In unserem Online-Katalog finden Sie Erstausgaben, Autographen, Noten, Handschriften uvm.

[LENZ, J. M. R.]: Anmerkungen übers Theater nebst angehängten übersetzten Stück Shakespears. Leipzig, Weygand 1774. 160 S.,Titel mit Klebespur im Bug, sonst sehr schönes, sauberes Exemplar. Halblederband im Stil der Zeit mit zeitgenössischem Buntpapier.

Artikelnummer: 27104
4500,00 €
Steuerbetrag
Standardisierter Preis / COM_VIRTUEMART_UNIT_SYMBOL_:
  • Selten. Erstausgabe des wichtigsten Beitrags zur Dramentheorie des Sturm und Drang, eins der zentralen Dokumente der neuen gegen den Rationalismus gerichteten Poetik. Der Text steht in engem Zusammenhang mit den Shakespeare-Abhandlungen Goethes und Herders sowie - vor allem in der Bestimmung des Geniebegriffs - mit H.W. Gerstenbergs "Briefe über die Merkwürdigkeiten der Literatur". Lenz fügt seiner Theorie über Shakespeare die erste deutsche Übersetzung von dessen "literarischster Komödie" 'Loves Labour's Lost' an. "Niemand war fähiger als er, die Ausschweifungen und Auswüchse des Shakespear'schen Genies zu empfinden und nachzubilden. Die obengedachte Übersetzung gibt ein Zeugnis hiervon" (Goethe in DuW, 11. Buch). Seine Abrechnung mit der Aristotelischen Tradition ist "die eigenartigste und eigenwilligste Schrift, die sich in der deutsche Literatur mit der Theorie der Dichtung und mit der ästhetischen Reflexion einer Gattung beschäftigt" (F. Martini). Anonym durch die Vermittlung Goethes bei dessen Verleger erschienen wurde die Schrift anfangs ihm zugeschrieben. Diese formal und inhaltlich neue Gattungstheorie wurde von Lenz im "Hofmeister" erstmals dichterisch verwirklicht (vgl. Heike Spies). Wieland mokiert sich in seiner berühmten Rezension im "Teutschen Merkur" Februar 1775: "der Kerl ist'n Genie, und hat bloss für Genien, wie er ist, geschrieben". Aus Zorn darüber schrieb Lenz das "Pandämonium Germanicum" und die "Wolken". - Schulte-Strathaus 187, 6; Sturm und Drang-Kat. Freies Dt. Hochstift, Nr. 93; Slg. Kurt Wolff 897.
Logo VDA Unser Antiquariat ist Mitglied im traditionsreichen Verband der deutschen Antiquare (VDA) und der International League of Antiquarian Booksellers (ILAB). ILAB Logo