Antiquarische Highlights: Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

Objekt des Monats März 2018

Erstausgabe von Georg Friedrich Händel - Tamerlane An Opera Compos'dErstausgabe von Georg Friedrich Händel - Tamerlane An Opera Compos'd

 

Zum 333. Geburtstag von Georg Friedrich Händel
(geboren am 5. März 1685 in Halle an der Saale, gestorben am 14. April 1759 in London)

HÄNDEL, G. F.: Tamerlane An Opera Compos'd by Mr. Handel And Corrected Figur'd by his own Hand. Engrav'd in Copper Plates ... [HWV 18] [Partitur]. London, Printed and sold by J. Cluer [1724]. Quart. 1 LS, 1 S. Privilegserklärung, 1 LS, Frontispiz,Titel, 1 S. Index., 89 Seiten. Notiz von alter Hand auf dem Vorsatz. Kleines Datum (Abschluss der Komposition) von alter Hand im weißen Rand des Titels. Lederband der Zeit. Titelschildchen in Gold auf rotem Maroquin. Gelenke gelockert. Gebrauchsspuren, Lederverlust an den Ecken.

€ 8000,–-

Erstausgabe der Partitur einer der frühen Händel-Opern mit dem prächtigen Frontispiz in Kupferstich. Händel, der die Position des Musiklehrers der Prinzessinnen innehatte, erwies dem Hof die Gefälligkeit, vom gegen Ludwig XIV von Frankreich gerichteten Theaterstück "Tamerlane" eine Opernversion anzufertigen. Das Stück, das die Opernsaison im King's Theatre Haymarket am 31.10.1724 eröffnete wurde alleine im Oktober und November neunmal aufgeführt und somit ein großer Erfolg. Heute zählt die Oper zu den bedeutendsten Händels. Sie handelt vom Machtkampf zwischen dem mongolischen Eroberer Tamerlano und dem Sultan des osmanischen Reiches Bajazet, der dessen Gefangener ist. Tamerlano begehrt Asteria, die Tochter Bajazets, doch der Vater will eher sterben als die Tochter dem Feind zu überlassen. Die Hauptfigur des Bajazets wurde entgegen der damaligen Gepflogenheiten von einem Tenor gesungen, während der mongolische Eroberer von einem Countertenor verkörpert wird. Am Schluss des dritten Aktes schuf Händel mit dem groß angelegten Selbstmord Bajazets eine der außergewöhnlichsten und erschütterndsten Szenen seines Opernschaffens. Der Tyrann lässt sich dadurch erweichen, überläßt Asteria ihrem Geliebten Andronico und heiratet seine Verlobte Irene. - Im Jahr 2012 begeisterte Placido Domingo das Salzburger Festspielpublikum in der Rolle des Bajazets und machte die Oper damit zu einem Highlight der Festspiele. - Exemplar aus dem Besitz des blinden Harfenisten John Parry mit dessen handschriftlichem Ex-Libris. - Slg. Hoboken 43; Smith, 72/1; RISM H 350.

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Objekt des Monats Februar 2018

Erstausgabe von Carl Orffs Oper „Die Kluge“

 

Zum 75. Jahrestag der Uraufführung von Carl Orffs Oper „Die Kluge“

Mit dem Objekt des Monats Februar erinnern wir an den 75. Jahrestag der Uraufführung von Carl Orffs Oper „Die Kluge“, die am 20. Februar 1943 auf den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main stattfand.

ORFF, C.: Die Kluge. Die Geschichte von dem König und der klugen Frau. Klavierauszug. Mainz, B. Schott's Söhne (VerlagsNr. B. S. S. 36698) (1942). Folio. 2 Bl., 140 S. Titel mit eigenhändiger Widmung von Carl Orff. Originalkarton mit farbiger Illustration von Caspar Neher. Rücken überklebt. (Edition Schott 2868).

€ 400,–-

Erstausgabe mit eigenhändiger Widmung von Carl Orff an den amerikanischen Dirigenten "Newell Jenkins in Wiedersehensfreude Weihnachten 1945". - Orff verfasste das Libretto selbst. Als Vorlage diente das Märchen "die kluge Bauerstochter" der Gebrüder Grimm. In dem Bühnenstück übt Orff Kritik am damaligen Regime, das die nationalsozialistischen Machthaber damals nicht recht durchschauten: "... wer viel hat . . . hat auch die Macht . . . und wer die Macht hat, hat das Recht . . . und wer das Recht hat, beugt es auch, denn über allem herrscht Gewalt!" Orff bezeichnete die "Kluge" als "eine Geschichte, kein Märchen, von lauter Lebendigen lebendig gespielt". Das Stück wurde nach den "Carmina burana" zu seinem erfolgreichsten Werk. - Orff-Dokumentation V, 269; BSB 12, 4772; CPM 43, 331.

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Objekt des Monats Januar 2018

Erstausgabe aller sechs Klaviersonaten Carl Philipp Emanuel Bach

 

Zum 230. Todesjahr von Carl Philipp Emanuel Bach

(geboren 1714 in Weimar, gestorben 1788 in Hamburg) 

„Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihm gelernt“. (Mozart).

Carl Philipp Emanuel Bach war der berühmteste der vier, ebenfalls als Komponisten tätigen, Bachsöhnen. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker in der Zeit zwischen Barock und Klassik und hatte großen Einfluß u.a. auf Haydn und Beethoven.

BACH, C. Ph. E.: Sechs Clavier-Sonaten (nebst einigen Rondos fürs Forte-Piano) für Kenner und Liebhaber. [Wq 55-59,61] Erste (bis sechste) Sammlung in 1 Band. Leipzig, Im Verlage des Autors 1779-1787. Quer-Folio. Je Heft mit Titelblatt und Pränumeranten-Verzeichnis.  Anfangs einige Blatt mit Wasserrand am rechten oberen Blattrand. Etwas gebräunt. Sonst gutes Exemplar. Schöner, etwas späterer Halblederband mit Rückenvergoldung. Unteres Kapital leicht beschädigt.

€ 9.500,–-

Erstausgabe der Sammlung aller sechs Klaviersonaten "für Kenner und Liebhaber" in Typendruck. Äußerst selten in dieser Vollständigkeit. - Der zweitälteste Sohn J. S. Bachs (1714-1788) lebte viele Jahre als Cembalo-Virtuose Friedrichs des Großen am Berliner Hof und später als Kantor und Musikdirektor in Hamburg,  wo auch die Sonaten entstanden sind. Sein Einfluß auf die Entwicklung des Klavierstils ist nicht hoch genug einzuschätzen, seine Verdienste um das Musikleben seiner Zeit enorm. Dementsprechend besaß er bereits zu Lebzeiten eine herausragende Stellung bei seinen Zeitgenossen, wie das Pränumeranten-Verzeichnis der Sonaten zeigt (u. a. Burney, Kirnberger, Marpurg, Schubart und Türk). - Die einzelnen Hefte, jeweils in Typendruck, wurden in der Breitkopfischen Offizin hergestellt. Die Sammlungen 1-3 liegen in der Ausgabe mit Diskantschlüssel (statt Violinschlüssel) vor. Beide Ausgaben sind gleichzeitig erschienen. - Hoboken 190, 192, 195, 196, 198, 201; RISM B 85, 87, 88, 90, 91, 93; Helm S. 262 f.

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Objekt des Monats Dezember 2017

Eigenhändiger Brief von Heinrich Heine

 

Zum 220. Geburtstag von Heinrich Heine

(geboren am 13.12.1797 in Düsseldorf, gestorben am 17. Februar 1856 in Paris) 

Schöner, ausführlicher Brief des 26-jährigen Heinrich Heines an seine jüngere Schwester Charlotte, Ehefrau des Hamburger Kaufmanns Moritz Embden, der er über seine beabsichtigte Abreise aus Lüneburg und sein geplantes venezianisches Trauerspiel berichtet. Nach seiner Abreise aus Berlin im Mai 1823 hatte Heine einen studienlosen Sommer in Lüneburg verbracht.

Am 24. Januar 1824 traf er in Göttigen ein, um sich erneut an der dortigen Universität zu immatrikulieren, mit der festen Absicht, sein juristisches Studium mit der Promotion abzugschließen. Vorangegangen war die Aussöhnung mit seinem Hamburger Onkel Salomon, der selbst nach Heines zweimaliger Exmatrikulation bereit war, ihn weitere zwei Jahre zu finanzieren. Bedingung dafür war die Wahl des provinziellen Studienortes Göttingen, der ihn vor den gesellschaftlichen und literarischen Ablenkungen, die seine Studien in Berlin begleitet hatten, schützen sollte.

HEINE, Heinrich [1797-1856]: Eigenhändiger Brief mit Ort, Datum und Unterschrift. Lüneburg, 9. Januar 1824 [recte 11.1.1824]. Großoktav. 2 1/4 Seiten mit Siegelspur. Adresse abgeschnitten, dadurch Textverlust von 3/4 der Seite, leicht fleckig.

€ 48.000,–-

"Liebe kleine Person! Heute reise ich noch nicht; aber ich reise übermorgen wenn meine Hemde unterdessen trocken sind, und ein Brief, den ich von Berlin erwarte, angekommen ist. Du weißt noch von Hamburg her, daß ich überall, wo ich bin, so leicht kleben bleibe. Aber heut über acht Tag müssen die Thore und Menschengesichter Lüneburgs hinter mir seyn. Von meinen Eltern wird mir der Abschied schwer werden. Wir deklamiren Dein Trompeterstückchen: Calypso ne pouvoit se consoler du depart d’Ulysse - - Denkst Du aimable Französinn noch an jene Telemakzeit? Wie gern küßte ich Dir noch einmal die scharmanten Katzenpfötchen ehe ich mich aus dieser Gegend entferne! Auch von Amiechen wird mir der Abschied schwer. Die kleine Bestie hat mir hier wahrlich manche Stunde verschönert. Wenn ich des Abends lese sitzt das nette Thierchen auf meiner Schulter, und fängt immer an zu bellen wenn ich an eine schöne Stelle des Buches komme. Amiechen hat mehr Verstand u Gefühl als alle deutschen Philosophen u Poeten. - Vorgestern hab ich an Gustav geschrieben. - Ueber Deinen Brief vom 31 Dez habe ich mich recht gefreut. Es ist heute Sonntag, vielleicht habe ich mich oben im Datum geirrt. - Ueber Deine literarische Noth habe ich herzlich gelacht. Schreibe mir oft. Daß ich an einem Trauerspiel arbeite, wie man Dir berichtet, hat nicht ganz seine Richtigkeit. Ich habe nemlich noch keine Zeile davon geschrieben, und das Stück existirt bis jetzt bloß in meinem Kopfe; wo noch manche andere Stücke und noch viele gute Bücher bereit liegen. Aber jetzt bin ich zu krank um etwas zu schreiben und meine wenigen gesunden Stunden sind meinen Studien gewidmet. Es ist jetzt überhaupt noch immer die Zeit der Saat bey mir; ich hoffe aber auf eine gute Erndte. Ich suche die verschiedenartigsten Kenntnisse in mir aufzunehmen u werde mich in der Folge desto vielseitiger u ausgebildeter als Schriftsteller zeigen. Der Poet ist bloß ein kleiner Theil von mir; ich glaube Du kennst mich hinlänglich um dieses zu begreifen. Deinen Rath recht viele in meinem Trauerspiel sterben zu lassen hab ich mir bemerkt. Ach Gott, ich wollte ich könnte alle meine Feinde darinn sterben lassen. Den Pfuscher grüße mir recht viele tausendmahl. Wiederhole ihm die Versicherung meiner Freundschaft. Wer mein kleines Lottchen liebt den liebe ich auch. Außerdem bin ich ja auch ein großer Verehrer von Archenholz. Grüße mir auch Adolf Emden und dessen Lottchen, so wie auch die Familie Jaques u Fanny u Mama." (Der anschließende Briefteil fehlt.) "Ich hoffe, liebes Lottchen, daß Du mir in Göttingen viele liebe Briefchen zukommen lassen wirst; jedes derselben erheitert meine Seele. Alles was Du schreibst ist so lieb u klar; wie ein reiner Spiegel, zeigt mir jede Zeile Dein gutes Originalgemüth. Lebe wohl u behalte mich lieb H. Heine." - Erläuterungen: "Brief": von seinem engen Freund, dem Bankangestellten Moses Moser, den Heine um Übersendung eines Abgangszeugnisses der Berliner Universität gebeten hatte, das er für die Fortsetzung seines Studiums in Göttingen benötigte. - "Calypso": Fénelon, Les aventures de Telemaque, fils d’Ulysse, 1699. - "Trauerspiel": Heine wollte ein Drama in fünf Akten schreiben, dessen Handlung in Venedig spielen sollte. Er gab den Plan jedoch im Herbst des Jahres auf. - "Pfuscher": Charlottes Ehemann, Moritz Embden. - "Archenholz": der Historiker und Schriftsteller Johann Wilhelm von A., 1743-1812. - "Familie Jaques u Fanny u Mama": die Familie des Kaufmanns Theodor Jacques und seiner Ehefrau Emilie geb. Embden; mit Mama ist Esther Embden geb. Cohen, die Mutter von Adolph und Moritz Embden, gemeint; Fanny ist Heines Cousine, die zweite Tochter Salomon Heines, seit 1818 mit dem Arzt Christian Wilhelm Schröder verheiratet. - In der Säkularausgabe Band 20 unter Nr. 90 nach einer Photokopie gedruckt; der fehlende Briefteil war schon damals nicht mehr vorhanden.

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