MÖRIKE, Eduard [1804-1875]: Eigenhändiges Manuskript mit Unterschrift "Hzlm". (1868). Oktav. 6 Seiten. In gotischer Zierschrift auf Pergament geschrieben. Geheftet. Mit einem beschrifteten und gesiegelten Umschlag.

Artikelnummer: 27349
19000,00 €
Steuerbetrag
Standardisierter Preis / COM_VIRTUEMART_UNIT_SYMBOL_:
  • Eine außergewöhnliche Mörike Cimelie Geburtagsgruß des Hutzelmännleins an die Schwester Mörikes Der berühmte "Brief des Hutzelmanns", der in dieser Version seit über einem Jahrhundert als verschollen galt. - Das Besondere an diesem humoristischen Geburtstagsepistel an seine Schwester Klara Mörike (1816-1903) zu ihrem 52. Geburtstag 1868 ist es, erstens dass Mörike sich der Figur seines Hutzelmännleins aus Lorch, also des auktorialen Erzählers seiner berühmten Märchensammlung bedient, zweitens in dessen altmodischen Deutsch der Reformationseit seiner Schwester nicht nur gratuliert, sondern auch über Begegnungen, Erlebnisse und Humoresken mit ihr und ihrer Familie reflektiert und drittens, dass er nicht seine normale Handschrift verwendet hat, sondern wahrscheinlich für ihn sehr aufwändig, eine gotische Zierschrift, die bestens zum Charakter und der Rolle seines Huztzelmännleins als Gratulantem passt. "Hochschätzbarste, Liebwerthiste Jungfer Clare! / Es ist Ihr, acht ich wohl, nit wissend, wie daß Ihr gutter Freund der Hutzelmann schon seit verwichenem Sommer in Nachbarschaft von Dero Bruder und Frau Schwägerin, so dermalen in Lorch domiciliren, seßhaft seye. Ich hab es nemlich auch im Brauch jeweils den Ort zu wechseln, hab mir da ein gar guten Unterschlupf im Lisabethenberg gefunden, ein Stüblein und zwo Kammern in die halbverschütten Burggewölb gericht, haus' da mit meiner alten Muhmen Hilke, sinnir, studir, lieg auf der faulen Haut, eben wie der Herr Bruder auch, so viel ich hör ... Wie der Doctor vorigs Jahr allein mit der Frau Liebsten da ware ..., schnitte er in eine junge Buchen - er hats euch ja gewiesen - die zween Buchstaben E.G. hinein und drunter etwan so ein Wapen oder dergleichen. Jetzt ist, accurat 8 Tag nach euch, auf einen Sonntag auch eine kleine Gesellschaft kommen, Fremde, seyn Preußen gewesen, wie mir däucht, drei hubsche Frauenzimmer und ein junger Mann. Sie hatten all ein wohlgeschmiert Mundwerk, schwatzten und sungen viel liebliche Lidder ... Der jung Mann sagt’ einmal, indem er sich die Gegend so anschaut: Ein schöne Land, dieses Schwabenland! Wenn wir es nur bald kriechten, und wo möchlich janz! Jlaubt ihr, der alte Barbarosse hätte viel dajejen heutzutage? - Die Red, so ich sie anderst recht verstund, wollt mir nit gar gefallen. Jetzt kommt der Dämlein eine, die wifest unter ihnen, von ohngefähr vor die Buchen zu stehn, schreit auf und ruft die Andern: Ich bitt euch, kommt hieher! ein Wunder! - E.G. und eine Leyer - was meint ihr daß das heiße? was anders als Emanuel Gaibel? ... Da jukket' mich doch ein wenig der Schalk, daß ich ein maler drei vernehmlich hustet’ mitten zwischen ihnen ... Schrieb’s d. 9ten des Christmonden am angezeigten Ort. Und bitt, daß nit auskomm wo ich sitz. Weil ich mein ordinari Pittschaft nit hier hab, brauch ich ein alt Sigill, so wir in dem Gewölb nebst andern raren Sachen funden; die sollen den H. Bruder, schätz ich, freuen, wann er kommt; kann alles haben, so er’s will." - Der Umschlag mit eigenh. Vermerk "Durch Eigenen nach mundlichem Bericht", auf der Rückseite eine Siegel-Nachahmung mit der Umschrift "Pro Deo et Imperio". Mit Abweichungen (in der Gestaltung sowie der Textanordnung in der Nachschrift) von dem Druck in der kritischen Ausgabe der "Werke und Briefe", Band 7, S. 379ff. und 768ff. das Manuskript ist dort als H7 ("Verschollen") verzeichnet. - Aus der Sammlung Alexander Meyer Cohn, die 1905 und 1906 durch J. A. Stargardt versteigert wurde und seinerzeit folgendermaßen beschrieben wurde: "Humoristische Geburtstags-Epistel, in alterthümlichem Stil ... in sauberster deutscher Fraktur auf Pergament geschrieben". Die in der kritischen Ausgabe der "Werke und Briefe" überlieferten 7 Versionen sind vermutlich zum Teil identisch oder gesichert verschollen, so dass von nur noch 4 vorhandenen Exemplaren ausgegangen werden kann, von denen sich 3 Exemplare in öffentlichen Bibliotheken befinden. Im Vergleich mit der ersten Version (H1) von der ein Faksimile existiert, ist unser Exemplar sowohl in der Gestaltung der Textanordnung als auch in der Ausführung in jeder Hinsicht qualitätvoller und schöner und in letzter Konsequenz das einzig verfügbare auf dem Autographenmarkt.
Logo VDA Unser Antiquariat ist Mitglied im traditionsreichen Verband der deutschen Antiquare (VDA) und der International League of Antiquarian Booksellers (ILAB). ILAB Logo