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[HOFFMANN, E. T. A.]: Die Elixiere des Teufels. Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus eines Capuziners. Herausgegeben von dem Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier. 2 Bände. Berlin Duncker und Humblot 1815-16 IX, 378 S., 2 Bl. (Anzeigen); 1 Bl., 374 S. Teils stockfleckig. Alter Name in den Vorsätzen Schöne Pappbände der Zeit mit Rückenvergoldung.

Artikelnummer: 24577
1400,00 €

Beschreibung

Erstausgabe von Hoffmanns erstem umfangreichen Werk, dessen Handschrift verloren ist. Der Roman wurde nach dem Vorbild englischer Schauerromane verfasst und trägt auch autobiographische Züge. "Hintergrund des Romans ist die Atmosphäre des Katholizismus, die Hoffmann in der alten Bischofsstadt Bamberg so intensiv erlebte. Spuren dieser vertieften Kenntnisse katholischer Denkweisen und Institutionen finden sich im dem Roman wieder, wie: Probleme von Schuld und Schicksal, Sexualität und Heiligkeit, Wahnsinn und Identität, Selbst- und Welterkenntnis, Abbild und Trugbild, Kunst und Wirklichkeit. - Hoffmann besaß die in seiner Zeit ungewöhnliche Fähigkeit, in der wissenschaftlichen Literatur geschilderte psychischen Phänomene in eindringlicher Weise darzustellen und ihnen literarisches Leben zu verleihen. Dabei spielen 2 Phänomene aus dem Gebiet der Geisteskrankheit in dem Roman eine zentrale Rolle: Wahnsinn und Doppelgängertum von dem mehrere Personen betroffen sind" (vgl. HSW 2/2, S. 527 ff). Der Roman wurde in Deutschland bis ins 20. Jhdt. der Trivialliteratur zugerechnet und als geringschätzig empfunden. " Als Folge der intensiveren Beschäftigung und der neunen methodischen Perspektiven stieg die allgemeine Wertschätzung des Romans. Das Werk wird zunehmend in seiner Bedeutung für die deutsche und europäische Gattungsgeschichte gewürdigt: als Werk, das die Tradition des Schauerromans zum psychologischen Roman weiterführt und das in der Form des Unterhaltungsromans Entwicklungen und Einsichten des 20. Jhdts. ankündigt und in einer Weise vorwegnimmt, die noch heutige Leser beeindrucken kann" (S. 575). - Zur Vorbereitung seines Romans holte sich Hoffmann Anregungen bei Werken von Ch. Reil, Kluge und G. H. Schubert. Auf dem Gebiet der Medizin holte er sich Informationen vom Leiter der Irrenanstalt 'Sankt Getreu' - Dr. A. F. Marcus aus Bamberg. "Marcus zeigte Hoffmann diese für jene Zeit sehr moderne Anstalt und machte ihn mit Krankheitsbildern und -ursachen vertraut" (S. 564). Auch Schillers Romanfragment "Der Geisterseher" und "Der Genius" von Grosse hatten Einfluss auf das Werk. - Salomon 19; Voerster S. 73; HSW 2/2, S. 545 ff; Goedeke VIII, 488, 21.

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