LENZ, J. M. R.: Der Hofmeister oder Vortheile der Privaterziehung. Eine Komödie. Leipzig, Weygand 1774. 164 S. Titel mit Holzschnittvignette. Mit Namenstempel. Gebräunt. Pappband im Stil der Zeit mit zeitgenössischem Buntpapier.
Seltene Erstausgabe der sozialkritischen richtungweisenden Tragikomödie, zugleich erstes dramatisches "Originalwerk" von Lenz, in dem er seine programmatischen "Anmerkungen ü. Th." verwirklicht. Der neben Goethe bedeutendste und einflussreichste Dramatiker des Sturm und Drang bringt in sein erstes Meisterwerk eigene scharfe Beobachtungen aus der Studenten- und Hofmeisterzeit in Livland und Königsberg ein. "Dieses gesellschaftskritische Stück lässt durch die kraftvolle Sprache und die schlichte klare Ausdrucksweise die Nähe zu Goethes 1773 erschienenem "Götz'' erkennen" (Heike Spiess). Anonym, durch Goethes Vermittlung bei dessen Verleger Weygand erschienen, wurde das Werk anfangs auch diesem zugeschrieben, so u.a. von Wieland und Schubart. Die Kritik war begeistert und das Stück diente Klinger als Vorlage für "Das Leidende Weib" und Wagner für "Die Kindermörderin". Es ist der Beginn des sozialkritischen Milieudramas in Deutschland und führt über Büchner, Grabbe, Hauptmann und Wedekind hin zu J. Schlaf und Brecht. - Schulte-Strathaus 185, 4; Hochstiftkat. Sturm u. Drang 95. - "Es ist eine der frühesten Tragikomödien der deutschen Literaturgeschichte und Lenz hat mit erstaunlichem Geschick diese schwankende Balance zwischen Tragischem und Komischen einzuhalten verstanden" (K.S. Guthke). - "Das erste Drama der Geniezeit, in dem moderne Probleme behandelt werden" (Deneke). Mit Namensstempel "Aus der Bibliothek Joseph Kürschner" (1853-1902), Schriftsteller und Lexikograph und Herausgeber diverser Zeitschriften.