag von Richard Wagner

(geboren am 22. Mai 1813 in Leipzig, gestorben am 13. Februar 1883 in Venedig)

Richard Wagners erster echter Bühnenerfolg war die Uraufführung des „Rienzi“ am 20. Oktober 1842 in Dresden. Wagner quartierte sich im Hause des Schauspielers Ferdinand Heine ein, den er bereits aus Kindertage kannte. Dieser war neben seiner Mitgliedschaft am Dresdner Schauspiel auch ein begnadeter Kostümzeichner und zuständig für die Kostüme im „Rienzi“. Die Titelrolle der Oper wurde von Joseph Tichatschek gesungen, dem prominentesten Heldentenor seiner Zeit, für die Partie des Adriano konnte Wagner die berühmte Mezzosopranistin Wilhelmine Schröder-Devrient gewinnen.

WAGNER, Richard [1813-1883] und Ferdinand HEINE [1798-1872]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Ohne Ort, Juni 1841 [recte 1842]. Oktav. 2 Seiten.

€ 5.600,–

Früher Wagnerbrief von absoluter Seltenheit. - Heiterer Doppelbrief der Freunde Richard Wagner und Ferdinand Heine an Joseph Tichatscheck. "Es war im Juni 1842 (nicht 1841 wie Wagner in der Zerstreutheit schreibt). Bei Frau Pauline Tichatscheck (deren Namen in kleinem Golddruck am Kopfe des goldgeränderten Briefblattes steht) hatten sich die Dresdner Freunde, der Hofschauspieler Ferdinand Heine und der kurz zuvor aus Paris in die Heimat zurückgekehrte Richard Wagner zusammengefunden. Tichatscheck selbst war auf Gastspiel in London (wie ein Vermerk von seiner Handschrift rechts oben angibt); da haben die beiden an ihn diesen lustigen Doppelbrief losgelassen, dessen Anrede von Heine, dessen erste Zeile von Wagner geschrieben ist, worauf dann, wie leicht zu ersehen, die zwei Schreiber sich  bei jeder Zeile abgewechselt haben, oder besser: Heine hat sich den Spass gemacht, zwischen die Zeilen seines jungen Freundes einen zweiten Brief zu schreiben. Der ungeduldige junge Musiker weiss schon, dass der 'Rienzi' vor Mitte Oktober nicht gegeben werden kann (was denn auch eintraf)". (Die Musik Jg. 6, 1906-07, Heft 10, hier ist auch der komplette Text abgedruckt).

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Objekt des Monats April 2017

Autographen: Johannes Brahms - Eigenhändiger Brief mit Unterschrift

 

Zum 120 jährigen Todesjahr von Johannes Brahms

(geboren am 7. Mai 1833 in Hamburg, gestorben am 3. April 1897 in Wien)

Brahms gilt als einer der bedeutendsten Komponisten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. In den letzten 2 Jahrzehnten war er nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent und Pianist sehr gefragt. Brahms hatte sich ab 1872 endgültig in Wien niedergelassen, war aber trotzdem viel auf Reisen. 1883 wurde er zum 60. Rheinischen Musikfest in Köln eingeladen und trat dort als Dirigent und Pianist seiner eigenen Werke auf.

BRAHMS, Johannes [1833-1897]: Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. [Wien, April/Mai 1883?]. Oktav. 3 Seiten. Kleiner Montagerest.

- verkauft -

Interessantes Dokument zur Geschichte des 60. Rheinischen Musikfestes in Köln. An einen "Freund", vermutlich Ferdinand Hiller, dem damaligen Leiter des Rheinischen Musikfestes - wegen den Konzertvorbereitungen. Vom 11.-15. Mai 1883 fand im Kölner Gürzenich das 60. Niederrheinische Musikfest statt. " ...Deine Karte trifft mich hier u. ich sage gleich daß ich am 10t. dort sein werde. Nun aber: Was für einen Flügel finde ich vor? Ich genire mich nicht, erst heute daran zu denken u. danach zu fragen; für einen ächten u. gerechten Virtuosen werdet Ihr mich doch nicht ästimiren u. so habe ich kein Renommée zu riskiren! Wie ich zu erinnern meine, war der Flügel von unserm Konzert im Winter nur so-so und ein zweifelloserer zu wünschen! Bechstein oder Amerikaner Steinway - Letzteren habe ich so halb bestellt neulich in Hamburg! Sollte Hr. Opladen davon nichts wißen, so kann vielleicht an eine der beiden Firmen geschrieben werden?/ Hr. Kwast ist vielleicht so freundlich sich meiner, seines Stief-Collegen anzunehmen?..." - Jakob James Kwast (1862-1927), Pianist und Musikpädagoge, war 1883 Lehrer am Kölner Konservatorium. – Brahms spielte im Rahmen des Festivals am 14.5. sein 2. Klavierkonzert in B-Dur (Op. 83) und dirigierte am 15.5. seine 2. Symphonie in D-Dur (Op. 73).

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Objekt des Monats März 2017

Martin Walser - Eigenhändiges Manuskript


Martin Walser - Eigenhändiges Manuskript

 

Zum 90. Geburtstag von Martin Walser

(geboren am 24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee)

Im Jahr 1981 reiste Martin Walser zur Leipziger Buchmesse, um aus seinen Romanen zu lesen. Die Partei-Funktionäre verboten ihm damals, den DDR-Schriftsteller Gert Neumann zu treffen, der in seinem Roman „Elf Uhr“ die trostlosen Zustände in der DDR schilderte und deswegen in Ungnade gefallen war.

WALSER, Martin: Eigenhändiges Manuskript "Die Stadt der Städte" mit Unterschrift. Quart. 11 Seiten. Mit zahlreichen Streichungen und Zusätzen. Auf den Rückseiten von Typoskriptblättern seines Romans "Angstblüte" (2006) geschrieben.

€ 1.200,–

"Zum ersten Mal habe ich in Leipzig, glaube ich, am 7. März 1981 gelesen. Im Gewölbe der Bastei, das von den Studenten wieder ausgegraben worden war ... Eingeladen hatte Professor Pezold. Ich wohnte im Hotel Astoria, Zimmer 103. Meine Reisebuchführung sagt, daß ich auch bei späteren Lesungen in diesem schwermütigen Hotel wohnte ... Die Vorhänge waren kaum dazu zu bewegen, noch Tageslicht hereinzulassen. Aber unten, der Speisesaal machte alles wieder gut: eine gewaltige figurenreiche Tübke-Wand. Das erwähne ich nur, weil es nichts mehr davon gibt ... Jetzt lädt Michael Hametner ein. Seine allen Untiefen gewachsene Steuerfähigkeit könnte den Lesenden leichtsinnig werden lassen. Und das wäre falsch ... (...) ... Natürlich versuchte ich, als ich in Leipzig einem Mächtigen gegenübersaß, ihn dazu zu bewegen, meinen Kollegen Gerd Neumann besser zu behandeln. Immerhin ist er der Verfasser des ebenso inhaltsreichen, wie stilistisch abenteuerlich schönen und, was die DDR betraf, sicher hochgenauen Romans ‘Elf Uhr’ ...".

Beiliegend eine farbige Portraitphotographie mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite, aufgenommen während seiner Dankesrede beim Festakt in der Frankfurter Paulskirche am 11. Oktober 1998 als er mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auszeichnet wurde (17,5× 23,5 cm; Aufnahme: Faßbender). Walsers umstrittene Rede war der Grund, warum seine Bücher in den U.S.A. lange Zeit tabu waren.

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Objekt des Monats Februar 2017

TOCQUEVILLE, A. de: Ueber die Demokratie in Nordamerika

 

Zur Amtseinführung des 45. Präsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika

Donald Trump
(geboren am 14. Juni 1946)

Der Grundstein unserer westlichen Wertegemeinschaft, unser Bekenntnis zu demokratischen Institutionen und unsere rechtsstaatlichen Grundsätze wurden maßgeblich durch die USA geprägt. Über 180 Jahre nach dem Erscheinen der bahnbrechenden Analyse Tocquevilles stehen wir in Europa vor der Frage, wie es mit der Demokratie in den USA im Verhältnis zu Europa weitergehen wird.

TOCQUEVILLE, A. de: Ueber die Demokratie in Nordamerika. Aus dem Französischen übersetzt von F. A. Rüder. 2 Theile in 1 Band. Leipzig, E. Kummer 1836. 2 Bl., 267 S.; VI, 343 S. Alter Name im Vorsatz. Tadellos frisches Exemplar. Halbleinenband der Zeit.

- verkauft –

Seltene erste deutsche Ausgabe des wegweisenden historisch-politischen Werkes. Das zweiteilige Werk gilt als "glänzendste Analyse des US-amerikanischen Regierungssystems, die wesentlich das Bild von der Demokratie der USA in Europa prägte" (Harenberg). Nach einem einjährigen Amerikaaufenthalt entstanden, wird die Darstellung "in der modernen Soziologie als erste glänzende Analyse der egalitären Massendemokratie gewertet, deren Prognosen sich zudem weitgehend bewahrheitet haben" (J. Drews). In der klassenlosen amerikanischen Demokratie sah Tocqueville Tendenzen bereits verwirklicht, die nach seiner Ansicht in Zukunft für ganz Europa bestimmend sein würden. In seinem Werk will er die Vorzüge und Gefahren dieser Entwicklung anhand einer Analyse der durch die Revolution geprägten Verfassungswirklichkeit in den USA darstellen. Dilthey sah als Erster in Deutschland in Tocqueville den "Analytiker unter den geschichtlichen Forschern seiner Zeit und unter allen Analytikern der politischen Welt den grössten seit Aristoteles und Machiavelli". - Sabin 95, 384; Fromm 25 587.

Objekt des Monats Januar 2017

seltener druck von luthers uebersetzung des neuen testaments 28297

seltener druck von luthers uebersetzung des neuen testaments 28297 1

 

500 Jahre Reformation

Die Bibelübersetzung Martin Luthers 

(geboren am 10. November 1483 in Eisleben, gestorben am 18. Februar 1546 ebenda)

Der Protestantismus, der unsere Kultur und Gesellschaft zutiefst geprägt hat, begann mit Martin Luthers Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517. Luthers Hauptwerk, die Übersetzung des Alten und Neuen Testaments aus dem Althebräischen, Aramäischen und Altgriechischen stellt bis heute die Grundlage aller modernen Bibelübersetzungen dar.

LUTHER, M.: Das Newe Testament Mar. Luthers. Wittemberg, (gedruckt durch Hans Lufft) 1530. Großoktav. 328 unnum. Blatt. (A-Z 8, a-s 8). Titel mit Holzschnitt-Bordüre und 38 ganzseitige Holzschnittafeln. Zahlreiche verzierte Holzschnitt-Initialen. Teils mit Marginalien und Unterstreichungen von alter Hand. Ganz vereinzelt kleine Randläsuren. Teils leicht wasserrandig. Vorsätze erneuert. Holzdeckelband der Zeit mit Blindprägungen auf den Deckeln. Rücken passend ergänzt, neues Rückenschild. Schließen fehlen.

- verkauft -

Rarität ersten Ranges! Seltener Druck von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, entstanden im Jahr 1529 unter der Mitarbeit von Melanchton. Kein Exemplar auf deutschen Auktionen seit 1950. Luthers Übersetzung erschien erstmals 1522 in Wittenberg und erlebte schnell zahlreiche Auflagen. Vorliegende Ausgabe wurde zur Ostermesse in Frankfurt 1530 vorgestellt und ist eine Gesamtrevision der bisher erschienenen Drucke des Neuen Testaments. Sie erschien hier erstmals im Oktavformat und wurde um einige Holzschnitte von Georg Lemberger erweitert, die Lukas Cranach nachempfunden sind. "Die Besserungen betrafen, grammatische, syntaktische und stilistische Merkmale, die konnten auch theologisch motiviert sein. Theologisch bedeutsam waren die Veränderungen der Vorreden: Erweitert wurde die Vorrede zum ersten Korintherbrief, ums Achtfache vermehrt und inhaltlich ganz neu gefaßt wurde die Einleitung zur Apokalypse, die das Gewicht eines Kommentars erhielt, oder besser: einer Polemik, die ihre Schärfe aus der Aktualisierung und vergegenwärtigenden Deutung des Heiligen Schrift bezog" (Reinitzer. Biblia deutsch S. 153). Titelrückseite Text mit der Warnung Luthers an die Nachdrucker und konkurrierenden Übersetzer. Die Nachfrage war außerordentlich groß. Bis zu Luthers Tod sind 330 Nachdrucke erschienen. - Die Ausgabe von 1530 existiert mit zwei verschiedenen Titelblättern. Dieses Exemplar mit Titelblatt: "Zwei Medaillons" ist bei Reinitzer: "Bibla deusch" abgebildet (Abb. 81). - Benzing 1530.3; Reinitzer Nr. 85; vgl. Ursprung der Biblia Deutsch. Ausst. Kat. Stgt. 1983, IVC 2, Nr.6; VD 16 B 4400.

Objekt des Monats Dezember 2016

KRENEK, Ernst: Jonny spielt auf. Oper in 2 Teilen.

KRENEK, Ernst [1900-1991]: Eigenhändiges Albumblatt mit Datum und Unterschrift.

KRENEK. - TAKÁCS, J.: Potpourri aus der Oper "Jonny spielt auf"KRENEK, Ernst: Blues "Leb' wohl, mein Schatz" aus der Oper "Jonny spielt auf".

 

Zum 25. Todestag von Ernst Křenek (ab 1938 Krenek)

(geboren am 23. August 1900 in Wien, Österreich, gestorben am 22. Dezember 1991 in Palm Springs (CA), USA)


Komponist, Musikschriftsteller, Librettist, Schriftsteller, Dirigent, Pianist, Professor, Hochschullehrer, Pädagoge.

KRENEK, Ernst: Jonny spielt auf. Oper in 2 Teilen. Op. 45. Klavierauszug mit Text vom Komponisten. Wien, Universal-Edition (VerlagsNr. U.E. 8621) Copyright 1926. Abzug XI. 1927. Quart. 213 S. Handschriftlicher Vermerk auf Titel. Originalumschlag.

€ 200,-


Die Uraufführung dieser Jazz-Oper am Leipziger Stadttheater 1927 wurde zum überwältigenden Welterfolg, der dem Komponisten fortan ein finanziell unabhängiges Schaffen ermöglichte. In kurzer Zeit folgten mehr als 100 Inszenierungen im In- und Ausland. Den Text schrieb Krenek selbst. Motorische Rhythmen und moderne Tänze bilden das musikalische Gerüst, das er mit seiner homophonen, durchsichtigen Schreibweise zu einem "vielfach schillernden Bühnenstil" (K. H. Wörner) verbindet. Die Hauptfigur eines Schwarzen nahmen dann vor allem die Nazis zum Vorwand, gegen Komponist und Werk eine regelrechte Hetzkampagne zu starten: "Ernst Krenek propagierte in 'Jonny spielt auf' die Rassenschande als die Freiheit der 'Neuen Welt'" ("Entartete Musik", Düsseldorf 1938, S. 16). - BSB 9, 3509; CPM 33, 251; Stewart S. 452. (Bestell-Nr. 21331)


KRENEK, Ernst [1900-1991]: Eigenhändiges Albumblatt mit Datum und Unterschrift. Wien, 20. Sept. 1964. Quer-Oktav. 3/4 Seite.

€ 450,-


"Zwölftonreihe aus den Zwölf Variationen. Op. 79". Auf gedrucktem Notenpapier. - Krenek wandte sich in den 20iger Jahren immer mehr der neuen Musik zu, womit er bald den Ruf eines "enfant terrible" innehatte. Um 1930 entschied er sich für das Komponieren mit der Zwölftontechnik. 1938 emigrierte er nach den USA und wurde bald zu einem sehr gefragten Komponisten und Theoretiker. (Bestell-Nr. 18201)

KRENEK. - TAKÁCS, J.: Potpourri aus der Oper "Jonny spielt auf". Op. 45. Arrangement von Jenö Takács. Piano solo. Wien und Leipzig, UE (VerlagsNr. U.E. 8960) 1927. Quart. 28 S. Farbig illustrierter Originalkarton.

€ 150,-


Erstausgabe dieser Bearbeitung durch den ungarischen Komponisten und Pianisten Jenö Takács (1902-2005). Den 13 Nummern sind fallweise die entsprechenden Texte der Oper übergelegt. Der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen. - Sehr selten. (Bestell-Nr. 19705)


KRENEK, Ernst: Blues "Leb' wohl, mein Schatz" aus der Oper "Jonny spielt auf". Piano solo mit Text. Arrangement von Gustav Blasser. Wien, UE (VerlagsNr. U.E. 8871) [1928]. Quart. 3 S. Ill. Originalkarton.

€ 100,-


(Bestell-Nr. 19166)

Objekt des Monats November 2016

BEETHOVEN, Ludwig van: Wellingtons-Sieg

BEETHOVEN, Ludwig van: Wellingtons-Sieg

Seltener Erstdruck HAYDN, Joseph: Terzette pour le Forte-Piano
Seltener Erstdruck HAYDN, Joseph: Terzette pour le Forte-Piano




 

Zum 135. Geburtstag von
Stefan Zweig

(geboren am 28. November 1881 in Wien; gestorben 23. Februar 1942 in Petrópolis, Bundesstaat Rio de Janeiro, Brasilien)


Zweig empfand sich „nie als den Besitzer dieser Dinge …, sondern nur als ihren Bewahrer in der Zeit.“

„Als Sammler war er genial, …“ (Hermann Kesten)

Nicht erst seit Salzburg frönte Zweig der Sammelleidenschaft, er begann bereits in frühen Kinderjahren zu sammeln: „Mit dreizehn Jahren, als jene intellektuelle-literarische Infektion bei mir begann, …, verwandte (ich) das von den Eltern mir für eine Tanzstunde zugebilligte Geld für Bücher …“ (Die Welt von gestern). In seinem Junggesellen-Domizil in der Kochstraße in Wien setzte er diese Leidenschaft intensiv fort und erfreute sich an Autographen und seltenen Stücken. Doch erst in Salzburg, der neuen Wahlheimat Zweigs konnte sich seine Leidenschaft voll entfalten, „dort hatte er sich ein auf dem Kapuzinerberg gelegenes barockes Schlößchen gekauft … (die) dem Dichter eine Heimstätte gewährte, die seinem Sinn entsprach … Das feierlich-altmodische Ambiente einer aristokratischen Residenz bot ihm den rechten Rahmen für seine immer umfangreicher werdenden Sammlungen von Kunstwerten, Antiquitäten und kostbaren Handschriften. (…). Für den Dichter bedeutete die Sammelleidenschaft zweifellos mehr als ein nobles Steckenpferd. Zwischen seinen schönen alten Möbeln, inmitten kostbarer Gemälde, Autographen und Büchern mochte er sich leichter in vorbereitende Stimmung versetzen, die ihn befähigte, als Meister des dichterischen Essays, den hervorragenden … Gestalten der Geschichte nahe zu sein und sie lebendig werden zu lassen.“ (Bauer S. 46 ff.)


Zwei Musikdrucke aus Zweigs Sammlung sollen an den genialen Sammler erinnern:


BEETHOVEN, Ludwig van: Wellingtons-Sieg, oder: die Schlacht bey Vittoria. 91-tes Werk. Vollständige Partitur. Wien, S. A. Steiner und Comp. (VerlagsNr. 2367) [1816]. Quart. Titelblatt, 2 Blatt, 114 S. Sehr schöner Pappband mit zeitgenössischem Buntpapier.

- verkauft -


Seltene Originalausgabe der Partitur dieser Schlachtenmusik. Beethoven erregte mit der von ihm selbst 1813 geleiteten Uraufführung in Wien größtes Aufsehen; unter Beteiligung aller namhaften Musikerpersönlichkeiten, die sich damals in Wien aufhielten, gelang dem Komponisten - er war bereits ziemlich taub - ein derartiger Erfolg, dass erstmals die Partitur zugleich mit dem Druck der Orchesterstimmen im Anschluß an die Aufführung veröffentlicht werden konnte. Die Pläne zur Komposition stammen weitgehend von J. N. Mälzel, der die Musik zunächst für sein sog. Panharmonikon bestimmt hatte. Später geißelte G. Weber das Werk als wenig inspiriert und "Verirrung seiner [Beethovens] Muse", was der Komponist mit "erbärmlicher Schuft" quittierte (Caecilia 1825). - Inkunabel der Lithographie. Mit "Bemerkungen für die Aufführung" in Beethovens eigenem deutschen Text sowie einer französischen Übersetzung. - Exemplar aus der Sammlung Stefan Zweigs, erkenntlich an Zweigs maschinenschriftlicher Beschreibung, die lose beiliegt. - Kinsky S. 253; Dorfmüller S. 223; Hoboken 2, 389. (Artikel-Nr. 26451)


HAYDN, Joseph: Terzette pour le Forte-Piano, ou Clavecin Violon, et Violoncelle. [Hob. XV/10]. Wien, Hoffmeister (PlattenNr. 33) [1786]. Quer-Quart. 15 S., Quart 5 S., 4 S.; Titel mit handschriftlichem Besitzvermerken und Blindstempel, etwas fleckig; knapp beschnittenes Exemplar.

- verkauft -


Seltener Erstdruck aus dem Besitz Stefan Zweigs, erkenntlich an Zweigs maschinenschriftlicher Beschreibung, die lose beiliegt. - Auf Anregung Forsters beschäftigte sich Haydn ab 1784 erneut mit Klaviertrios. Die nun entstehenden Werke zeigen eine größere Konzentration auf den Klavierpart und eine einfachere, dem Klavier unabhängig gegenüberstehende Linienführung der Streichinstrumente. Den Zeitgenossen galt das Es-Dur-Trio als besonderes Beispiel für Haydns Erfindungskraft, es hob sich auch spieltechnisch von den Trios Hob. XV, 2, 9 ab. - Robbins Landon, Chronicle 2, 583, 703; Kat. Hoboken 8, 1010; RISM A/I/4, 3672. (Bestell-Nr. 17324)

Objekt des Monats Oktober 2016

Erstausgabe des Komponisten Christian Friedrich Daniel Schubart

SCHUBART - SCHUBERT, Franz: Die Forelle. Gedicht von Schubart für eine Singstimme mit Begleitung

 

225. Todestag von
Christian Friedrich Daniel Schubart, Komponist, Theaterdirektor, Schriftsteller


Der berühmteste politische Gefangene seiner Zeit – bekannt als der
Dichter der „Forelle“, vertont von Franz Schubert


SCHUBART, [Christian Friedrich Daniel]: Leben und Gesinnungen. Von ihm selbst, im Kerker aufgesetzt. 2 Bände. Stuttgart, Gebr. Mäntler 1791-93. Gestochenes Porträt in Punktiermanier von A. Karcher nach Lohbauer (linker Rand knapp), XVIII, 292 S., mit gestochener Titelvignette von A. Karcher; 1 Bl., XVI, 320 S., 1 Bl., mit gestochener Titelvignette. Insgesamt 5 Kupfertafeln gestochen von A. L. d'Argent. Wenige Bleistiftunterstreichungen. 3 Blatt gestempelt. Teils stockfleckig. Pappbände mit zeitgenössischem Buntpapier.


- verkauft -


Erstausgabe der Autobiographie. Teil 1 entstand während Schubarts Haftzeit auf dem Hohenasperg. Da er selbst nicht schreiben durfte, diktierte er seinem Mitgefangenen Scheidlin, durch ein Loch in der Wand, seine Lebensgeschichte. Das Manuskript wurde jahrelang unter Steinen verborgen. Der Druck wurde noch von ihm selbst vorbereitet. Teil 2 wurde von seinem Sohn Ludwig aus seinem Nachlass herausgegeben. - Ohne den häufig fehlenden 3. Band "Schubart's Karakter", der erst 1798 erschienen ist. - F. Nicolai schildert, dass Schubart die ersten 2 Jahre strenge Kerkerhaft durchstehen musste, in den Folgejahren aber recht frei auf dem Asperg lebte, beim Kommandanten zu Mittag aß und mit Gästen, wie Nicolai, zusammen kam und nach seiner Entlassung sofort von Karl Eugen zum Leiter der Stuttgarter Theater ernannt wurde. - Schulte-Strathaus 79. Wieland/Schubart-Katalog Marbach 1980, Nr. 50.  (Bestell-Nr. 16928)


SCHUBART - SCHUBERT, Franz: Die Forelle. Gedicht von Schubart für eine Singstimme mit Begleit. des Piano-Forte. Op. 32. Neue Ausgabe, für Sopran od. Tenor. [D 550]. Wien, Diabelli und Comp. (PlattenNr. D. & C. No. 3321) [1829]. Quer-Quart. 7 S. Fingerfleckig.

€ 200,-


Neustich des Liedes mit dem "zweifellos von A. Diabelli stammenden" Klaviervorspiel (Deutsch S. 320) mit dem springenden Forellenmotiv, das in allen späteren Nachdrucken übernommen wurde. Schubarts Gedicht entstand 1782 während seiner Haft auf dem Hohenasperg und wurde erstmals im "Schwäbischen Musenalmanach" von 1783 abgedruckt. Die Schubert'sche Vertonung berücksichtigte nicht die 4. Strophe des Gedichtes, in der sich der Dichter warnend an die Mädchen gegenüber den Verführungskünsten der jungen Männer wendet, wohl um das Lied moralisch integer erscheinen zu lassen (vgl. KNLL 15, 27). Dietrich Fischer-Dieskau über "die Forelle": Die Lebendigkeit der Darstellung mit dem Trüben und Glätten des Wasserspiegels, die Lebensfreude der Melodie selbst machen die allgemeine Beliebtheit verständlich ..." (Auf den Spuren der Schubert-Lieder, S. 126). Das Thema aus der "Forelle" verwandte Schubert später im 1. Satz des "Forellenquintetts" wieder. - Slg. Hoboken 13, 172. CPM 51, 40.  (Bestell-Nr. 17137)

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Objekt des Monats September 2016

Partitur MOZART, W. A.: Die Zauberflöte - Arbeitsexemplar des Dirigenten Karl Böhm

Partitur MOZART, W. A.: Die Zauberflöte - Arbeitsexemplar des Dirigenten Karl Böhm

Partitur MOZART, W. A.: Die Zauberflöte - Arbeitsexemplar des Dirigenten Karl Böhm

Partitur MOZART, W. A.: Die Zauberflöte - Arbeitsexemplar des Dirigenten Karl Böhm

 


 

Zum 225. Jahrestag der Uraufführung „Die Zauberflöte“ von
Wolfgang Amadeus Mozart / Emanuel Schikaneder
am 30. September 1791 im Freihaustheater in Wien
präsentieren wir Ihnen das Arbeitsexemplar der Partitur-Ausgabe
des Dirigenten Karl Böhm‘s (1894 - 1981)

 

MOZART, W. A.: Die Zauberflöte (Il Flauto magico) Oper in 2 Akten. [KV 620] Partitur. Leipzig, C. F. Peters (VerlagsNr. 5714, 6252) [nach 1882]. Quart. 2 Blatt, 225 Seiten, wenige Risse geklebt. Insgesamt gut erhalten. Ganzleinen der Zeit.

- verkauft -

Arbeitsexemplar des Dirigenten Karl Böhm mit dessen eigenhändigem Namenszug auf Vorsatz, Titel "1921" und Anmerkungen in Tinte, Blei- und Buntstift. Karl Böhm hat das vorliegende Exemplar jahrzehntelang für die von ihm geleiteten Aufführungen der Zauberflöte benutzt. Es finden sich eigenhändige Datierungen von 1921 bis 1964. Auf der Titelrückseite sind die Daten von mehreren Studioaufnahmen eigenhändig verzeichnet. Im Notentext selbst finden sich auf jeder Seite Aufführungshinweise in Blei- und Buntstift. Die Rezitative sind von ihm mittels eingeklebter Zettel und Randnotizen teils vollständig umgearbeitet worden. - Ein ganz besonderes Exemplar, das Einblick in den Arbeitsprozess des Dirigenten gewährt. - BSB 11, 4504; CPM 41, 172. (Bestell-Nr. 24759)


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MOZART, W. A.: Die Zauberflöte eine große Oper in zwey Aufzügen für Clavier oder Pianoforte. [KV 620]. Leipzig, in Commission der Breitkopfischen Musikhandlung [ohne VerlagsNr.] [1794]. Quer-Folio. Gestochenes Titelkupfer, Titel, Zwischentitel, 98 [einzeln nummerierte] S., Zwischentitel, 99 [einzeln nummerierte] S. Titel mit teilw. gel. Besitzvermerk, 1 S. gestempelt, leichte Gebrauchsspuren. Halblederband im Stil der Zeit.


MOZART, W. A.: Der Schauspieldirektor, eine komische Operette in einem Aufzuge. Im Klavierauszug von Siegfried Schmiedt. Leipzig, Breitkopfische Musikhandlung (Typendruck o. VerlagsNr.) [1792/93?]. Querfolio, 1 Bl., 37 S. (S. 16 falsch paginiert). Pappband im Stil der Zeit.


MOZART, W. A.: Le Nozze di Figaro. Dramma giocoso in quattro atti. Messo in Musica dal Signore W. A. Mozart. [KV 492]. Bonna e Colonia, N. Simrock (PlattenNr. 1603) [1819]. Folio. Lithographiertes Titelblatt, 515 S. 2 Blatt am rechten Rand etwas eingerissen. Nahezu fleckenfrei. Schöner Halblederband.


MOZART, W. A.: Idomeneo Rê di Greta. Opera seria in tre atti. Idomeneus König von Creta, eine ernsthafte Oper in drey Aufzügen. [Klavierauszug von G. C. Grossheim]. Bonn, N. Simrock (PlattenNr. 51) [1798]. Quer-Folio. Titel, 183 S. Pappband der Zeit.


MOZART, W. A.: L'Enlèvement du Serail (die Entführung aus dem Serail) Opera en trois Actes. Imité de l'allemand par le Cen Moline, redigé par I. Pleyel. ... Arrangé pour le Clavecin par C.G. Neefe. (Text frz./dt.) [KV 384]. Bonn, N. Simrock (PlattenNr. 76 vereinzelt mit Stichfehler 67) [1799]. Quer-Folio. 1 Bl., 151 S., (1. und letzte Seite mit Verlagskatalog) Ecken an 4 Blättern angerändert. Halblederband der Zeit. Rückenschild erneuert.


MOZART, W. A.: Il Dissoluto Punito osia Il Don Giovanni. Dramma giocoso in due Atti posto in Musica. Ridotto per il Pianoforte da A. E. Müller. [KV 527]. Leipzig, Breitkopf & Härtel (VerlagsNr. 2677) [1818]. Quer-Folio. Gestochener Titel mit Vignette, 184 S. Pappband im Stil der Zeit.


MOZART. - SCHIKANEDER, E.: Die Zauberflöte. Eine große Oper in zwey Aufzügen. Die Musik dazu ist nov [recte: von] Herrn Wolfgang Amade Mozart, Kapellmeister, und wirklichen k. k. Kammer Kompositeur. [Textbuch]. Ohne Ort und Verlag, 1795. 80 S. Stellenweise stockfleckig. Kleinoktav. Späterer Pappband. - Insgesamt gut erhalten.


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Objekt des Monats August 2016

Seltene Erstausgabe: Hoffmann von Fallersleben - Das Lied der Deutschen 


 

175. Jahrestag
Am 26. August 1841 dichtet Hoffmann von Fallersleben „Das Lied der Deutschen“ auf der damals britischen Nordseeinsel Helgoland als Ausdruck der Sehnsucht nach nationaler Einheit.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN; [August Heinrich]: Das Lied der Deutschen. Melodie nach Joseph Haydn‘s „Gott erhalte Franz den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz!“. Arrangirt für die Singstimme mit Begleitung des Pianoforte oder der Guitarre. Hamburg, Hoffmann und Campe, Stuttgart, P. Neff 1. September 1841. Quart. 2 Blatt (Titel und 2 Seiten Text mit Notendruck) in Halbleinen-Kassette.

- verkauft -

Erstausgabe der deutschen Nationalhymne, ein Dokument deutscher Geschichte. Begeistert von der englischen Königshymne „God Save the King“ komponierte Joseph Haydn 1797 seine Kaiserhymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“. Zu dieser Melodie schrieb Hoffmann 1841 während eines Besuches auf Helgoland dieses Lied, das schnell große Popularität gewann. – Goedeke XIII, 364, 38; Borst 1988.  (Bestell-Nr. 26816)

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HOFFMANN von FALLERSLEBEN, August Heinrich [1798-1874]: Eigenhändiges Gedicht. 28 Zeilen. Ohne Ort,, [Um 1843?]. Oktav. 1 1/2 Seiten. - verkauft -

HOFFMANN von FALLERSLEBEN [A.]: Liebeslieder. Mainz, J. G. Wirth Sohn 1851. 137 S., 2 Bl. Stockfleckig. 1 S. gestempelt. Halbleinenband der Zeit.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Deutsche Gassenlieder. Zürich und Winterthur, literarisches Comptoir 1843. Kleinoktav. 56 S., gebräunt, unten durchgehender Wasserrand. Unbeschnitten. Originalumschlag.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Deutsches Volksgesangbuch. Mit 175 eingedruckten Singweisen und Nachrichten.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Drei deutsche Sommerlieder. Mannheim (H. Hoff) 1. Mai 1849 8 S. Pappband im Stil der Zeit.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Maitrank. Neue Lieder. Paris, Renardier 1844. Kleinoktav. 1 Bl., 54 S., (Inhalt, S. [53/]54 nach dem Titelblatt eingebunden), 1 gefaltete Notenbeilage in Lithographie. Originalumschlag.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Unpolitische Lieder. [Teil 1 von 2]. Hamburg, Hoffmann und Campe 1840 S. III-XII, 205 S. Ohne den Vortitel. Teils stockfleckig. Adeliges Exlibris im Vorsatz. Halblederband der Zeit mit ornamentaler Rückenvergoldung.

HOFFMANN von FALLERSLEBEN, [A. H.]: Deutsche Lieder aus der Schweiz. Zürich und Winterthur, literarisches Comptoir 1843. 264 S. Stockfleckig. Exlibris im Vorsatz. Leinenband der Zeit mit ornamentaler Blindpressung auf den Deckeln.

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Objekt des Monats Juli 2016

Seltene Erstausgabe: Johann Rists Parnass in Wedel 
Seltene Erstausgabe: Johann Rists Parnass in Wedel
Seltene Erstausgabe: Johann Rists Parnass in Wedel

 

Johann Rists Parnass in Wedel. – Exemplar aus der Sammlung des Pianisten Eduard Erdmann

RIST, Johann: Neuer Teutscher Parnass / Auff welchem befindlich Ehr' und Lehr Schertz und Schmertz Leid- und Freuden- Gewächse / Welche zu unterschiedlichen Zeiten gepflantzet/ nunmehr aber ... in die offenbahre Welt außgestreuet. Lüneburg, Johann und Heinrich Stern 1652. Duodez. Doppelblattgroßer Kupfertitel, 24 Blatt, 920 [recte 921] Seiten, 6 Blatt. Mit 56 Seiten Notenbeispiele in Typendruck. Anfangs wenige Blatt mit kleinem Wurmgang am Blattrand. Vereinzelt leicht fleckig. Exlibris. Schöner Pergamentband der Zeit.

- verkauft -

Sehr seltene Erstausgabe der umfangreichen Sammlung von Rists Gelegenheitslyrik, gewidmet „Dem … Herren Rudolf Augustus, Hertzogen zu Brunschwig und Lüneburg …“, sowohl weltlicher wie geistlicher, mit Kompositionen von ihm selber, seinem Schwager Heinrich Pape, Johann Schop und Michael Jacobi. In dem "Nebenbergelein" sind an Rist gerichtete Ehrengedichte von Freunden erstmals zum Druck gekommen, u.a. Beiträge von Schottel, Moscherosch, Peucer, Neukrantz, Schneuber und Neumark. Beachtung verdient der "Lobgesang Der edlen Buchdrukker Kunst" (S. 435 ff.) für seinen Verleger Johann Stern zu dessen Ausbildungsende mit der Ruhmesstrophe auf Endter, die Elzeviere und Merian. Die Kompositionen sind Melodien für Discant und Bass, in Chorbuchordnung, in Holzschnitt-Typendruck. - Das Frontispiz zeigt Rist mit 2 Musikern musizierend auf einem kleinen Parnass (dem "Bergelein"), vor einer Elblandschaft: links der Hamburger Ratsgeiger Johann Schop, der über 200 Lieder von Rist vertont hat, und der Hamburger Ratslautenist Bonaventura Füllsack. – „Der Wedeler Pastor und Dichter Johann Rist (1607–1667) ist bis heute als Autor zahlreicher geistlicher und weltlicher Schriften weit über Wedels Grenzen hinaus bekannt. Er besaß umfassende Kenntnisse der Theologie, Philosophie, Geschichte, Kunst, Naturwissenschaften und Medizin und gründete 1656 eine eigene Sprachgesellschaft, den „Elbschwanenorden“. Einige seiner Texte sind im Evangelischen Gesangbuch zu finden – aber auch in Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium.“ (L. Stahn für das Stadtarchiv Wedel). – Exemplar aus der Sammlung des Pianisten Eduard Erdmann (1896-1958), dessen Exlibris auf dem Innendeckel. - Dünnhaupt V, 3408; Manheimer 341; Faber du Faur 396; nicht Breslauer, Dt. Lied; nicht Wolffheim. (Bestell-Nr. 26755)

Weitere Werke von Johann Rist finden Sie in unserem Online-Katalog.

RIST, J.: Himlische Lieder/Mit sehr lieblichen und anmuthi=/gen von dem fürtrefflichen und weitberühmten H. Johann Schop/wolgesetzeten Melodien/Nunmehr auffs neue wiederum überse=/

RIST, J.: Neuer Teutscher Parnass / Auff welchem befindlich Ehr' und Lehr Schertz und Schmertz Leid- und Freuden- Gewächse / Welche zu unterschiedlichen Zeitengepflantzet/ nunmehr

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Objekt des Monats Juni 2016

Seltene Titelauflage der Patitur L'Infante de Zamora des Komponisten Giovanni PAISIELLO

 

Zum 200. Todestag von
Giovanni Paisiello, Komponist und Kapellmeister

(geboren am 9. Mai 1740 in Roccaforzata bei Tarent (Taranto) | gestorben 5. Juni 1816 in Neapel)

 "Ein Genie des einfachen Genres und der naiven Anmut" (Rossini)


Giovanni Paisiello: L'Infante de Zamora. Opéra Comique en Trois Actes. Parodié sous la musique de la Fracatana par Framery. [Partitur]. Paris, Leduc (PlattenNr. 18] [ca. 1789]. Folio. 1 Bl., 308 S. Letzte Seite faksimiliert. Halbpergamentband der Zeit.

- verkauft -

Seltene Titelauflage der Partitur in französischer Version, gedruckt von den Platten der Erstausgabe. Unter dem Titel "La frascatana" mit dem Text von F. Livigni war die Oper 1774 erstmals in Venedig aufgeführt worden und wurde in kurzer Zeit in ganz Europa bekannt. - RISM P 269; Hirsch II, 703; CPM 44, 59. (Bestell-Nr. 8200)

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Objekt des Monats Mai 2016

Musikautographen: Max Reger Porträt mit Unterschrift

Musikautographen: Max Reger - Postkarte mit Unterschrift

 

 

Zum 100. Todestag von
Max Reger

(geboren am 19.3.1873 in Brand (bei Kemnath), gestorben am 11.5.1916 in Leipzig)
„... einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit ...“ (Brockhaus. Die Enzyklopädie, Bd. 18, S. 170)


1. REGER, Max [1873-1916]: Porträt-Photographie. Leipzig, Ernest B. Raunser, (1908). Mit eigenhändiger Signatur: "Dr. Max Reger" auf der Bild- und der Rückseite. Rückseitig Spuren ehemaliger Montage, die auch den rückseitigen Namenszug berühren. Im Ganzen sehr gut erhalten.

- verkauft -


Die "1908" datierte Aufnahme (Original-Bromsilber-Abzug) zeigt den Komponisten im Sessel sitzend, mit Frack und Fliege, den Blick zum Betrachter gewandt. - Anfang 1908 feierte Reger große Konzerterfolge. (Bestell-Nr. 27254)


 


2. REGER, Max [1873-1916]: Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift. (Poststempel) Leipzig, 12. 10. [19]10. 1 Seite.

- verkauft -

Kurze Mitteilung an seinen Patenonkel und dessen Frau, Johann B. Ulrich in Wien, dem er freudig mitteilt, daß er soeben den Ehrendoktortitel der medicinischen Fakultät der Universität Berlin erhalten hat "Euer doppelter Dr. Max Reger (Dr.phil h.c. und Dr. med. h.c.)". (Bestell-Nr. 27721)


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Objekt des Monats April 2016

Yehudi Menuhin – Porträt mit Datum und Unterschrift

 

Zum 100. Geburtstag von Yehudi Menuhin
(geboren am 22. April 1916 in New York City, gestorben am 12. März 1999 in Berlin)


MENUHIN, Yehudi [1916-1999] Porträt-Fotografie, eigenhändig datiert und signiert. 10. May 1938. 14 x 19,2 cm. Aus einem Programmheft, auf Karton.

€ 280,-

Das Porträt zeigt den erst 22 Jahre alten Menuhin vor einem hellen Hintergrund, während eines Konzerts. Bereits als 12 Jähriger hatte er seinen großen Durchbruch. Menuhin zählt zu den größten Violinvirtuosen des 20. Jahrhunderts. (Bestell-Nr. 28174)

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Objekt des Monats März 2016

autographen marie von ebner eschenbach eigenhaendiger brief mit ort datum unterschrift 27981 kl

autographen marie von ebner eschenbach eigenhaendiger brief mit ort datum unterschrift 27979 kl

 

 

Zum 100. Todestag von Marie Freifrau
von Ebner-Eschenbach, 
geb. Freiin von (seit 1843 Gräfin) Dubsky

Geboren am 13.9.1830 auf Schloß Zdislawic/Mähren,
gestorben am 12.3.1916 in Wien.


Ebner-Eschenbach gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. 1898 wurde sie mit dem höchsten Zivilorden Österreichs, dem Ehrenkreuz für Kunst und Literatur, ausgezeichnet und war 1900 erster weiblicher Ehrendoktor der Wiener Universität. Da bisher nur wenige, teilweise nur in Auswahl, vorliegende Briefausgaben publiziert wurden, möchten wir mit zwei ausgewählten Briefbeispielen auf die reiche Fülle der Korrespondenz von Marie Ebner-Eschenbach aufmerksam machen.


1. EBNER-ESCHENBACH, Marie von [1830-1916]: Eigenhändiger Brief mit Ort, Datum und Unterschrift. Wien, 11. Februar 1875. Groß-Oktav. Doppelbogen. 4 Seiten. Etwas fleckig.

€ 360,-


Schöner, an ihre Schwägerin Rosine [Gräfin Dubsky v. Trebomyslic, 1848-1938] gerichteter Brief, der am Anfang übersandte „Photographieen“ der Familie kommentiert. " ... Heut mein theuerstes Herz kommt eine Brochure die hier ein gewaltiges Aussehen erregt, ihres Inhalts sowol als ihres Verfassers wegen. Es ist der junge Toscana, der bestimmt sein soll existent an E.H Wilhelms Stelle zu treten. Nach dem Erscheinen seines Schriftchens wurde er sogleich zur Infanterie versetzt. Einzelnheiten in derselben stimmen aufs Haar mit dem Aufsatze von Moriz, der hier so viel böses Blut gemacht hat. (...) Ich war aber diese Woche überaus fleißig u. habe so viel geschrieben, daß mir schon selbst vor der Buchstaben Verfertigung graut. Vielleicht bekommt Ihr's in nicht allzuferner Zeit gedruckt zu lesen. Deshalb sage ich vorläufig nicht darüber. Ich kann leider nicht finden daß die Geigerin zugleich aus ihrem Charakter u. in die Arme des Barons fällt. Sie hat eben die Manie sich zu opfern, die bei Frauen, denen man ja immerfort sagt, daß sie dazu geboren werden, so häufig vorfindet. (...)". Der Brief endet mit Nachrichten aus der Familie. (Bestell-Nr. 27981)


 


2. EBNER-ESCHENBACH, Marie von [1830-1916]: Eigenhändiger Brief mit Ort, Datum und Unterschrift. Wien, 1. März [18]86. Oktav. Doppelbogen mit dem geprägten Wappen in Gold und Blau der Familie Ebner. 4 Seiten. Mit blauer Tinte, einzelne Buchstaben etwas verwischt.

€ 340,-


Dankesbrief an ihren Stiefbruder Victor Graf Dubsky von Trebomyslice (1834-1915) zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte. "... Die Hoffnung Dich im Laufe dieses Monats endlich wiederzusehen, stimmt mich sehr freudig ... Nicht weniger als ich sehnt sich Helene nach Deinem Kommen. (...) Ich gehe aus dem Kloster immer mit einem sehr beruhigten Gefühl, und so alt ich bin, und so wenig Ursache ich eigentlich habe zu wünschen, noch geschwinder noch älter zu werden, so möchte ich doch die Zeit schon dahaben in welcher Du Helene wirst zu dir berufen können, um aus ihrem Umgang Ersatz und Trost für so mancherlei zu finden, was das Leben Dir schuldig geblieben ist. (...)". (Bestell-Nr. 27979)

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Objekt des Monats Februar 2016

GRÉTRY, André-Ernest-Modeste - Originalausgabe [1769]

GRÉTRY, André-Ernest-Modeste - Lithographie

GRÉTRY, André-Ernest-Modeste - Kupferstich

 

Zum 275. Geburtstag von André-Ernest-Modeste Gretry

(geboren am 8. Februar 1741 in Lüttich, gestorben 24. September 1813 in Montmorency bei Paris)


Grétry war der vielseitigste, produktivste und erfolgreichste Opernkomponist Frankreichs Ende des 18. Jahrhunderts. Er schrieb mehr als 60 Bühnenwerke und machte sich auch als Musikschriftsteller einen Namen.


1 GRÉTRY, [André-Ernest-Modeste]. Le Tableau Parlant … Oeuvre III. Partitur. Paris und Lyon, aux Adresses ordinaires de Musique und M. Gastaud (ohne PlattenNr.) [ca. 1779]. Folio. Titelblatt, 135 S. Pappband im Stil der Zeit.

- verkauft -



Späterer Abzug von den Platten der Originalausgabe [1769], nunmehr mit dem nachträglichen Eindruck „Oeuvre III.“ über dem Titel und der Angabe „Avec privilege du Roi“ unten links im Titel. – Die Widmung steht jetzt auf der Titel-Rückseite. – Der berühmte F. M. Grimm urteilte bereits 1769 in seinen „Correspondance“: „Es ist eine absolut neue Musik, für die es in Frankreich kein Vorbild gab“, und er erklärt die Bezeichnung „parade“ als „Mischung aus Bouffonerie und Vornehmheit“ (Pipers Enzyklopädie 2, 563). Mit seiner Musik traf Grétry sehr genau den Geschmack seiner Zeit, jedenfalls bis zur Französischen Revolution, denn danach komponierte er nur noch wenige Werke. – Nicht in RISM; Hirsch II, 362.  (Bestell-Nr. 6829)

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2 GRÉTRY, André-Ernest-Modeste. – Halbfigur nach links. Lithographie von [François-Séraphin] de Delpech nach Robert Lefèvre, nach Zéphirin Félix Jean Marius Belliard. [Ca. 1850]. 34,5 x 27 cm. Etwas gebräunt.

€ 220,-


Ausdrucksvolles Porträt. Grétry trägt seine Medaille der Ehrenlegion. – Thieme-Becker III, 250 (zu Belliard). (Bestell-Nr. 18412)

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3 GRÉTRY, André-Ernest-Modeste. - Brustbild im Achteck nach rechts. Kupferstich in Punktiermanier von Wachsmann Zwickau, Gebr. Schumann [ca. 1820]. 18,5 x 12 cm.

€ 80,-


(Bestell-Nr. 26894)


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Objekt des Monats Januar 2016

Erstausgabe von Gottfried Schultz - Bewährte Kunst Vergnügt und lange zu leben  

„... Mäßigkeit und gute Diät ...“ sowie „Gemüths-Vergnügung“
tragen zur Erhaltung der Gesundheit und Verlängerung des Lebens bei

SCHULTZ, Gottfried: Bewährte Kunst Vergnügt und lange zu leben/ Worinne denen / die langes Leben und gute Tage begehren / der richtigste Weg ohnfehlbar darzu zu gelangen / auffs deutlichste gezeiget/ Und die beste Art allerley/ absonderlich Gemüths-Kranckheiten/ glücklich zu curiren wohlmeynend entdecket wird. 2 Theile in 1 Band. Leipzig, Chr. Emmerich 1707. 430 S., 8 Bl.; 430 S., 8 Bl. Exlibris. Pergamentband der Zeit.

- verkauft -


Schönes Exemplar der seltenen Erstausgabe. "Kein medicinisches Werk, sondern unterhaltende Sammlung z. Theil sehr curioser Historien ... wie: Die unnatierliche (!) Ehe (mit einem Affen). - Die durch fürgegebene Einbildung geschwängerte Frau. - Der vom Teuffel betrogene Pabst. - Doctor Lutherus tröstet ein Weib, so sich dem Sathan verschrieben ... Wenig bekannt und rar!" (Hayn-Gotendorf). - Ferner über Kriegshistorien, Aufruhr in Frankfurt, Bremen, Breslau und Riga, Teufels- Mord- und Erlösergeschichte, Feuerwerke, vergrabene Schätze u. a. „Die Absicht des Verfassers – der übrigens auch Mäßigkeit und gute Diät empfiehlt – ist ‚Gemüths-Vergnügen und ein fröliches Hertz zur Erhaltung der Gesundheit und Verlängerung des Lebens zu recommendiren‘ und er versichert, ‚daß wohl eher die gefährlichsten Kranckheiten durch Carmina curiret werden, wovon noch vor kurtzer Zeit eine wohl-ausgearbeitete Disputation zu Wittenberg gehalten worden.“ (Haus der Bücher). - Mit umfangreichem Register in beiden Teilen. - Mit dem schönen, in Kupfer gestochenen heraldischen Exlibris von Christoph Wenzel Graf von Nostitz (1643 - 1712). - Hayn-Gotendorf VII, 229; Haus der Bücher Kat. 707, Nr. 918. (Bestell-Nr. 26849)

 

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