MÖRIKE, Eduard [1804-1875]: Eigenhändiges Albumblatt mit Gedicht, Datum, Ort und Unterschrift, darüber der berühmte Scherenschnitt (Porträtsilhouette) von Luise Walther geb. von Breitschwert in ihrem Poesiealbum mit 34 weiteren Eintragungen weiterer Personen. Stuttgart, 15. IX. 1856 Quarto. Leinenband der Zeit mit Goldprägung ("Poesie"). Eintragungen auf 35 Seiten, davon 1 Seite von Mörike.
Artikelnummer: 29607
Beschreibung
LYRIK VERZIERT MIT DEM BERÜHMTEN SCHERENSCHNITT
Das von Mörike in ein Poesiealbum eingetragene 6-zeilige Gedicht lautet: "Alles Vortreffliche beschränke uns für einen / Augenblick, indem wir uns demselben nicht ge / wachsen fühlen; nur insofern wir es nachher / in unsere Cultur aufnehmen, es unsern Geist- / und Gemüthskräften aneignen, wird es uns lieb / und werth." / Göthe. / Stuttg. d. 15. Sept. 1856. / Zur Erinnerung an unsere poetischen Lectionen / v. Eduard Mörike."
Das Poesiealbum gehörte Mathilde Ammann, einer Schülerin des Stuttgarter Katharinenstifts, an dem Mörike von 1851 bis 1866 deutsche Literatur unterrichtete. - Die Silhouette Mörikes ist die gleiche, die der Dichter "nicht übel" fand und im April 1854 an Theodor Storm schickte (vgl. M. Koschlig, Mörike in seiner Welt, 1954, S. 145 u. 234). Das Album enthält 8 weitere, ebenfalls mit Scherenschnitten der Luise von Breitschwert geschmückte Eintragungen aus dem Lehrerkollegium, alle vom September 1856, als die Besitzerin das Institut verließ: Der Rektor Karl Wolff (1803 - 1869), der Mediziner Dr. Kurr (1797 - 1870), der Zeichenlehrer Carl Nördlinger (1812 - 1896) mit einer gest. Ansicht des Stifts nach seiner Zeichnung, der Musiker Immanuel Faißt (1823 - 1894), der Geschichtslehrer Eduard Weigelin (1808 - 1890), der Französischlehrer Eugen Borel (1802 - 1866) und der Geographielehrer Christoph Theodor Schwab (1821 - 1883). Ferner, ohne Silhouetten, Fräulein Lina Lade, der Religionslehrer Gottlob Schwarz (1819 - 1879) und der Rechenlehrer Friedrich Dückert (1806 - 1891) sowie ohne Eintrag, die Silhouette des Mathematikers Bernhard Gugler (1812 - 1880). - Wolff, Faißt und Gugler gehören zum engeren Freundeskreis Mörikes.
Luise von Breitschwert (1833 - 1917), seit 1858 verh. Walther, war eine Stieftochter des Rektors Wolff und wurde 1855 Patin von Mörikes älterer Tochter. Über ihre fein gepunzten (von der Rückseite her konturierten) Scherenschnitte vgl.: Irene Koschlig-Wiem, Bilder aus dem alten Katharinenstift, in: Königin-Katharina-Stift Stuttgart, Festschrift 1968. Provenienz: Aus der Privatsammlung von Jürgen Voerster.