Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats März 2019

  

Zum 150. Todestag von Hector Berlioz
(geboren am 11. Dezember 1803 in La Côte-Saint-André, gestorben am 8. März 1869 in Paris)

Herctor Berlioz galt als wichtiger Vertreter der Romantik in Frankreich. Er war der Begründer der sinfonischen Programmmusik und der modernen Orchesterinstrumentation. Seine revolutionären Kompositionen wurden von Zeitgenossen kaum verstanden und fanden erst lange nach seinen Tod Anerkennung. Sein Einfluss auf Komponisten wie Franz Liszt, Richard Strauss oder Nikolai Rimski-Korsakow ist unverkennbar. Mit dem „Grand Traité d’instrumentation“ von 1844 legte er die erste umfangreiche Intrumentenkunde vor, die in der Bearbeitung von Richard Strauss noch heute Gültigkeit hat.


Seltene Erstausgabe von Hector Berlioz

Seltene Erstausgabe von Hector Berlioz

 

BERLIOZ, H.: La Damnation de Faust Légende Dramatique en quatre parties ... OEuv:24. Grande Partition avec texte Francais et Allemande ... Traduction Allemande par Mr. Minslaff. Paris, S. Richault [PlattenNr. 11605.R] [1854]. Folio. Gestochenes Titelblatt, Lithographie von F. Sorrieu, 1 Bl. (Personnages), 32 S. (Vorwort Dt./Franz.), 410 S. Vereinzelt geringfügig stockfleckig, etwas späterer Halblederband. Gebrauchsspuren. Rückenschild erneuert.

€ 1.600, –

Sehr seltene Erstausgabe mit den Merkmalen der Variante C. - Als Textvorlage diente Berlioz Goethes "Faust" in der französischen Übersetzung von Gérard de Nerval. Das Werk wurde in zwei Etappen komponiert.  Es geht auf ein Frühwerk Berlioz‘, „Huit scènes de Faust“ von 1828/29, zurück. Als der 25jährige Komponist Goethes Faust in der Übersetzung von Gérard de Nerval las, war er sogleich fasziniert und begann ab September 1828 mit der Umsetzung der Worte in Musik. Die Partitur erschien bereits im April 1829 als Opus 1. Nach einer wenig erfolgreichen Uraufführung fand Berlioz das Werk „unvollendet und sehr schlecht geschrieben“. Erst im Winter 1845/46 nahm er den Stoff auf einer Dirigier-Tournee durch Europa wieder auf und arbeitete alle „Huit scènes de Faust“ musikalisch und textlich umgearbeitet in die „Damnation de Faust“ ein. Das so entstandene Werk passt eigentlich in keine Rubrik, es ist weder Oper, noch Oratorium, noch Kantate oder Chorsymphonie. Die konzertante Uraufführung fand 1846 im Pariser "Salle Favart" der Opéra-comique unter der Leitung von Berlioz statt und war ein Misserfolg. Im Ausland, wie in Moskau, St.Petersburg oder Berlin, war das Stück unter dem Dirigat des Komponisten weitaus erfolgreicher als in Frankreich. Die ersten szenischen Aufführungen fanden erst ab 1893 statt und damit wurde aus der „dramatischen Legende in vier Teilen“ eine Oper. - Die fleurale Titelbordüre zeigt acht Werke von Berlioz und eine gedruckte Widmung an Franz Liszt. Die Lithographie zeigt Fausts Fahrt in die Hölle. - Hopkinson 54 A(c); Holoman Nr. 111.


Albumblatt mit Unterschrift von Hector Berlioz  

BERLIOZ, Hector [1803-1869]: Eigenhändiges musikalisches Albumblatt aus der "Symphonie fantastique" mit Unterschrift. Ohne Ort und, ohne Datum [nach 1830]. Quer-Oktav. 1 Seite. Unter Passepartout. Etwas gebräunt.

€ 8.000,–

Großes, dekoratives Albumblatt, vom Komponisten überschrieben "Fragment de la Simphonie Fantastique. Scène du Bal". Die 28 Takte in 6 Zeilen sind mit "Valse" bezeichnet und stammen aus dem zweiten Akt der Symphonie. Das Werk gilt als eines der bedeutendsten Stück der romantischen Musik und als Schlüsselwerk der sinfonischen Programmmusik. Es ist im Titel bezeichnet mit „Episode aus dem Leben eines Künstlers. Phantastische Symphonie in fünf Sätzen“. Im Programmtext, den Berlioz zum besseren Verständnis der Sinfonie an das Publikum verteilen ließ, findet sich folgende Beschreibung der glanzvollen, hinreißenden Musik der Ballszene: „Der Künstler ist in die verschiedensten Lebensumstände versetzt: mitten in den ‚Tumult eines Festes‘, in friedvolle Betrachtung der Schönheiten der Natur; aber überall, in der Stadt wie auf dem Lande, erscheint ihm das geliebte Bild und versetzt seine Seele in Unruhe.“ Die Uraufführung fand im Dezember 1830 im Pariser Konservatorium statt und war ein „rasender Erfolg“ (Berlioz an seinen Freund Humbert Ferrand) Der neunzehnjährige Franz Liszt wohnte der Aufführung bei und war so begeistert von dem Werk, dass er sich sogleich entschloss, eine Klavierfassung davon anzufertigen, die er 1834 auf eigene Kosten drucken ließ. Die Partitur erschien erst nach Berlioz' Deutschlandtournee 1842.

Objekt des Monats Februar 2019

  

Zum 366. Geburtstag von Arcangelo Corelli

(geboren am 17. Februar 1653 in Fusignano, gestorben am 8. Januar 1713 in Rom)

Corelli galt als einer der bedeutendsten Komponisten und Violinisten des Barock. Schon zu Lebzeiten war sein Ruf legendär in ganz Europa. Er zeichnete sich sowohl als Violinvirtuose als auch als Komponist und Orchesterleiter aus. Das neue Genre der Instrumentalmusik im ausgehenden 17. Jahrhundert, das „Concerto grosso“ tauchte erstmals in seinen Werktiteln auf und machte ihn zum Vorreiter einer ganzen Generation von Komponisten in Italien, Frankreich, England und Deutschland. Seine Werke waren in ganz Europa verbreitet und verhalfen aufgund ihrer Mustergültigkeit der Instrumentalmusik gegenüber der Vorherrschaft der Vokalmusik zum Durchbruch. Von seinen zahlreichen Kompositionen ist nur ein verschwindend kleiner Teil erhalten, der größte Teil des handschriftlichen Nachlasses verschollen. Der von uns angebotenen, noch zu Lebzeiten gedruckten Sammlung von Sonaten kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu.


Arcangelo Corelli XII Sonates

Arcangelo Corelli XII Sonates

Arcangelo Corelli XII Sonates

 

CORELLI, A.: XII Sonates. Tirés de tous ses ouvrages & transportez pour la Flute. Dont il y en a VI a 2 Flutes & 1 Basse Continue & VI a une Flute seule & Basse Continue. 3 Stimmhefte. Amsterdam, Estienne Roger (ohne PlattenNr.) [ca. 1712]. Folio. 1Bl., 16 S.; 1 Bl., 5 S.; 1 Bl., 15 S. Etwas fleckig. Knapp beschnitten. 1 Blatt mit leichten Einrissen am inneren Blattrand. Insgesamt schöner Druck auf kräftigem Papier. Buntpapierumschläge im Stil der Zeit.

€ 2.000,–

Von allergrößter Seltenheit. - Sammlung von 12 Sonaten in der Bearbeitung für Flöte und Orgel für die Werke: Op. II, Nr. 2, 8, 9, 10; Op. IV, Nr. 3, 4 und Op. V, Nr. 7-12. - Seltenes Beispiel eines frühen Roger-Drucks, noch ohne Eindruck einer Platten-Nummer. - "Der Musikverleger Roger war einer der wichtigsten Musikverleger seiner Zeit. Als Erster druckte er seine Ausgaben von gestochenen Kupferplatten. Die Qualität des Notenbildes wurde zum Vorbild für den Musikdruck des gesamten 18. Jahrhunderts. 1712 führte Roger ein Numerierungssystem für gestochene Musikalien ein" (MGG²). - Frühe Musikdrucke von Roger sind sehr selten im Handel zu finden. - Flötenstimme 2 enthält nur die Sonaten 1-6. - Vorliegender Druck "ohne" Platten-Nummer sind Marx und RISM unbekannt. - vgl. RISM CC 3862a (weltweit nur 1 Ex. nachweisbar!); vgl. Marx S. 52.

Objekt des Monats November 2018

  

Zum 300. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Marpurg

(geboren am 21. November 1718 auf Gut Wendemark in Brandenburg, gestorben am 22. Mai 1795 in Berlin)

Friedrich Wilhelm Marpurg galt aufgrund seiner zahlreichen musiktheoretischen Schriften als einer der führenden deutschen Theoretiker des mittleren 18. Jahrhunderts. Er war mit Winckelmann und Lessing freundschaftlich verbunden und wurde von C.F.D. Schubart für den "größten mus. Theoretiker in ganz Europa" gehalten.

Zu seinen einflussreichsten Arbeiten zählen die „Abhandlung von der Fuge …“ (1753), die älteste Quelle der Aufführungspraxis zu J.S. Bachs „Kunst der Fuge“, ebenso wie die 1751 erschienene Abhandlung „Die Kunst das Klavier zu spielen“ und sein zweites, fortschrittlicheres und philosophischeres Werk über das Klavierspielen, die 1755 erschienene „Anleitung zum Clavierspielen ...“.

Seine Bemühungen, der Musik einen neuen Stellenwert innerhalb der schönen Künste zu geben, mündeten in den „Historisch-Kritischen Beyträgen“, die zum wichtigsten deutschsprachigen musikästhetischen Organ der Jahrhundertmitte geworden sind. (Vgl. MGG², 11, 1129).


MARPURG, F. W.: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik  

MARPURG, F. W.: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik. 5 Bände (je 1.-6. Stück). Berlin, J.J. Schützens sel. Wittwe und G. A. Lange 1754-1762 und 1778. Zahlreiche Notenbeispiele auf Tafeln. Exlibris. Teils etwas gebräunt. Band 5 mit Bleistiftanstreichungen. Wenige Blatt mit kleinem Wurmgang. Halblederbände der Zeit. Leichte Gebrauchsspuren. Band 5 etwas später nachgebunden.

- verkauft -

Von größter Seltenheit in dieser Vollständigkeit. Eine der bedeutensten Musikzeitschriften und wichtiges Quellenwerk zur Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts. Enthält zahlreiche biographische Beiträge u.a. über die Familie Bach, Hertel und Quantz; Berichte zum Musikleben, z.B.: über die "Hochfürstliche Württembergische Kammer=Hof= und Kirchenmusik; "Nachricht aus dem gegenwärtigen Zustande der Musik ... zu Salzburg (darunter über den Hofcomponisten Leopold Mozart); ein chronologisches Verzeichnis der seit 1645-1752 in Paris aufgeführten Opern, nebst den Leben verschiedener französischer Komponisten; Nachrichten von berühmten Orgelwerken in Deutschland sowie kritische Anmerkungen und Rezensionen (z. B. über die Violinschule von L. Mozart und die Anleitung zur Singkunst von Tosi). - Band 1 enthält den Erstdruck der Vertonung eines Lessing-Gedichtes von C.Ph.E. Bach: "Scherzlied. Die märkische Helene" (Helm 676). Die anderen Notenbeilagen stammen von Nichelmann, Agricola und Graun. - Mit dem häufig fehlenden 5. Band. - RISM BV ² 543; Wolffheim I, 141 ("sehr selten").

Objekt des Monats Oktober 2018

  

Zum 75. Todestag von Max Reinhardt

(ursprünglich: Maximilian Goldmann)
(geboren am 9. September 1873 in Baden bei Wien, gestorben am 31. Oktober 1943 in New York City)

Max Reinhardt, Theaterschauspieler, Theater- und Filmregisseur, Intendant, Theaterproduzent, Gründer zahlreicher Theater in Berlin und Wien und Mitbegründer des Salzburger Festspiele, war aufgrund seiner jüdischen Wurzeln gezwungen, 1937 endgültig in die Vereinigten Staaten von Amerika zu emigrieren. Dort eröffnete er in Hollywood die Theater- und Filmakademie „Max Reinhardt Workshop for Stage, Screen and Radio“, in der auch seine Frau Helene Thiming als Dozentin und Direktorin arbeitete. 1941 folgte der Umzug nach New York nachdem er die aktive Mitarbeit am „Workshop“ aufgegeben hatte.

Der Inhalt seines Briefes, Flucht und Vertreibung, hat bis heute nichts an Akualität eingebüßt.


Eigenhändiger Brief mit Unterschrift von Max Reinhardt  

REINHARDT, Max (1873-1943) Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. 24.XII.1940. Quart. 1 1/3 S.

- verkauft -

Bedeutender Brief an die gleich ihm in die USA emigrierte Schauspielerin und Autorin Charlotte Hagenbruch (1896-1968), Ehefrau des Filmregisseurs Wilhelm (ab 1930 William) Dieterle, deren unermüdliche Hilfe für die Emigranten er preist. "... Ich kann mir schwer eine Zeit vorstellen, in der die Hilfe notwendiger gewesen wäre, als in der unsrigen. Es ist keine Zeit dumpfer Völkerwanderungen. Es sind aufgestörte Individuen, die heute wandern. Flüchtlinge vor dem Verfluchten, Flüchtlinge vor dem eigenen Fluch. Es ist kein Prophet, der sie durch Meer und Wüste führt. Es ist die Erkenntnis, dass die vielgerühmten Fortschritte der Menschheit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit noch immer Dichtung und keine lebendige Wahrheit sind. Es ist die Erkenntnis dieser sündigen Blöße, welche die Menschen um den Erdball jagt. Manchmal denke ich, dass Sie selbst nicht den ganzen Umfang Ihrer Sendung übersehen, dass Sie sie nur einfach erfüllen. Daran glaube ich aber seit dem ersten Tag unserer Begegnung in der neuen Welt ... Ich höre viel ... von Menschen, die noch vor erschreckend kurzer Zeit von der Gestapo durch Frankreich gehetzt wurden, die das Gift in der Tasche bereit hielten und die plötzlich von einem unbekannten Geschick beim Schopf gepackt und wie im Traum hierher versetzt wurden. Hier erfuhren sie erst, dass dieses Geschick Charlotte Dieterle heisst ... Ich sehe, wie Sie mit geheimnisvoll ruhelosen Händen im Stillen den Kampf der Creatur lindern, wie Sie mit dem Lächeln übermenschlicher Anstrengung etwas von dem Licht und der ewigen Ordnung der Sterne in diese noch sehr chaotische und dunkle Welt zu bringen suchen. Und da ich selbst einer bin, dem Sie Ihre gesegnete Hand immer wieder reichten, beuge ich mich heute tief über sie und danke Ihnen. Ich schenke Ihnen beiden die geheimnisvolle Hand, die ich vor sechs Jahren, wie getrieben, gleich nach meiner Ankunft in San Francisco erwarb ... Da ich nur schenken kann, was ich besitze und nur schenken will, was ich gerne besitze, bitte ich Sie, diese Hand zu nehmen ...".
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